
Die weitverbreitete Annahme, eine energetische Sanierung finanziere sich allein durch Wertsteigerung, ist ein Mythos. Oft deckt der Mehrwert die Investition nicht zu 100%.
- Der Sanierungsstau („versteckte Hypothek“) drückt den Verkaufspreis überproportional und macht das Nichtstun zur teuersten Variante.
- Die richtige Strategie kombiniert kantonale Fördergelder, eine etappierte Ausführung zur Brechung der Steuerprogression und die Wahl des richtigen Heizsystems.
Empfehlung: Betrachten Sie die Sanierung nicht als einzelne Baustelle, sondern als strategische Neupositionierung Ihrer Liegenschaft. Eine sorgfältige Planung maximiert den Return on Investment (ROI) durch Fördergelder und Steueroptimierung.
Als Besitzer einer älteren Liegenschaft in der Schweiz stehen Sie vor einem Dilemma. Die Heizkosten steigen, der Druck zur energetischen Sanierung wächst, und Begriffe wie Wärmepumpe oder Fassadendämmung sind omnipräsent. Gleichzeitig sind die Investitionen immens und die zentrale Frage lautet: Lohnt sich das finanziell überhaupt oder verbrennen Sie Geld für den Klimaschutz, das Sie beim Verkauf nie wiedersehen? Viele Ratgeber versprechen eine simple Gleichung: Sanierungskosten gleich Wertsteigerung. Die Realität ist jedoch komplexer und erfordert ein strategisches Vorgehen.
Die landläufige Meinung konzentriert sich oft nur auf die Einsparung von Energiekosten. Doch dieser Ansatz ist zu kurzsichtig. Eine energetische Sanierung ist in erster Linie eine finanzielle Operation, die den zukünftigen Wert und die Verkäuflichkeit Ihrer Immobilie sichert. Es geht nicht darum, blind zu modernisieren, sondern die richtigen Massnahmen in der richtigen Reihenfolge zu ergreifen, um Förderungen zu maximieren, die Steuerlast zu minimieren und den unvermeidlichen Wertverlust durch aufgeschobenen Unterhalt zu stoppen. Die wahre Gefahr für Ihr Vermögen ist nicht die Investition, sondern das Zögern.
Dieser Artikel führt Sie als Bauherrenberater durch die entscheidenden finanziellen und strategischen Aspekte einer energetischen Sanierung in der Schweiz. Wir analysieren, wie Sie staatliche Gelder optimal nutzen, welche Reihenfolge die grösste Effizienz verspricht und wie Sie Ihre Renovation steuerlich geltend machen, um aus einer reinen Kostenposition eine kluge Investition in die Zukunft Ihrer Liegenschaft zu machen.
Um Ihnen eine klare Orientierung zu geben, gliedert sich dieser Leitfaden in acht strategische Bereiche. Jeder Abschnitt beleuchtet eine kritische Komponente, von der Sicherung der Finanzierung bis zur Optimierung Ihrer Steuererklärung.
Inhaltsverzeichnis: Ihr strategischer Leitfaden zur rentablen Sanierung
- Das Gebäudeprogramm und GEAK: Wie holen Sie bis zu 30% der Sanierungskosten vom Kanton zurück?
- Fenster, Dach oder Heizung: In welcher Reihenfolge sanieren Sie am effizientesten?
- Wärmepumpe vs. Fernwärme: Welches System steigert den Wiederverkaufswert Ihrer Immobilie stärker?
- Die „versteckte Hypothek“: Warum aufgeschobener Unterhalt den Verkaufspreis überproportional drückt
- Anbau oder Aufstockung: Wann lohnt sich die Erweiterung der Wohnfläche wirklich?
- Steuerliche Abzugsfähigkeit von Renovationen: Wie Sie mit dem Umbau Steuern sparen
- Liegenschaftsunterhalt: Wann lohnt es sich, Belege zu sammeln statt die Pauschale zu nehmen?
- Welche Abzüge in der Steuererklärung vergessen die meisten Schweizer und schenken dem Staat Geld?
Das Gebäudeprogramm und GEAK: Wie holen Sie bis zu 30% der Sanierungskosten vom Kanton zurück?
Bevor Sie auch nur einen Handwerker beauftragen, ist der erste und wichtigste Schritt die Auseinandersetzung mit den finanziellen Anreizen von Bund und Kantonen. Das Gebäudeprogramm ist das zentrale Instrument, um die hohen Anfangsinvestitionen einer energetischen Sanierung abzufedern. Die Höhe der Fördergelder ist von Kanton zu Kanton unterschiedlich, kann aber einen erheblichen Teil der Kosten decken. Die Voraussetzung dafür ist fast immer ein Gebäudeenergieausweis der Kantone (GEAK), insbesondere der GEAK Plus.
Der GEAK Plus ist mehr als nur ein Zertifikat; er ist Ihre strategische Roadmap. Ein zertifizierter GEAK-Experte analysiert den Ist-Zustand Ihrer Liegenschaft und erstellt bis zu drei Sanierungsvarianten. Dieser Bericht ist die Basis für die meisten Fördergesuche und zeigt auf, welche Massnahmen (z.B. Dämmung von Dach oder Fassade, Fensterersatz) die grösste Wirkung erzielen. Wichtig: Das Fördergesuch muss zwingend vor Baubeginn eingereicht und genehmigt werden. Nachträglich eingereichte Anträge werden in der Regel abgelehnt. Dies ist ein formaler Schritt, dessen Missachtung Sie Tausende von Franken kosten kann.
Zudem sollten Sie prüfen, ob Ihre Gemeinde oder Ihr lokaler Energieversorger zusätzliche Förderprogramme anbietet. Oft lassen sich diese mit den kantonalen Beiträgen kumulieren, was die finanzielle Belastung weiter reduziert. Die maximale Ausschöpfung dieser Töpfe ist kein Bonus, sondern ein fundamentaler Bestandteil einer rentablen Sanierungsstrategie.
Ihr Plan zur maximalen Förderung
- Kontaktieren Sie die kantonale Energieberatungsstelle vor jeglicher Planung, um die spezifischen Bedingungen zu klären.
- Lassen Sie einen GEAK Plus von einem zertifizierten Experten erstellen, um eine objektive Grundlage und optimierte Sanierungsvarianten zu erhalten.
- Reichen Sie das offizielle Fördergesuch bei der zuständigen kantonalen Stelle unbedingt VOR Baubeginn ein und warten Sie auf die Zusage.
- Prüfen Sie aktiv, ob Ihre Gemeinde oder Ihr Energieversorger zusätzliche, kumulierbare Förderungen für spezifische Massnahmen anbieten.
- Denken Sie daran, dass die erhaltenen Förderbeiträge zwar von den steuerlich abzugsfähigen Kosten abgezogen werden müssen, die verbleibenden Investitionen aber weiterhin Ihre Steuerlast senken.
Fenster, Dach oder Heizung: In welcher Reihenfolge sanieren Sie am effizientesten?
Die Frage nach der richtigen Reihenfolge ist zentral für die Effizienz und Wirtschaftlichkeit Ihrer Sanierung. Eine falsche Abfolge führt zu Fehlinvestitionen und Doppelspurigkeiten. Die goldene Regel der Bauphysik lautet: zuerst die Hülle, dann die Technik. Das bedeutet, man dichtet das Gebäude erst ab und passt danach die Heizleistung an den neuen, geringeren Bedarf an. Würde man zuerst eine neue, leistungsstarke Heizung einbauen und erst danach die Fenster ersetzen und das Dach dämmen, wäre die neue Anlage überdimensioniert und würde ineffizient laufen.
Eine typische, effiziente Sanierungsreihenfolge sieht wie folgt aus:
- Dach und oberste Geschossdecke: Da Wärme nach oben steigt, sind hier die Energieverluste oft am grössten. Eine gute Dämmung ist meist die wirtschaftlichste Einzelmassnahme.
- Fassadendämmung und Fensterersatz: Diese Massnahmen reduzieren den Wärmeverlust erheblich und verbessern gleichzeitig den Wohnkomfort durch die Vermeidung von Zugluft und kalten Oberflächen.
- Kellerdeckendämmung: Eine oft unterschätzte, aber kostengünstige Massnahme, um kalte Füsse zu vermeiden.
- Heizungsersatz und Haustechnik: Erst wenn die Gebäudehülle optimiert ist, kann die neue Heizung (z.B. eine Wärmepumpe) passgenau dimensioniert werden. Dies spart Anschaffungs- und Betriebskosten.
Diese Reihenfolge maximiert nicht nur die Energieeinsparung, sondern hat auch strategische steuerliche Vorteile, wie eine Analyse aus dem Kanton Zürich zeigt. Die Aufteilung grosser Investitionen auf mehrere Jahre kann die Steuerprogression brechen. Wie eine Strategie der Etappierung im Kanton Zürich belegt, kann dies die Gesamtrentabilität der Sanierung erheblich steigern, auch wenn die abzugsfähigen Investitionen um erhaltene Förderbeiträge reduziert werden müssen.

Wie das Modell verdeutlicht, baut jede Sanierungsetappe auf der vorherigen auf. Eine gut gedämmte Hülle ist die Voraussetzung für eine effizient dimensionierte Haustechnik wie eine Wärmepumpe. Diese strategische Etappierung ermöglicht es Ihnen, die Investitionen über mehrere Steuerperioden zu verteilen und so Ihre finanzielle Belastung zu optimieren.
Wärmepumpe vs. Fernwärme: Welches System steigert den Wiederverkaufswert Ihrer Immobilie stärker?
Der Ersatz einer alten Öl- oder Gasheizung ist oft das Herzstück einer energetischen Sanierung. In der Schweiz kristallisieren sich zwei Hauptalternativen heraus: die Wärmepumpe und der Anschluss an ein Fernwärmenetz. Beide Systeme gelten als zukunftssicher, unterscheiden sich aber erheblich in Bezug auf Investitionskosten, Betriebskosten und ihren Einfluss auf den Liegenschaftswert. Die Wahl ist nicht nur eine technische, sondern vor allem eine strategische Entscheidung.
Die Wärmepumpe (meist Luft-Wasser) ist eine dezentrale Lösung, die Ihnen volle Autonomie gewährt. Die Anfangsinvestition ist zwar höher, doch die Betriebskosten sind dank der Nutzung von 65-80% kostenloser Umweltenergie sehr tief und stabil. Ein entscheidender Vorteil ist die Kombinierbarkeit mit einer Photovoltaikanlage, was die Betriebskosten weiter senken und die Unabhängigkeit steigern kann. Dies wird von potenziellen Käufern zunehmend als Werttreiber wahrgenommen.
Die Fernwärme ist nur dort verfügbar, wo ein entsprechendes Netz existiert oder geplant ist. Die Anschlusskosten sind deutlich niedriger, was die Anfangsinvestition attraktiv macht. Sie sind jedoch von einem Anbieter und dessen Preispolitik abhängig. Preisanpassungen sind jederzeit möglich und entziehen sich Ihrer Kontrolle. Für Käufer bedeutet dies eine geringere finanzielle Planbarkeit. Laut EnergieSchweiz kann man mit einer Wärmepumpe im Vergleich zu fossilen Systemen signifikant sparen; so ist laut einer Analyse von EnergieSchweiz über 20 Jahre eine Gesamtkostenersparnis von 10-30% realistisch.
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten wirtschaftlichen Kriterien für Ihre Entscheidung zusammen:
| Kriterium | Wärmepumpe | Fernwärme |
|---|---|---|
| Investitionskosten | Höher (CHF 30’000-50’000) | Niedriger (CHF 15’000-25’000) |
| Betriebskosten | 65-80% aus kostenloser Umweltenergie | Abhängig von Preisanpassungen |
| Einsparung über 20 Jahre | 10-30% Gesamtkostenersparnis | Variabel je nach Preisentwicklung |
| Versorgungssicherheit | Ganzjährig gewährleistet | Abhängig vom Netzbetreiber |
| Kombination mit PV | Optimal möglich | Nicht möglich |
Die „versteckte Hypothek“: Warum aufgeschobener Unterhalt den Verkaufspreis überproportional drückt
Viele Eigentümer zögern mit Investitionen und hoffen, die Kosten bei einem späteren Verkauf umgehen zu können. Dies ist ein gefährlicher Trugschluss. Aufgeschobener Unterhalt, insbesondere im energetischen Bereich, wirkt wie eine „versteckte Hypothek“, deren Zinsen bei einem Verkauf fällig werden. Ein potenzieller Käufer sieht eine alte Heizung, schlecht isolierte Fenster oder ein ungedämmtes Dach nicht nur als Mangel, sondern als sofort fälliges Investitionspaket mit ungewissem Ausgang. Dieser wahrgenommene Sanierungsstau drückt den Verkaufspreis oft stärker, als die reinen Sanierungskosten betragen würden.
In der Schweiz ist das Problem weit verbreitet. Laut einer Analyse des Hauseigentümerverbands befinden sich schweizweit knapp eine Million Gebäude in den schlechten GEAK-Klassen E bis G. Diese Immobilien sind auf dem Markt zunehmend im Nachteil. Käufer kalkulieren nicht nur die reinen Handwerkerkosten, sondern auch einen Risiko- und Koordinationsaufschlag in ihre Preisvorstellung ein. Ein Objekt mit einem GEAK der Klasse C oder D verkauft sich deutlich einfacher und zu einem besseren Preis als ein vergleichbares Objekt der Klasse G.
Es ist jedoch wichtig, realistisch zu bleiben. Eine energetische Sanierung ist keine Garantie für einen 1:1-Gewinn. Dieselbe Analyse des HEV Schweiz zeigt, dass bei Einfamilienhäusern die Wertsteigerung oft nur etwa 80% der reinen Investitionskosten für energetische Massnahmen beträgt. Das bedeutet, kurzfristig betrachtet, „verlieren“ Sie 20% Ihrer Investition. Langfristig betrachtet, verhindern Sie jedoch einen viel grösseren Wertverlust. Die Sanierung ist also weniger eine wertvermehrende Investition als vielmehr eine essenzielle Massnahme zum Werterhalt. Das Nichtstun ist finanziell die riskantere Strategie, da der Wertverlust Ihrer unsanierten Immobilie die Kosten der Sanierung über die Jahre übersteigen wird.
Anbau oder Aufstockung: Wann lohnt sich die Erweiterung der Wohnfläche wirklich?
Wenn ohnehin grosse Sanierungsarbeiten an der Gebäudehülle anstehen, stellt sich oft die Frage, ob man die Gelegenheit nicht für eine Erweiterung der Wohnfläche nutzen sollte. Ein Anbau oder eine Aufstockung kann den Wert einer Immobilie signifikant steigern, doch die Rechnung geht nur unter bestimmten Voraussetzungen auf. Der Schlüssel liegt im Verhältnis der Baukosten pro neuem Quadratmeter zum erzielbaren Marktpreis und in der Ausnutzung von Synergien mit der energetischen Sanierung.
Eine Erweiterung lohnt sich finanziell meist dann, wenn die Kosten pro neuem Quadratmeter Wohnfläche deutlich unter dem lokalen Marktpreis für bestehenden Wohnraum liegen. In teuren urbanen Gebieten kann diese Rechnung eher aufgehen als in ländlichen Regionen mit tieferen Immobilienpreisen. Bevor Sie planen, müssen Sie zwingend die kommunale Bau- und Zonenordnung (BZO) konsultieren, um die maximal zulässige Ausnutzungsziffer für Ihr Grundstück zu prüfen. Oft ist das Potenzial bereits ausgeschöpft.
Synergien mit der energetischen Sanierung sind entscheidend. Wenn Sie beispielsweise das Dach ohnehin komplett erneuern und dämmen müssen, sind die Mehrkosten für eine gleichzeitige Aufstockung verhältnismässig geringer, als wenn Sie dies als separates Projekt angehen. Zudem können auch für Erweiterungen Fördergelder aus dem Gebäudeprogramm fliessen, wenn diese mit energetischen Massnahmen nach Minergie-Standard kombiniert werden. Der Gesamtinvestitionsbedarf für die energetische Erneuerung des Schweizer Wohngebäudeparks ist enorm; Schätzungen gehen davon aus, dass der Bruttoinvestitionsbedarf für die Schweiz 52 bis 228 Milliarden CHF bis 2050 beträgt. Eine kluge Kombination von Sanierung und Erweiterung kann Ihre Position in diesem Transformationsprozess stärken.
Die Entscheidung für eine Erweiterung sollte jedoch niemals nur auf einer reinen Kosten-Nutzen-Rechnung basieren. Auch die verbesserte Lebensqualität und die Anpassung der Immobilie an veränderte Bedürfnisse (z.B. Home-Office, Mehrgenerationenwohnen) sind wichtige Faktoren, die in die Gesamtbeurteilung einfliessen müssen. Eine Erweiterung ist eine langfristige, strategische Entscheidung, die die Attraktivität und Funktionalität Ihrer Liegenschaft für die nächsten Jahrzehnte definieren kann.
Steuerliche Abzugsfähigkeit von Renovationen: Wie Sie mit dem Umbau Steuern sparen
Neben den direkten Fördergeldern ist die steuerliche Abzugsfähigkeit der Sanierungskosten der zweite grosse finanzielle Hebel. Das Schweizer Steuersystem unterscheidet grundsätzlich zwischen werterhaltenden und wertvermehrenden Investitionen. Werterhaltende Kosten, also der Ersatz von Bestehendem (z.B. neue Fenster gleicher Grösse, Neuanstrich), sind vollumfänglich vom steuerbaren Einkommen abziehbar. Wertvermehrende Kosten, die etwas Neues schaffen (z.B. ein Anbau), sind es normalerweise nicht – sie werden erst beim Verkauf im Rahmen der Grundstückgewinnsteuer relevant.
Hier kommt jedoch eine entscheidende Ausnahme ins Spiel, die für die energetische Sanierung zentral ist. Wie offizielle Stellen bestätigen, können Investitionen, die dem Energiesparen oder dem Umweltschutz dienen, vollumfänglich abgezogen werden, selbst wenn sie objektiv einen Mehrwert schaffen. Das Gebäudeprogramm formuliert es klar:
Bei Liegenschaften im Privatvermögen können Sie Unterhaltskosten sowie wertvermehrende Investitionen, die zur rationellen Energieverwendung oder zur Nutzung erneuerbarer Energien beitragen, von der direkten Bundessteuer abziehen.
– Das Gebäudeprogramm, Häufige Fragen zum Gebäudeprogramm
Das bedeutet, der Einbau einer Wärmepumpe, die Installation einer Solaranlage oder die Dämmung der Fassade sind in der Regel vollständig abzugsfähig. Um diesen Vorteil zu maximieren, ist die bereits erwähnte strategische Etappierung entscheidend. Indem Sie die Sanierungskosten auf zwei oder mehr Steuerjahre verteilen, können Sie die hohe Steuerprogression brechen und über die Jahre insgesamt mehr Steuern sparen, als wenn Sie die gesamte Summe in einem einzigen Jahr geltend machen. Eine saubere Trennung und Dokumentation der Kosten ist dabei unerlässlich.
Für eine optimale Steuerplanung sollten Sie folgende Punkte beachten:
- Alle Investitionen in Energiesparmassnahmen und erneuerbare Energien sind in der Regel abzugsfähig.
- Prüfen Sie die Verteilung grösserer Investitionen auf mehrere Jahre, um die Steuerprogression zu brechen.
- Die abzugsfähigen Investitionskosten müssen um die erhaltenen Förderbeiträge reduziert werden.
- Führen Sie eine saubere Buchhaltung und trennen Sie klar zwischen werterhaltenden und rein wertvermehrenden (nicht-energetischen) Kosten.
- Bewahren Sie sämtliche Rechnungen und Belege sorgfältig für die Steuererklärung auf.
Liegenschaftsunterhalt: Wann lohnt es sich, Belege zu sammeln statt die Pauschale zu nehmen?
Bei der Steuererklärung haben Eigentümer von Liegenschaften im Privatvermögen die Wahl: Sie können entweder eine Pauschale für Unterhaltskosten vom Eigenmietwert abziehen oder die effektiven Kosten geltend machen. Die Höhe der Pauschale ist kantonal geregelt, beträgt aber meist 10% des Eigenmietwerts für Liegenschaften, die jünger als 10 Jahre sind, und 20% für ältere. Die Entscheidung zwischen Pauschale und effektiven Kosten ist eine jährliche Abwägung, die sich in einem Sanierungsjahr massiv verschiebt.
In Jahren ohne grössere Renovationen ist die Pauschale oft die einfachere und manchmal sogar vorteilhaftere Option, insbesondere bei neueren Gebäuden, bei denen wenig Unterhalt anfällt. Sobald jedoch eine energetische Sanierung ansteht, ist die Wahl der effektiven Abrechnung fast immer zwingend. Die abzugsfähigen Kosten für Dämmung, Heizungsersatz und Fenster übersteigen die Unterhaltspauschale in der Regel um ein Vielfaches. In einem Sanierungsjahr können die effektiven Kosten schnell 30% bis 50% oder mehr des Eigenmietwerts ausmachen.
Das akribische Sammeln aller Belege ist daher unerlässlich. Dazu gehören nicht nur die grossen Handwerkerrechnungen, sondern auch kleinere Posten wie Service-Abonnemente für die Heizung oder Prämien für die Gebäudeversicherung, die ebenfalls als Unterhalt gelten. Denken Sie daran, dass sich die Investition in die Sanierung nicht immer 1:1 im Verkaufspreis niederschlägt. Eine Analyse der NZZ zeigt auf, dass die Wertsteigerung oft um 12% tiefer liegt als die Sanierungskosten. Umso wichtiger ist es, jeden möglichen Franken über die Steuererklärung zurückzuholen, um die Gesamtrendite zu verbessern.
Die folgende Übersicht hilft bei der jährlichen Entscheidung:
| Gebäudealter | Pauschale | Empfehlung |
|---|---|---|
| Bis 10 Jahre | 10% des Eigenmietwerts | Meist Pauschale günstiger |
| Über 10 Jahre | 20% des Eigenmietwerts | Belege sammeln oft vorteilhafter |
| Bei Sanierung | Fix 10-20% | Immer Belege (kann 30-50% erreichen) |
Das Wichtigste in Kürze
- Strategie vor Aktion: Ein GEAK Plus und die Abklärung von Fördergeldern müssen vor dem ersten Spatenstich erfolgen.
- Hülle vor Technik: Sanieren Sie immer zuerst Dach und Fassade, bevor Sie eine neue, passgenaue Heizung installieren, um Fehlinvestitionen zu vermeiden.
- Rendite durch Steuern: Die Wertsteigerung allein deckt oft nicht die vollen Kosten. Die eigentliche Rendite entsteht durch die Kombination von Fördergeldern und maximalen Steuerabzügen.
Welche Abzüge in der Steuererklärung vergessen die meisten Schweizer und schenken dem Staat Geld?
Die Optimierung der Steuerlast endet nicht mit den grossen Sanierungsrechnungen. Viele Schweizer Hausbesitzer lassen Jahr für Jahr beträchtliche Summen liegen, weil sie legitime Abzüge übersehen, die über die Standard-Unterhaltskosten hinausgehen. Als strategisch denkender Eigentümer sollten Sie Ihre Steuererklärung als ein weiteres Instrument zur Renditeoptimierung Ihrer Immobilie betrachten. Gerade im Umfeld einer Sanierung fallen oft Kosten an, die fälschlicherweise nicht deklariert werden.
Ein herausragendes Beispiel für eine erfolgreiche Strategie ist eine Sanierung eines Mehrfamilienhauses in Zürich. Bei diesem Objekt aus dem Jahr 1980 beliefen sich die Nettoinvestitionen nach Abzug von Fördergeldern und Steuerersparnissen auf knapp 700’000 CHF. Das Resultat war nicht nur eine Marktwertsteigerung von 10%, sondern auch ein Return on Investment von 5%, da die eingesparten Nebenkosten höhere Nettomieten bei Neuvermietungen ermöglichten. Dies zeigt, dass eine ganzheitliche Betrachtung, die alle finanziellen Hebel einbezieht, zu einer positiven Rendite führen kann.
Zu den häufig vergessenen, aber voll abzugsfähigen Posten gehören:
- Indirekte Amortisation: Wenn Sie Ihre Hypothek über die Säule 3a amortisieren, können die Einzahlungen in die Säule 3a vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden.
- Vermögensverwaltungskosten: Depotgebühren und Pauschalen für die Verwaltung von Wertschriften (oft 0.1-0.3% des Vermögens) sind abzugsfähig.
- Service-Abonnemente: Die Kosten für den jährlichen Service der Heizung, des Lifts oder anderer technischer Anlagen gelten als Unterhalt.
- Gebäudeversicherungsprämien: Die Prämien für die obligatorische Gebäudeversicherung sind ebenfalls als Unterhaltskosten abzugsfähig.
- Beratungskosten: Die Kosten für eine Energieberatung oder die Erstellung des GEAK-Gutachtens sind oft abzugsfähig, da sie der Vorbereitung von Unterhaltsarbeiten dienen.
Es lohnt sich, die Wegleitung zur Steuererklärung Ihres Kantons genau zu studieren oder einen Treuhänder zu konsultieren. Jeder nicht geltend gemachte Abzug ist de facto ein Geschenk an den Staat und schmälert die Gesamtrendite Ihrer Investition in die Liegenschaft.
Um die Rentabilität Ihrer energetischen Sanierung sicherzustellen, ist der erste Schritt eine fundierte Analyse Ihrer spezifischen Situation. Beginnen Sie mit der Einholung eines GEAK Plus und einer professionellen Beratung, um eine klare, auf Zahlen basierende Entscheidungsgrundlage zu schaffen.
Häufige Fragen zur Gebäudeerweiterung
Werden Aufstockungen im Gebäudeprogramm gefördert?
Ja, wenn die Aufstockung mit energetischen Massnahmen wie Dachdämmung nach Minergie-Standard kombiniert wird.
Wie prüfe ich die maximale Ausnutzungsziffer?
Die kantonale und kommunale Bau- und Zonenordnung (BZO) gibt Auskunft über die erlaubte Geschossflächenziffer.
Lohnt sich eine Erweiterung bei Vermietung?
Nur wenn die Kosten pro neuem m² deutlich unter dem lokalen Marktpreis liegen und die Nettorendite stimmt.