Veröffentlicht am März 15, 2024

Die Delegation Ihrer Vermögensverwaltung ist oft teurer als nötig, da die Kosten-Architektur der Banken systematisch Ihre Rendite schmälert.

  • All-in-Fees von über 1,3% pro Jahr können über 20 Jahre fast ein Drittel Ihres potenziellen Vermögenszuwachses vernichten.
  • Versteckte Gebühren wie Kickbacks und überteuerte hauseigene Produkte (oft in Standard-Modellportfolios) stellen einen direkten Interessenkonflikt dar.

Empfehlung: Führen Sie bei der Auswahl eines Verwalters einen rigorosen „Beauty Contest“ durch oder verfolgen Sie eine disziplinierte, kostengünstige ETF-Strategie im Alleingang. Passives Vertrauen ist die teuerste Anlageentscheidung.

Sie haben durch eine Erbschaft oder unternehmerischen Erfolg ein beachtliches Vermögen von über 500’000 Franken aufgebaut. Ihnen fehlt jedoch die Zeit oder das spezifische Wissen, um sich aktiv um die Anlagen zu kümmern. Die naheliegende Lösung scheint ein Vermögensverwaltungsmandat bei einer renommierten Schweizer Bank zu sein. Doch ein tiefes Misstrauen gegenüber hohen, undurchsichtigen Gebühren hält Sie zurück. Zu Recht. Die landläufige Meinung, man kaufe mit einem Mandat Expertise und spare Zeit, ist nur die halbe Wahrheit.

Die herkömmliche Beratung fokussiert sich oft auf die Auswahl einer passenden Anlagestrategie – konservativ, ausgewogen oder wachstumsorientiert. Doch dieser Ansatz übersieht den entscheidenden Faktor, der langfristig über Ihren Anlageerfolg entscheidet: die Kosten. Die wahre Herausforderung liegt nicht in der Wahl zwischen Aktien und Obligationen, sondern im Verständnis der komplexen Kosten-Architektur, die von Banken entworfen wurde. Oft ist Ihre „individuelle“ Strategie nur ein Vorwand, um Ihnen teure, hauseigene Produkte zu verkaufen.

Aber was, wenn der Schlüssel zum Erfolg nicht darin liegt, den besten „Berater“ zu finden, sondern darin, selbst zum kritischen Prüfer zu werden? Dieser Artikel verfolgt genau diesen Ansatz. Wir werden nicht nur die Oberfläche der ausgewiesenen „All-in-Fees“ kratzen. Wir tauchen tief in die Welt der versteckten Gebühren, der Kickbacks und der systemischen Ineffizienzen von Bankprodukten ein. Sie erhalten eine klare, objektive Analyse, die den traditionellen Bankier mit kostengünstigen digitalen Alternativen und der Option des Selbermachens vergleicht. Ziel ist es, Ihnen die Werkzeuge an die Hand zu geben, um entweder als informierter Kunde auf Augenhöhe mit Ihrer Bank zu verhandeln oder Ihr Vermögen eigenständig und kosteneffizient zu verwalten.

Dieser Leitfaden ist so strukturiert, dass er Ihnen eine schrittweise Analyse der entscheidenden Fragen ermöglicht. Von der Wirkung der Gebühren bis zur konkreten Auswahl eines Brokers decken wir alle Aspekte ab, die Sie für eine fundierte Entscheidung benötigen.

Warum fressen All-in-Fees von 1,5% über 20 Jahre ein Drittel Ihres Vermögenszuwachses auf?

Die „All-in-Fee“ klingt nach Transparenz und Einfachheit: eine Pauschalgebühr, die alle Dienstleistungen abdeckt. In der Realität ist sie oft der Beginn einer langen Kette von Kosten, die Ihre Rendite systematisch schmälern. Eine scheinbar harmlose Gebühr von 1,5% pro Jahr hat durch den Zinseszinseffekt eine verheerende Langzeitwirkung. Bei einer angenommenen Bruttorendite von 6% pro Jahr reduziert eine Gebühr von 1,5% Ihre Nettorendite auf 4,5%. Über 20 Jahre wächst ein Anfangskapital von 500’000 Franken mit 6% auf rund 1,6 Millionen an. Mit 4,5% sind es nur noch 1,2 Millionen. Die Gebühren haben Sie rund 400’000 Franken gekostet – ein Drittel Ihres potenziellen Vermögenszuwachses.

Das Problem ist, dass selbst diese „All-in-Fee“ selten wirklich alles beinhaltet. Die durchschnittliche Gebühr für ein Mandat mit Aktienportfolio liegt in der Schweiz laut einer aktuellen Moneyland-Studie bei 1,32% pro Jahr. Doch das ist oft nur die Spitze des Eisbergs. Viele Banken verrechnen zusätzliche, oft versteckte Kosten, die direkt von der Rendite abgezogen werden. Diese Gebühren-Verschleierung macht einen echten Kostenvergleich extrem schwierig.

Die wahre Kosten-Architektur eines Mandats umfasst in der Regel folgende Blöcke:

  • Vermögensverwaltungshonorar: Die eigentliche „All-in-Fee“ für die Verwaltung und das Research.
  • Depotgebühren: Kosten für die blosse Verwahrung Ihrer Wertpapiere.
  • Transaktionskosten (Courtagen): Gebühren für jeden Kauf und Verkauf im Portfolio.
  • Produktkosten (TER): Die laufenden Gebühren der eingesetzten Fonds und ETFs, die nicht im Verwaltungshonorar enthalten sind.
  • Eidgenössische Stempelabgabe: Eine Steuer von 0,075% (Inland) bzw. 0,15% (Ausland) auf jede Transaktion.
  • Währungsumrechnungsmargen: Oft unbemerkte Aufschläge von 0,5% bis 1% bei Fremdwährungstransaktionen.

Zusammengenommen können diese Kosten die Gesamtkostenquote (Total Cost of Ownership) leicht auf über 2% pro Jahr treiben, was die langfristige Rendite noch stärker erodiert.

Robo-Advisor vs. Privatbankier: Wer liefert die bessere Performance nach Kosten?

Angesichts der hohen Kosten traditioneller Privatbanken drängen digitale Alternativen, sogenannte Robo-Advisors, auf den Schweizer Markt. Sie versprechen eine professionelle Vermögensverwaltung auf Basis von Algorithmen und passiven Indexfonds (ETFs) zu einem Bruchteil der Kosten. Doch können sie den persönlichen Service eines Privatbankiers ersetzen und liefern sie wirklich eine bessere Nettoperformance?

Der Hauptunterschied liegt im Servicemodell und in der damit verbundenen Kostenstruktur. Ein Privatbankier bietet persönliche Beratung, entwickelt (vermeintlich) individuelle Strategien und steht für Rückfragen zur Verfügung. Dieser Service hat seinen Preis. Robo-Advisors hingegen bieten einen standardisierten, digitalen Prozess: Nach einer Online-Befragung zu Risikotoleranz und Anlagehorizont wird automatisch ein passendes ETF-Portfolio zusammengestellt und verwaltet. Der menschliche Kontakt ist minimal.

Moderne digitale Vermögensverwaltung mit Robo-Advisor auf Tablet als Gegenstück zur traditionellen Bank.

Die Kostenunterschiede sind, wie die folgende Übersicht zeigt, erheblich. Während klassische Banken oft hohe sechsstellige Beträge als Mindestanlage fordern, sind digitale Anbieter bereits mit wenigen tausend Franken zugänglich. Das macht sie nicht nur für die Verwaltung grosser Vermögen, sondern auch für den schrittweisen Vermögensaufbau interessant.

Dieser Kostenvergleich verdeutlicht den zentralen Konflikt: Eine persönliche Beratung ist angenehm, aber sie muss durch eine signifikant höhere Bruttorendite einen Mehrwert schaffen, um die höheren Kosten zu rechtfertigen. In der Praxis gelingt dies den wenigsten aktiven Managern nachhaltig.

Kostenvergleich: Robo-Advisor vs. traditionelle Vermögensverwaltung
Anbietertyp Durchschnittliche Kosten p.a. Mindestanlage Service
Klassische Bank 1,4% + Fondsgebühren 250’000-500’000 CHF Persönliche Beratung
Robo-Advisor 0,5-0,75% 0-10’000 CHF Digitale Verwaltung
Unabhängiger Vermögensverwalter 0,8-1,2% 100’000 CHF Individuelle Betreuung

Für Anleger, die keinen Wert auf persönliche Treffen legen und eine disziplinierte, auf ETFs basierende Strategie bevorzugen, bieten Robo-Advisors nach Kosten oft die überlegene Alternative. Der Privatbankier rechtfertigt seine Gebühren nur, wenn er nachweislich Mehrwert in Bereichen wie Steueroptimierung, Nachlassplanung oder Zugang zu exklusiven Anlagen bietet – ein Nachweis, den Kunden aktiv einfordern sollten.

Das Geheimnis der Kickbacks: Behält Ihre Bank Provisionen, die eigentlich Ihnen gehören?

Einer der grössten und am besten versteckten Kostenblöcke in der traditionellen Vermögensverwaltung sind Retrozessionen, oft auch als „Kickbacks“ bezeichnet. Dabei handelt es sich um Vertriebsprovisionen, die Produktanbieter (z.B. Fondsgesellschaften) an die Bank zahlen, weil diese deren Produkte an ihre Kunden verkauft hat. Diese Zahlungen schaffen einen massiven Interessenkonflikt: Die Bank hat einen Anreiz, nicht den besten oder günstigsten Fonds für Sie auszuwählen, sondern denjenigen, der ihr die höchste Provision zahlt.

Das Bundesgericht hat in einem wegweisenden Entscheid (BGE 132 III 460) bereits 2006 klargestellt, dass diese Retrozessionen grundsätzlich dem Kunden gehören, da die Bank als Beauftragte in dessen Interesse handeln muss. Viele Banken haben jedoch Klauseln in ihren Verträgen, mit denen Kunden auf die Herausgabe dieser Gelder verzichten. Oft sind diese Klauseln intransparent formuliert. Unabhängig davon können die versteckten Retrozessionen bei aktiven Fonds zwischen 0,5% bis 1,5% jährlich betragen – eine massive, versteckte Gebühr, die direkt Ihre Rendite mindert.

Die Experten der Vermögens Partner AG fassen das Problem treffend zusammen:

Die meisten Anleger sind sich der Höhe der Gesamtkosten in ihrem Depot nicht bewusst, weil ein Grossteil davon direkt mit der Rendite oder dem Einstandskurs von Anlageprodukten verrechnet wird.

– Vermögens Partner AG, Kosten in der Vermögensverwaltung Update 2022

Als Kunde haben Sie das Recht, volle Transparenz und die Herausgabe dieser Gelder zu fordern. Die Verjährungsfrist für diese Ansprüche beträgt zehn Jahre. Es lohnt sich also, aktiv zu werden und eine genaue Aufschlüsselung aller erhaltenen Vergütungen von Ihrer Bank zu verlangen.

Ihr Plan zur Rückforderung von Retrozessionen

  1. Fordern Sie von Ihrer Bank schriftlich eine vollständige Offenlegung aller im Zusammenhang mit Ihrem Mandat erhaltenen Retrozessionen und Vertriebsprovisionen für die letzten 10 Jahre.
  2. Prüfen Sie Ihren Vermögensverwaltungsvertrag genau auf Klauseln, in denen Sie auf die Herausgabe dieser Gelder verzichten (sogenannte Verzichtsklauseln).
  3. Verlangen Sie schriftlich die Herausgabe aller nicht offengelegten oder vertraglich nicht eindeutig geregelten Retrozessionen.
  4. Berufen Sie sich in Ihrer Forderung explizit auf den Bundesgerichtsentscheid BGE 132 III 460, der die Herausgabepflicht statuiert.
  5. Setzen Sie Ihrer Bank eine klare Frist von 30 Tagen für eine detaillierte Antwort und die Überweisung der geschuldeten Beträge.

Modellportfolios von der Stange: Warum Ihre „individuelle“ Strategie oft nur ein Standardprodukt ist

Banken werben gerne mit „massgeschneiderten Anlagestrategien“, die perfekt auf Ihre persönliche Risikobereitschaft und Ihre Lebensziele abgestimmt sind. Die Realität sieht jedoch oft anders aus. Für die grosse Mehrheit der Kunden werden standardisierte Modellportfolios verwendet, die lediglich in drei bis fünf Risikokategorien eingeteilt sind: konservativ, ausgewogen, wachstumsorientiert, und vielleicht noch „Einkommen“ und „Kapitalgewinn“. Ihre „individuelle“ Strategie ist in Wahrheit ein Produkt von der Stange.

Das Hauptproblem dieser Vorgehensweise ist der damit verbundene Interessenkonflikt. Diese Modellportfolios sind häufig so konzipiert, dass sie einen hohen Anteil an hauseigenen Anlageprodukten enthalten. Diese Produkte sind nicht zwingend die besten am Markt, aber für die Bank am profitabelsten. Sie verdient nicht nur am Verwaltungsmandat, sondern auch an den Gebühren der eingesetzten Fonds – ein klassisches Doppelverdiener-Modell. Es ist keine Seltenheit, dass der durchschnittliche Anteil hauseigener Produkte in Schweizer Bankportfolios über 70% beträgt.

Eine echte Individualisierung ginge weit über die blosse Risikokategorie hinaus. Sie müsste Ihre spezifische Steuersituation im jeweiligen Kanton, Ihre Vorsorgegelder aus der Säule 3a/3b, Ihre Immobilienbesitze und Ihre langfristigen Liquiditätsbedürfnisse berücksichtigen. Wird Ihr Portfolio beispielsweise aktiv auf Steueroptimierung getrimmt, indem gezielt Dividenden- und Substanzwerte für die Besteuerung in Ihrem Wohnkanton ausgewählt werden? In den meisten Standardmandaten lautet die Antwort: Nein.

Sie können relativ einfach erkennen, ob Sie ein Standardportfolio besitzen. Achten Sie auf folgende Warnsignale:

  • Hoher Anteil an hauseigenen Produkten: Besteht Ihr Portfolio zu einem Grossteil aus Fonds mit dem Namen Ihrer Bank?
  • Exakte Übereinstimmung mit Standardstrategien: Lässt sich Ihr Portfolio exakt einer der Standardkategorien wie „Ausgewogen“ oder „Wachstum“ zuordnen?
  • Fehlende Berücksichtigung der Steuersituation: Hat Ihr Berater Sie je nach Ihrer kantonalen Steuersituation und dem Potenzial zur Rückforderung von Quellensteuern gefragt?
  • Keine Integration der Vorsorge: Werden Ihre 3a- und Freizügigkeitsgelder als isolierte Töpfe behandelt anstatt als Teil einer Gesamtvermögensstrategie?
  • Oberflächliche Zieldefinition: Wurde nur nach Risiko gefragt, aber nicht nach konkreten Lebenszielen, wie z.B. dem Kauf einer Immobilie in 7 Jahren oder der Finanzierung der Ausbildung Ihrer Kinder?

Wenn Sie mehrere dieser Fragen mit „Ja“ beantworten, zahlen Sie wahrscheinlich für eine individuelle Beratung, erhalten aber nur ein standardisiertes Produkt.

Wie führen Sie einen „Beauty Contest“ durch, um den besten Vermögensverwalter zu finden?

Wenn Sie sich nach reiflicher Überlegung für die Delegation entscheiden, sollten Sie nicht das erstbeste Angebot annehmen. Der professionelle Ansatz ist die Durchführung eines „Beauty Contests“: Sie lassen mehrere Anbieter – typischerweise zwei bis drei Banken und einen unabhängigen Vermögensverwalter – gegeneinander antreten. Dieser Prozess versetzt Sie in eine Machtposition und zwingt die Anbieter, ihre Konditionen und Leistungen transparent darzulegen.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, allen Kandidaten dieselben, präzisen und oft unangenehmen Fragen zu stellen. Sie agieren nicht als Bittsteller, sondern als Auftraggeber, der eine klar definierte Leistung einkauft. Ein solcher strukturierter Vergleich ist die beste Versicherung gegen überhöhte Gebühren und mangelhafte Leistung.

Professioneller Vergleich verschiedener Vermögensverwaltungsangebote durch eine nachdenkliche Person am Konferenztisch.

Folgende „Killer-Fragen“ sollten Sie jedem potenziellen Vermögensverwalter stellen und die Antworten schriftlich einfordern:

  • Wie hoch ist die exakte Gesamtkostenquote (Total Cost of Ownership) inklusive aller Produktkosten, Transaktionsgebühren, Steuern und sonstigen Nebenkosten?
  • Können Sie mir einen unabhängig geprüften Performance-Nachweis nach Abzug aller Kosten für die vorgeschlagene Strategie über die letzten 3, 5 und 10 Jahre vorlegen?
  • Welcher Anteil des Portfolios besteht aus hauseigenen Produkten und wie rechtfertigen Sie deren Einsatz gegenüber günstigeren Alternativen von Drittanbietern?
  • Wie genau wird die Rückforderung der US-Quellensteuer für mich optimiert und welche Kosten fallen dafür an?
  • Werden sämtliche Retrozessionen und Kickbacks zu 100% an mich weitergegeben und wird dies vertraglich garantiert?
  • Welche konkreten, proaktiven Steueroptimierungsmassnahmen bieten Sie spezifisch für meinen Wohnkanton an?

Die Macht der Verhandlung und des Vergleichs ist enorm, wie ein Beispiel zeigt. Ein Kunde, der sich beraten liess, konnte durch das Schaffen einer Konkurrenzsituation zwischen mehreren Anbietern seine Verwaltungsgebühr von anfänglich 1,4% auf 0,4% reduzieren. Das ist eine Ersparnis von über 70%, die direkt seiner Nettorendite zugutekommt.

Ein Kunde der Beratungsfirma Kendris konnte die Verwaltungsgebühr von anfänglich 1,4% auf 0,4% reduzieren – eine Ersparnis von über 70% durch geschickte Verhandlung und das Schaffen einer Konkurrenzsituation zwischen mehreren Anbietern.

NZZ

Sehen Sie den Auswahlprozess als Ihre erste und wichtigste Investition. Der Aufwand, den Sie hier betreiben, zahlt sich über die Jahre um ein Vielfaches aus.

Aktives Management oder passive ETFs: Welche Strategie gewinnt langfristig im Schweizer Markt?

Sollten Sie sich für den Weg des Selbermachens entscheiden oder einen Anbieter wählen, der diese Philosophie verfolgt, stehen Sie vor einer fundamentalen Entscheidung: Setzen Sie auf aktives Management oder auf eine passive Anlagestrategie mit Exchange Traded Funds (ETFs)? Beim aktiven Management versucht ein Fondsmanager, durch gezielte Auswahl von Aktien den Markt zu schlagen. Beim passiven Ansatz wird lediglich ein Marktindex (wie der SMI oder der S&P 500) kostengünstig nachgebildet.

Zahlreiche Studien belegen, dass es den meisten aktiven Managern nach Abzug ihrer hohen Kosten nicht gelingt, den Markt langfristig und konsistent zu übertreffen. Der Hauptgrund dafür ist die Kostenstruktur. Wie ein Kostenvergleich bei Schweizer Anlageprodukten zeigt, sind die Gebührenunterschiede enorm: Aktive Fonds verlangen oft eine zusätzliche Total Expense Ratio (TER) von über 1%, während die TER von ETFs typischerweise bei 0,5% oder deutlich darunter liegt.

Diese Kosten-Differenz ist ein permanenter Gegenwind für den aktiven Manager. Er muss jedes Jahr erst einmal eine Mehrrendite von 1% bis 1,5% erwirtschaften, nur um mit einem günstigen ETF gleichzuziehen. Das gelingt nur den wenigsten. Für Sie als Anleger bedeutet dies, dass Sie mit einer passiven Strategie mit hoher Wahrscheinlichkeit eine bessere Nettorendite erzielen werden.

Digitale Vermögensverwalter in der Schweiz haben dieses Prinzip zur Grundlage ihres Geschäftsmodells gemacht. Anbieter wie True Wealth oder ELVIA e-invest setzen fast ausschliesslich auf ein breit diversifiziertes Portfolio aus kostengünstigen ETFs. Mit Pauschalgebühren von rund 0,5% gehören sie zu den günstigsten Anbietern auf dem Markt. Sie beweisen, dass eine professionelle, diversifizierte Anlagestrategie nicht teuer sein muss. Die langfristige Performance dieser einfachen, aber disziplinierten Strategie ist für die meisten Anleger völlig ausreichend und oft besser als die teuer bezahlten Versprechen aktiver Manager.

Die Entscheidung für eine passive ETF-Strategie ist keine Kapitulation, sondern eine rationale Anerkennung der Tatsache, dass Kosten der grösste Feind der Rendite sind. Es ist eine bewusste Entscheidung, nicht für die Jagd nach einer schwer fassbaren Überrendite zu zahlen, sondern die sichere „Kostendividende“ zu vereinnahmen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die langfristige Auswirkung von Gebühren ist der grösste Renditevernichter. Eine um 1% höhere Gebühr kann Ihr Endvermögen über 20-30 Jahre um 25-30% reduzieren.
  • Interessenkonflikte sind systemisch: Banken bevorzugen oft teure hauseigene Produkte und behalten Kickbacks (Retrozessionen), die eigentlich Ihnen zustehen.
  • Ob Sie delegieren oder selbst investieren: Der Schlüssel zum Erfolg ist eine forensische Kostenanalyse und die Bevorzugung von günstigen, transparenten Produkten wie ETFs.

Das Risiko von „Dachfonds“ der Hausbank: Doppelte Gebühren für mässige Leistung

Eine besonders problematische Produktkategorie, die in vielen Bankportfolios zu finden ist, sind „Dachfonds“. Ein Dachfonds ist ein Fonds, der nicht direkt in Aktien oder Anleihen investiert, sondern wiederum in andere Fonds (sogenannte Zielfonds). Auf den ersten Blick scheint dies eine gute Diversifikation zu bieten. In Wahrheit ist es aber oft ein Mechanismus zur doppelten Gebührenerhebung.

Die Kosten-Architektur eines Dachfonds ist für die Bank äusserst lukrativ, für den Kunden jedoch katastrophal. Sie zahlen Gebühren auf zwei Ebenen: Zuerst die Verwaltungsgebühr für den Dachfonds selbst und dann zusätzlich die Gebühren für jeden einzelnen Zielfonds, in den der Dachfonds investiert. Wenn der Dachfonds dann auch noch bevorzugt in teure, hauseigene Zielfonds investiert, maximiert die Bank ihre Einnahmen auf Ihre Kosten.

Die resultierende Gesamtkostenquote ist oft exorbitant hoch und für den Kunden kaum noch nachvollziehbar, wie der folgende Vergleich illustriert.

Kostenstruktur: Dachfonds vs. Direktes ETF-Investment
Kostenebene Dachfonds Direkte ETFs
Verwaltungsgebühr Dachfonds 1,0-1,5% 0%
Kosten Zielfonds/ETFs (TER) 0,8-1,5% 0,2-0,5%
Gesamtkosten p.a. 1,8-3,0% 0,2-0,5%
Kostenersparnis 1,6-2,5% p.a.

Eine jährliche Mehrbelastung von 1,6% bis 2,5% ist ein garantierter Renditekiller. Analysen zeigen, dass diese Zusatzkosten von Dachfonds über 20 Jahre bis zu 40% des Endvermögens vernichten können. Diese Produkte bieten in der Regel keine nachweisliche Mehrleistung, die diese immense Kostenlast rechtfertigen würde. Sie sind ein Paradebeispiel für eine systemische Ineffizienz, die primär dem Produktanbieter und nicht dem Anleger dient.

Wenn Ihr Portfolio Dachfonds enthält, sollten Sie Ihren Berater sehr kritisch fragen, warum diese Struktur gewählt wurde und wie er die doppelte Gebührenschicht rechtfertigt. In den allermeisten Fällen ist ein direktes Investment in eine Handvoll kostengünstiger, breit gestreuter ETFs die weitaus transparentere und profitablere Lösung.

Wie wählen Sie den günstigsten Online-Broker für Schweizer Aktien und internationale ETFs?

Wenn Sie sich für den kosteneffizienten Weg des Selbermachens entscheiden, ist die Wahl des richtigen Online-Brokers der letzte entscheidende Schritt. Der „günstigste“ Broker hängt dabei stark von Ihrem Anlageverhalten ab: Wie oft handeln Sie? Investieren Sie hauptsächlich in Schweizer Aktien oder in internationale ETFs in Fremdwährungen? Die Kostenstruktur der verschiedenen Anbieter variiert erheblich.

Die zentralen Kriterien für Ihre Broker-Auswahl sollten sein:

  • Courtagen: Dies sind die Gebühren pro Transaktion. Einige Broker bieten Pauschalpreise, andere berechnen einen Prozentsatz des Transaktionsvolumens. Für Kleinanleger sind Pauschalpreise oft besser.
  • Depotgebühren: Einige Broker verlangen eine jährliche Gebühr für die reine Verwahrung der Wertpapiere. Viele moderne Online-Broker verzichten darauf.
  • Währungswechselgebühren: Ein oft übersehener, aber massiver Kostenfaktor beim Kauf von internationalen ETFs in EUR oder USD. Die Spreads (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs) können hier bis zu 1% betragen. Spezialisierte Broker sind hier oft deutlich günstiger als traditionelle Banken.
  • Eidgenössische Stempelabgabe: Schweizer Broker müssen bei jeder Transaktion die Stempelsteuer von 0,15% (für ausländische Titel) an den Staat abführen. Einige ausländische Broker (z.B. in UK oder Irland) sind davon befreit, was bei sehr aktivem Handel einen Unterschied machen kann.
  • Einlagensicherung: Bei Schweizer Banken und Brokern sind Ihre Bareinlagen bis CHF 100’000 pro Kunde durch die Einlagensicherung geschützt. Wertschriften gelten als Sondervermögen und sind im Konkursfall ohnehin geschützt.

Vergleichsportale wie moneyland.ch bieten detaillierte und aktuelle Vergleiche der verschiedenen Broker für unterschiedliche Anlegerprofile. Es lohnt sich, diesen Vergleich sorgfältig durchzuführen. Interessanterweise zeigt sich, dass nicht nur neue digitale Anbieter günstig sein können. So bietet gemäss Vergleichen beispielsweise die Sparkasse Schwyz eine sehr kostengünstige klassische Vermögensverwaltung an, was beweist, dass sich ein genauer Blick auch bei etablierten Häusern lohnen kann.

Die Wahl des Brokers ist keine Entscheidung für die Ewigkeit. Ein Depotübertrag ist heutzutage relativ unkompliziert. Dennoch spart eine sorgfältige Erstauswahl Zeit und vor allem Geld. Nehmen Sie sich die Zeit, die Gebührenmodelle genau zu studieren und auf Ihr geplantes Anlageverhalten abzustimmen.

Der nächste logische Schritt ist nicht, überstürzt einen Vertrag zu unterschreiben, sondern eine fundierte Entscheidung zu treffen. Beginnen Sie damit, eine forensische Prüfung der Gesamtkosten Ihres aktuellen Portfolios oder eines Ihnen vorliegenden Angebots durchzuführen. Nutzen Sie dieses Wissen, um entweder knallhart zu verhandeln oder den Weg in die Unabhängigkeit als informierter Selbstentscheider zu wagen.

Geschrieben von Thomas Keller, CFA-Chartholder und Senior Portfolio Manager mit 12 Jahren Erfahrung im Asset Management bei Schweizer Grossbanken. Spezialisiert auf Aktienstrategien, ETFs und Core-Satellite-Portfolios.