Veröffentlicht am Mai 17, 2024

Entgegen der landläufigen Meinung ist Volatilität an der Börse nicht Ihr Feind, sondern der unvermeidliche Preis für langfristig überdurchschnittliche Renditen. Der wahre Risikofaktor ist nicht die Marktschwankung selbst, sondern unsere psychologische Reaktion darauf. Wer lernt, seine Emotionen zu beherrschen und die Mechanismen der Verlustaversion zu verstehen, kann Börsenbeben gezielt nutzen, anstatt ihnen zum Opfer zu fallen.

Kennen Sie dieses mulmige Gefühl im Magen, wenn Sie Ihr Depot öffnen und tiefrote Zahlen sehen? Der erste Impuls ist oft, die Reissleine zu ziehen und zu verkaufen, bevor es „noch schlimmer“ wird. Dieser Reflex ist menschlich und tief in unserer Psyche verankert. Die Finanzmärkte, insbesondere die Aktienmärkte, sind von Natur aus schwankungsanfällig, und diese Volatilität wird von vielen Anlegern fälschlicherweise als reines Risiko interpretiert. Die üblichen Ratschläge – „langfristig denken“, „breit diversifizieren“ – sind zwar korrekt, greifen aber oft zu kurz. Sie erklären nicht, warum es uns psychologisch so schwerfällt, in turbulenten Phasen diszipliniert zu bleiben.

Die eigentliche Herausforderung liegt nicht darin, den Markt zu verstehen, sondern sich selbst. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, Volatilidad nicht als Gefahr, sondern als Rendite-Prämie zu begreifen: die Gebühr, die Sie für den Zugang zu höheren Ertragschancen bezahlen. Anstatt zu versuchen, Marktbewegungen vorherzusagen, müssen wir lernen, unsere eigenen, evolutionär bedingten Reaktionen zu steuern. Die Angst vor Verlusten ist ein mächtiger, aber oft irrationaler Ratgeber, der zu den teuersten Fehlern im Leben eines Anlegers führen kann. Emotionale Disziplin ist deshalb keine Charaktereigenschaft, sondern eine erlernbare Fähigkeit.

Doch wie gelingt dieser Perspektivwechsel? Indem wir die Mechanismen der Börsenpsychologie verstehen und uns Werkzeuge aneignen, die uns helfen, rational zu handeln, wenn unser Instinkt Alarm schlägt. Dieser Artikel führt Sie durch die psychologischen Fallstricke des Investierens. Er zeigt Ihnen, wie Sie mit konkreten Instrumenten wie dem Schweizer Volatilitätsindex (VSMI) die Marktstimmung objektiv messen und warum ein Bärenmarkt oft der fruchtbarste Boden für zukünftige Gewinne ist. Sie werden lernen, Schwankungen nicht nur auszuhalten, sondern sie systematisch zu Ihrem Vorteil zu machen.

Dieser Leitfaden ist Ihr persönlicher Börsenpsychologe. Er begleitet Sie Schritt für Schritt dabei, die emotionale Achterbahnfahrt der Märkte in einen kalkulierbaren und profitablen Prozess zu verwandeln. Der folgende Inhalt bietet Ihnen eine strukturierte Übersicht über die zentralen Themen.

Warum gibt es ohne Schwankungen keine 7% Rendite an der Börse?

An der Börse gibt es kein kostenloses Mittagessen. Langfristige Renditen von durchschnittlich 7% oder mehr sind keine Belohnung für Geduld, sondern eine Kompensation für das Übernehmen von Risiko – und dieses Risiko manifestiert sich in Form von Volatilität. Stellen Sie sich die Schwankungen nicht als Fehler im System vor, sondern als die Rendite-Prämie, die der Markt Ihnen dafür zahlt, dass Sie Ihr Kapital in unsicheren Zeiten zur Verfügung stellen. Ein risikoloses Investment wie ein Schweizer Sparkonto bietet Sicherheit, aber eben kaum Ertrag. Die Börse funktioniert genau umgekehrt.

Diese Prämie entsteht, weil Unternehmen Kapital benötigen, um zu wachsen, zu innovieren und Gewinne zu erwirtschaften. Als Aktionär werden Sie Miteigentümer und partizipieren an diesen zukünftigen, aber unsicheren Gewinnen. Die täglichen Kursschwankungen spiegeln die kollektive Unsicherheit des Marktes über diese Zukunft wider. Würde es diese Unsicherheit nicht geben, gäbe es auch keinen Grund für eine hohe Rendite. Niemand würde Ihnen eine hohe Belohnung für eine garantierte Entwicklung zahlen. Wer also von den Ertragschancen des Aktienmarktes profitieren will, muss bereit sein, den Preis dafür zu zahlen: das Aushalten von temporären Wertschwankungen.

Die historische Entwicklung des Swiss Market Index (SMI) zeigt dieses Muster deutlich. Phasen hoher Renditen waren stets von Perioden spürbarer Volatilität begleitet. Der Versuch, diese Schwankungen durch Market Timing zu umgehen, scheitert in den meisten Fällen und führt oft zu geringeren Renditen, da die besten Börsentage häufig unmittelbar auf die schlechtesten folgen. Die einzig realistische Strategie ist es, die Volatilität als integralen Bestandteil des Systems zu akzeptieren und den Anlagehorizont so zu wählen, dass kurzfristige Schwankungen ihre bedrohliche Wirkung verlieren.

Wie interpretieren Sie den VSMI, um die aktuelle Angst im Schweizer Markt zu messen?

Um emotionale Entscheidungen zu vermeiden, benötigen Anleger objektive Werkzeuge. Für den Schweizer Aktienmarkt ist der VSMI® (Volatility Index SMI) ein solches Instrument. Er wird oft als „Angstbarometer“ bezeichnet, da er die vom Markt erwartete Schwankungsbreite des SMI für die nächsten 30 Tage misst. Ein hoher VSMI-Wert deutet auf eine hohe Nervosität und Angst unter den Anlegern hin, während ein niedriger Wert auf Gelassenheit und Optimismus schliessen lässt. Für einen disziplinierten Anleger ist dies eine unschätzbare Information.

Der eigentliche Wert des VSMI liegt in seiner Funktion als Kontraindikator. Wenn die Angst am grössten ist (hoher VSMI), sind die Kurse oft am Boden – und die Kaufgelegenheiten am besten. Umgekehrt, wenn Euphorie herrst (niedriger VSMI), sind die Bewertungen oft hoch und das Rückschlagpotenzial gross. Der Index bietet also eine rationale Grundlage für antizyklisches Handeln. Anstatt sich von der Panik der Masse anstecken zu lassen, können Sie den VSMI nutzen, um gezielt dann zu kaufen, wenn andere verkaufen. Laut seiner Methodik basiert der VSMI auf einem konstanten 30-Tage-Prognosehorizont, was ihn zu einem zuverlässigen Indikator für die kurzfristige Marktstimmung macht.

Die folgende Tabelle, basierend auf historischen Beobachtungen, bietet eine einfache Interpretationshilfe für Schweizer Anleger, um die Signale des VSMI in konkrete Überlegungen umzusetzen. Sie dient als Leitplanke, um die eigene Wahrnehmung zu kalibrieren.

VSMI-Interpretationsskala für Schweizer Anleger
VSMI-Bereich Marktstimmung Empfohlene Aktion
<15 Gelassenheit Kein akuter Handlungsbedarf
15-25 Erhöhte Nervosität Sparpläne weiterlaufen lassen
25-40 Angstphase Zeit für antizyklische Zukäufe
>40 Panik Maximale Kaufgelegenheit

Volatilität vs. Risiko: Warum ist ein schwankender Kurs nicht dasselbe wie ein Kapitalverlust?

Einer der grössten Denkfehler nervöser Anleger ist die Gleichsetzung von Volatilität mit Risiko. Ein fallender Kurs in Ihrem Depot ist zunächst nur ein temporärer Buchverlust. Es ist ein unrealisierter Verlust auf dem Papier. Das tatsächliche Risiko, der permanente Kapitalverlust, tritt erst ein, wenn Sie in Panik verkaufen und diesen Buchverlust realisieren, oder wenn das zugrunde liegende Unternehmen insolvent geht. Bei einem breit gestreuten ETF auf den Schweizer Markt ist Letzteres praktisch ausgeschlossen.

Der entscheidende Faktor, der Volatilität von Risiko trennt, ist Ihr Anlagehorizont. Wenn Sie Ihr Geld für die nächsten 15, 20 oder mehr Jahre anlegen, verlieren die täglichen oder monatlichen Schwankungen ihre Relevanz. Über lange Zeiträume hinweg glättet sich die Volatilität, und der zugrunde liegende Wachstumstrend der Wirtschaft und der Unternehmensgewinne setzt sich durch. Die kurzfristige Schwankung ist nur das „Rauschen“ um diesen langfristigen Trend herum. Das wahre Risiko besteht nicht darin, dass Ihr Depot kurzfristig an Wert verliert, sondern darin, dass Sie Ihre langfristigen Ziele aufgrund kurzfristiger Panik nicht erreichen.

Vergleich der SMI-Volatilität auf Tages- und 20-Jahresbasis

Fokussieren Sie sich daher auf den fundamentalen Wert Ihrer Anlagen, nicht auf deren täglichen Preis. Ein gut geführtes Unternehmen wird auch nach einer Börsenpanik weiterhin Produkte verkaufen und Gewinne erzielen. Der Preis der Aktie mag kurzfristig fallen, aber ihr innerer Wert bleibt bestehen und wird sich langfristig wieder im Kurs widerspiegeln. Volatilität ist der Preis, den Sie für den Zugang zu diesem langfristigen Wertzuwachs zahlen – es ist nicht der Dieb Ihres Kapitals.

Der teuerste Klick: Warum Panikverkäufe im Tief Ihr Vermögen dauerhaft vernichten

Der Moment der Panik, in dem ein Anleger auf den „Verkaufen“-Knopf klickt, ist oft der zerstörerischste für den langfristigen Vermögensaufbau. Ein Panikverkauf im Markttief zementiert nicht nur einen temporären Buchverlust in einen realen, dauerhaften Verlust, sondern beraubt Sie auch der Chance, an der anschliessenden Erholung zu partizipieren. Historisch gesehen folgen die stärksten Erholungsphasen oft direkt auf die tiefsten Einbrüche. Wer in diesen Momenten nicht investiert ist, verpasst den wichtigsten Teil der Rendite.

Dieser „Whipsaw-Effekt“ (Peitschenhiebeffekt) beschreibt das Phänomen, bei dem Anleger nach einem Kurssturz verkaufen, die Erholung verpassen und dann aus Angst, etwas zu verpassen (FOMO), zu deutlich höheren Kursen wieder einsteigen. Sie verkaufen tief und kaufen hoch – das genaue Gegenteil einer profitablen Strategie. Dies ist keine Frage von Pech, sondern eine direkte Folge emotionaler Reaktionen. Studien belegen, dass die Fünf-Jahresrenditen nach einem Rückgang von 20 Prozent oft nahe am historischen Durchschnitt lagen, was bedeutet, dass die Erholung die Verluste für disziplinierte Anleger wieder wettmachte.

Fallstudie: Der Whipsaw-Effekt am Beispiel des US-Marktes

Die Zeit seit der globalen Finanzkrise 2009 bietet ein perfektes Lehrstück. Seither gab es rund 30 Korrekturen von 5 Prozent oder mehr. Anleger, die bei jeder dieser Korrekturen in Panik verkauften, realisierten Verluste und verpassten die anschliessende Erholung. Wer hingegen investiert blieb, konnte sich über eine durchschnittliche jährliche Rendite von über 14 Prozent freuen. Jeder Panikverkauf war ein teurer Klick, der einen Teil dieser beeindruckenden Gesamtrendite vernichtete.

Der einzige Weg, diesem zerstörerischen Kreislauf zu entgehen, ist emotionale Disziplin und ein fester Plan. Anstatt auf Marktbewegungen zu reagieren, müssen Sie proaktiv handeln, indem Sie eine Anlagestrategie definieren und ihr treu bleiben – besonders dann, wenn es am schwersten fällt. Denken Sie daran: Der Schmerz eines Verlustes ist temporär, aber der durch einen Panikverkauf realisierte Verlust ist permanent.

Sparplan statt Einmalanlage: Wie Sie Kursschwankungen zu Ihrem Vorteil automatisieren

Eine der wirkungsvollsten Methoden, um die eigene Psyche aus dem Spiel zu nehmen und Volatilität systematisch zu nutzen, ist der ETF-Sparplan. Anstatt zu versuchen, den „perfekten“ Einstiegszeitpunkt zu finden – was selbst Profis selten gelingt –, investieren Sie mit einem Sparplan regelmässig einen festen Betrag, zum Beispiel monatlich. Diese Automatisierung zwingt Sie zur Disziplin und schaltet die emotionalen Fallstricke von Gier und Angst weitgehend aus.

Das Herzstück des Sparplans ist der Durchschnittskosteneffekt (Cost-Average-Effekt). Da Sie immer denselben Betrag investieren, kaufen Sie bei niedrigen Kursen automatisch mehr Anteile und bei hohen Kursen weniger Anteile. Über die Zeit ergibt sich dadurch ein günstigerer durchschnittlicher Einkaufspreis, als wenn Sie unregelmässig oder nur zu hohen Kursen investiert hätten. Sie machen sich die Marktschwankungen also zunutze, anstatt vor ihnen Angst zu haben. Analysen zeigen, dass antizyklisches Investieren und systematisches Rebalancing die Volatilität optimal nutzen und bei disziplinierter Umsetzung höhere Renditen ermöglichen.

Ein Sparplan ist somit das perfekte Instrument für emotionale Disziplin. Er verwandelt das Investieren von einer nervenaufreibenden Jagd nach dem richtigen Timing in einen ruhigen, automatisierten Prozess. Gerade für Anleger in der Schweiz, wo die Lebenshaltungskosten hoch sind und ein systematischer Vermögensaufbau entscheidend ist, bieten ETF-Sparpläne eine zugängliche und äusserst effiziente Lösung.

Ihre Checkliste für den automatisierten Vermögensaufbau in der Schweiz

  1. Festen monatlichen Betrag festlegen: Bestimmen Sie eine Summe, die Sie bequem und regelmässig investieren können, um kontinuierlich am Markt präsent zu sein.
  2. Durchschnittskosteneffekt nutzen: Verstehen und akzeptieren Sie, dass Sie durch regelmässige Käufe von Kursschwankungen profitieren, anstatt sie zu fürchten.
  3. Ausführung automatisieren: Richten Sie einen Dauerauftrag bei einem Schweizer Broker ein, um die Investitionen wöchentlich oder monatlich automatisch auszuführen.
  4. Kostengünstige ETFs wählen: Achten Sie auf eine niedrige Gesamtkostenquote (TER), um die Rendite zu maximieren. Bevorzugen Sie breit gestreute Indizes wie den SMI oder globale Pendants.
  5. Langfristigen Horizont beibehalten: Halten Sie an Ihrer Strategie für mindestens 10 Jahre fest, um dem Sparplan genügend Zeit zu geben, seine volle Wirkung zu entfalten.

Warum schmerzt ein Verlust doppelt so stark wie ein Gewinn freut?

Die irrationale Angst vor fallenden Kursen hat einen Namen: Verlustaversion. Dieses von den Psychologen Daniel Kahneman und Amos Tversky entdeckte Phänomen beschreibt die menschliche Tendenz, Verluste emotional stärker zu gewichten als gleich hohe Gewinne. Einfach ausgedrückt: Der Schmerz über den Verlust von 100 Franken ist etwa doppelt so stark wie die Freude über den Gewinn von 100 Franken. Diese asymmetrische Wahrnehmung ist ein Überbleibsel unserer evolutionären Vergangenheit, in der der Verlust von Ressourcen eine direkte Bedrohung für das Überleben darstellte.

An der Börse führt diese tief verwurzelte psychologische Eigenheit zu fatalen Fehlentscheidungen. Die Verlustaversion ist der Motor hinter Panikverkäufen. Der emotionale Schmerz bei fallenden Kursen wird so unerträglich, dass Anleger verkaufen, nur um den Schmerz zu beenden – selbst wenn sie rational wissen, dass dies strategisch falsch ist. Sie treibt uns auch dazu, an Verlustpositionen zu lange festzuhalten, in der Hoffnung, „wenigstens wieder bei null herauszukommen“, und Gewinner-Aktien zu früh zu verkaufen, aus Angst, die Buchgewinne wieder zu verlieren.

Emotionale Reaktion eines Investors auf Gewinne versus Verluste

Wie Tuendum Investment treffend bemerkt, ist der Blick vieler Anleger falsch ausgerichtet:

Sie schauen zurück – auf Verluste, auf vergangene Einbrüche – statt nach vorn.

numeracy – Tuendum Investment, Langfristig investieren trotz Volatilität

Sich dieser psychologischen Falle bewusst zu sein, ist der erste Schritt zur Besserung. Wenn Sie das nächste Mal den Drang verspüren, bei fallenden Kursen zu verkaufen, halten Sie inne und fragen Sie sich: „Reagiere ich auf eine reale Veränderung des fundamentalen Wertes meiner Anlage oder nur auf den Schmerz der Verlustaversion?“

Warum werden die besten Renditen im Bärenmarkt gemacht und nicht im Boom?

Die Börsenweisheit „Sei gierig, wenn andere ängstlich sind“ von Warren Buffett fasst ein zentrales Paradox des Investierens zusammen: Die profitabelsten Investitionen werden oft in den dunkelsten Stunden getätigt. Ein Bärenmarkt, definiert als ein Markteinbruch von 20% oder mehr, fühlt sich katastrophal an, ist aber aus langfristiger Sicht der „Winterschlussverkauf“ an der Börse. In diesen Phasen können Sie hochwertige Unternehmensanteile zu Preisen erwerben, die in normalen Zeiten undenkbar wären.

Der Grund dafür ist einfach: Im Boom, wenn die Stimmung euphorisch ist, sind die guten Nachrichten bereits in den hohen Kursen eingepreist. Das zukünftige Renditepotenzial ist dadurch begrenzt. Im Bärenmarkt hingegen preist der Markt übertriebenen Pessimismus und Weltuntergangsszenarien ein. Die Bewertungen sind niedrig, und die Erwartungen am Boden. Wer in diesem Umfeld den Mut hat, zu investieren oder seinen Sparplan weiterzuführen, legt den Grundstein für überdurchschnittliche Renditen in der anschliessenden Erholungsphase. Portfolioanalysen bestätigen, dass langfristige Anlagestrategien den Vorteil der Stabilität und des Zinseszinseffekts voll ausspielen, besonders wenn in Krisenzeiten nicht verkauft wird.

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Die Schweizer Wirtschaftsgeschichte liefert dafür perfekte Beispiele. Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) im Januar 2015 löste einen kurzfristigen Schock am Aktienmarkt aus. Auch der Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 führte zu einem massiven Einbruch. Beide Ereignisse waren für disziplinierte Anleger exzellente Kaufgelegenheiten. Wer in diesen Momenten der maximalen Angst investierte, profitierte überproportional von der schnellen und starken Erholung danach. Ein Bärenmarkt testet Ihre Disziplin, aber er belohnt sie auch am grosszügigsten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Volatilität ist nicht das Risiko, sondern der Preis für die Rendite am Aktienmarkt.
  • Ihre emotionale Reaktion auf Verluste (Verlustaversion) ist der grösste Feind Ihres Vermögens.
  • Ein automatisierter Sparplan ist das beste Werkzeug, um Emotionen auszuschalten und den Durchschnittskosteneffekt zu nutzen.

Wie schützen Sie Ihr Depot vor einem „Schwarzen Schwan“ Event?

Ein „Schwarzer Schwan“ ist ein unvorhersehbares, extremes Ereignis mit massiven Auswirkungen, wie die Finanzkrise 2008 oder die globale Pandemie. Da man solche Ereignisse per Definition nicht vorhersagen kann, kann man sich auch nicht gezielt davor schützen. Man kann sein Portfolio jedoch so strukturieren, dass es „antifragil“ wird – es soll einen solchen Schock nicht nur überstehen, sondern möglicherweise sogar davon profitieren. Es geht nicht darum, Verluste komplett zu vermeiden, sondern darum, überlebensfähig zu bleiben und handlungsfähig zu sein, wenn die grössten Chancen entstehen.

Ein antifragiles Portfolio für einen Schweizer Anleger basiert auf einer robusten Kern-Satelliten-Strategie. Der Kern (ca. 60-70%) besteht aus einem breit diversifizierten Korb von globalen und Schweizer Aktien-ETFs. Dieser Kern ist der Renditemotor. Die Satelliten dienen der Stabilisierung und als „Airbag“ im Krisenfall. Eine strategische Position in hochwertigen Anleihen kann als Anker dienen. Noch wichtiger ist eine signifikante Cash-Position in Schweizer Franken (CHF) von 10-20%. In einer globalen Krise fungiert der Franken oft als „sicherer Hafen“. Diese Cash-Reserve erzeugt zwar keine Rendite, gibt Ihnen aber die entscheidende psychologische Sicherheit und die finanzielle Feuerkraft, um im Markttief antizyklisch zu investieren.

Antifragiles Portfolio-Konzept mit verschiedenen Anlageklassen

Eine kleine Beimischung von Gold (ca. 5-10%) kann diesen Schutz weiter ergänzen. Gold hat sich über Jahrhunderte als Krisenwährung bewährt und korreliert oft negativ mit den Aktienmärkten. Der letzte Baustein ist ein mentaler: Führen Sie regelmässig eine „Pre-Mortem-Analyse“ durch. Fragen Sie sich: „Was müsste passieren, damit meine Strategie komplett scheitert?“ Dieses Gedankenspiel bereitet Sie mental auf das Undenkbare vor und hilft, in der realen Krise einen kühlen Kopf zu bewahren.

Indem Sie aufhören, den Markt kontrollieren zu wollen, und stattdessen beginnen, Ihre eigene Psychologie und Ihre Portfoliostruktur zu managen, verwandeln Sie Volatilität von einer Quelle der Angst in den Motor Ihres langfristigen Wohlstands. Bewerten Sie noch heute Ihre Anlagestrategie und stellen Sie sicher, dass sie nicht nur auf Sonnenschein, sondern auch auf den Sturm vorbereitet ist.

Geschrieben von Thomas Keller, CFA-Chartholder und Senior Portfolio Manager mit 12 Jahren Erfahrung im Asset Management bei Schweizer Grossbanken. Spezialisiert auf Aktienstrategien, ETFs und Core-Satellite-Portfolios.