
Die hohen Gebühren für aktive Fonds sind nur dann gerechtfertigt, wenn Sie lernen, wie ein professioneller Rechercheur zu denken und die wenigen Ausnahmen von der Regel zu identifizieren.
- Die grosse Mehrheit der aktiven Manager scheitert daran, ihren Vergleichsindex nach Kosten zu schlagen, insbesondere über lange Zeiträume.
- Echter Mehrwert entsteht meist in ineffizienten Nischenmärkten wie Schweizer Small & Mid Caps, wo tiefgehendes Research einen Vorteil bringt.
Empfehlung: Konzentrieren Sie sich nicht nur auf die ausgewiesene TER. Führen Sie eine forensische Analyse der gesamten Kostenstruktur und des Manager-Stils durch, bevor Sie in einen aktiven Fonds investieren.
Für Anleger in der Schweiz ist die Verlockung gross: Ein erfahrener Fondsmanager, der verspricht, durch clevere Aktienauswahl den Markt zu übertreffen und überdurchschnittliche Renditen zu erzielen. Doch diesem Versprechen stehen oft hohe Gebühren gegenüber, die an der potenziellen Rendite zehren. Viele Investoren, die sich der Kosten bewusst sind, fragen sich daher zu Recht: Ist es nicht einfacher und günstiger, pauschal auf passive, kostengünstige ETFs zu setzen, die einfach den Markt abbilden? Diese Skepsis ist berechtigt, denn die Statistik scheint auf den ersten Blick eine klare Sprache zu sprechen.
Die Debatte zwischen aktivem und passivem Management ist jedoch nuancierter, als es scheint. Während die meisten Generalisten-Fonds in liquiden, grosskapitalisierten Märkten kaum einen Mehrwert schaffen, gibt es spezifische Areale, in denen menschliche Expertise einen entscheidenden Unterschied machen kann. Das Problem ist nicht, dass alle aktiven Manager schlecht sind, sondern dass es für den Anleger schwierig ist, die Spreu vom Weizen zu trennen. Es erfordert einen kritischen Blick und die richtigen Analysewerkzeuge, um Marketing-Versprechen von echter, nachhaltiger Leistung zu unterscheiden.
Dieser Artikel bricht mit der pauschalen Verurteilung aktiver Fonds. Stattdessen rüstet er Sie mit der Denkweise und den Instrumenten eines Fonds-Rechercheurs aus. Wir werden nicht nur die Gründe für die generelle Underperformance beleuchten, sondern gezielt die Nischen und Bedingungen identifizieren, unter denen sich die Zahlung höherer Gebühren tatsächlich lohnen kann. Sie lernen, ein Fonds-Factsheet wie ein Forensiker zu lesen, versteckte Kosten aufzudecken und Warnsignale wie den „Style Drift“ zu erkennen. Das Ziel ist es, Ihnen eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu geben, um nicht nur Kosten zu sparen, sondern gezielt in Qualität zu investieren, wo sie existiert.
Um diese komplexe Frage strukturiert zu beantworten, beleuchtet dieser Leitfaden die entscheidenden Aspekte, die Sie bei der Bewertung eines aktiven Fondsmanagements berücksichtigen müssen. Der folgende Überblick führt Sie durch die zentralen Themen, von der Analyse der Performance bis zur strategischen Einordnung in Ihr Portfolio.
Inhaltsverzeichnis: Die kritische Analyse des aktiven Fondsmanagements
- Warum schaffen es 80% der aktiven Fondsmanager nicht, ihren Vergleichsindex zu schlagen?
- Wie lesen Sie ein Fonds-Factsheet, um Marketing von echter Leistung zu unterscheiden?
- Nischenmärkte und Small Caps: Wo aktive Manager tatsächlich einen Mehrwert bieten können
- Style Drift: Wenn Ihr „konservativer“ Fonds plötzlich in riskantere Tech-Aktien investiert
- TER ist nicht alles: Wie Ausgabeaufschläge Ihre Rendite im ersten Jahr vernichten
- Aktives Management oder passive ETFs: Welche Strategie gewinnt langfristig im Schweizer Markt?
- SMIM als Rendite-Booster: Wie Sie mit mittelgrossen Firmen den SMI outperformen
- Lohnt sich ein Vermögensverwaltungsmandat ab 500’000 Franken oder ist Selbermachen günstiger?
Warum schaffen es 80% der aktiven Fondsmanager nicht, ihren Vergleichsindex zu schlagen?
Die ernüchternde Realität für die meisten aktiv verwalteten Fonds ist, dass sie ihr Hauptversprechen – den Markt zu übertreffen – nicht einhalten. Dies ist keine blosse Meinung, sondern ein statistisch gut belegter Fakt. Die Gründe dafür sind systemischer Natur und eine Kombination aus Kosten, Markteffizienz und menschlichem Verhalten. Ein entscheidender Faktor sind die Gebühren. Ein Fondsmanager muss nicht nur den Markt schlagen, sondern er muss ihn um einen so grossen Betrag schlagen, dass nach Abzug seiner Verwaltungsgebühren, Transaktionskosten und allfälliger Performance-Gebühren immer noch eine Überrendite für den Anleger übrig bleibt. Diese Hürde ist oft höher, als es auf den ersten Blick scheint.
In der Schweiz ist das Bild besonders deutlich. Eine Studie zeigt, dass nur etwa ein Drittel der aktiven Schweizer Aktienfonds über einen Zeitraum von drei Jahren ihren Vergleichsindex schlagen. Je länger der Anlagehorizont, desto düsterer wird das Bild. Globale Studien wie die SPIVA Scorecard bestätigen diesen Trend eindrücklich: Über einen Zehnjahreshorizont schaffen es beispielsweise nur 16,8% der Europa-Aktienfonds, ihre Benchmark zu übertreffen. Bei globalen Aktienfonds sinkt diese Quote sogar auf unter 4%. Diese Zahlen deuten auf eine hohe Effizienz in den grossen, liquiden Aktienmärkten hin, wo Informationen schnell eingepreist werden und es für einen einzelnen Manager extrem schwierig ist, einen nachhaltigen Wissensvorsprung zu erzielen.
Ein weiterer, oft unterschätzter Grund ist das sogenannte „Benchmark Hugging“. Aus Angst, zu stark vom Index abzuweichen und bei einer Fehlentscheidung ihren Job zu riskieren, neigen viele Manager dazu, ihre Portfolios sehr nahe am Vergleichsindex auszurichten. Sie kaufen also im Wesentlichen die gleichen grossen Titel wie der Index, verlangen aber trotzdem hohe Gebühren. In diesem Fall zahlt der Anleger für aktives Management, erhält aber de facto eine passive Leistung – eine teure Mogelpackung. Diese strukturellen Hürden erklären, warum der durchschnittliche Fondsmanager scheitert und warum eine pauschale Auswahl ohne tiefgehende Analyse selten zum Erfolg führt.
Wie lesen Sie ein Fonds-Factsheet, um Marketing von echter Leistung zu unterscheiden?
Das Fonds-Factsheet ist das zentrale Dokument, das Ihnen der Anbieter zur Verfügung stellt. Es ist jedoch gleichzeitig ein Marketinginstrument, das darauf ausgelegt ist, den Fonds im bestmöglichen Licht darzustellen. Ein kritischer Rechercheur muss daher lernen, zwischen den Zeilen zu lesen und die wirklich relevanten Informationen zu extrahieren. Dies ist der Kern der „Fonds-Forensik“: eine systematische Untersuchung, die über die prominent platzierten Performance-Zahlen hinausgeht.
Der erste Blick sollte den Top-10-Positionen gelten. Sind diese stark konzentriert? Ein Fonds, bei dem die Top-Positionen 40% oder mehr des Vermögens ausmachen, ist eine hochkonzentrierte Wette des Managers. Das kann zu hoher Überrendite führen, aber auch zu massivem Risiko. Prüfen Sie, ob diese Positionen zu der erklärten Strategie des Fonds passen. Ein „konservativer Schweizer Aktienfonds“, der plötzlich grosse Positionen in volatilen Tech-Unternehmen hält, sollte die Alarmglocken schrillen lassen. Vergleichen Sie die Performance nicht nur über den vom Fonds gewählten Zeitraum, sondern über verschiedene Perioden (1, 3, 5 und 10 Jahre) mit dem deklarierten Benchmark. Hat der Fonds den Index konstant geschlagen oder nur in einer kurzen, glücklichen Phase?

Wichtige Risikokennzahlen wie die Sharpe Ratio (misst die risikoadjustierte Rendite) und der Tracking Error (zeigt, wie stark der Fonds vom Index abweicht) geben tiefere Einblicke. Eine hohe Sharpe Ratio ist wünschenswert. Ein hoher Tracking Error zeigt, dass der Manager wirklich aktiv ist, birgt aber auch das Risiko einer starken Abweichung nach unten. Vergessen Sie nicht, die Historie des Managers zu prüfen: Wie lange ist die Person, die aktuell für die Performance verantwortlich ist, schon am Ruder? Eine glänzende 10-Jahres-Performance ist wertlos, wenn der verantwortliche Manager erst seit sechs Monaten dabei ist. Die kritische Analyse des Factsheets ist der erste Filter, um die grosse Masse der durchschnittlichen Fonds auszusortieren.
Nischenmärkte und Small Caps: Wo aktive Manager tatsächlich einen Mehrwert bieten können
Während aktive Manager in Märkten für grosse, bekannte Unternehmen (Blue Chips) wie dem SMI kaum einen Vorteil haben, da diese von unzähligen Analysten beobachtet werden, sieht die Welt in weniger beachteten Segmenten anders aus. In sogenannten ineffizienten Nischen können fähige Manager tatsächlich einen Informationsvorsprung erarbeiten und so nachhaltig Mehrwert (Alpha) generieren. Der Schweizer Aktienmarkt bietet hierfür ein Paradebeispiel: den Markt für Klein- und Mittelunternehmen (Small & Mid Caps).
Diese Unternehmen werden oft von wenigen oder gar keinen Analysten abgedeckt. Ein engagierter Fondsmanager, der diese Firmen vor Ort besucht, das Management persönlich kennt und die Bilanzen bis ins Detail analysiert, kann Chancen oder Risiken entdecken, lange bevor sie der breite Markt erkennt. Hier ist Research keine Ware, sondern ein echter Wettbewerbsvorteil. In diesen Segmenten rechtfertigt sich die Gebühr für aktives Management am ehesten, da ein passiver ETF diese tiefgehende Analyse per Definition nicht leisten kann. Er kauft einfach den gesamten Korb, inklusive der „schlechten Äpfel“.
Erfolgsbeispiel: Schweizer Nebenwerte-Strategie
Ein herausragendes Beispiel für erfolgreiches Nischenmanagement liefert Tobias Schulte mit dem UBS (CH) Equity Fund – Small Caps Switzerland. Während viele Fonds am breiten Markt scheitern, konnte dieser Fonds eine beeindruckende Performance erzielen. Eine Analyse seiner 5-Jahres-Performance zeigte eine Rendite von 10,59% pro Jahr. Der Erfolg basiert auf einem klaren Fokus auf Schweizer Gesellschaften mit einer Marktkapitalisierung von unter einer Milliarde Franken und einer rigorosen Auswahl basierend auf Marktposition und Managementqualität. Dies zeigt, dass in spezifischen, weniger analysierten Marktsegmenten ein aktiver Ansatz die höheren Kosten mehr als rechtfertigen kann.
Andere Beispiele für solche Nischen können Schwellenländer-Anleihen, spezialisierte Sektoren wie Medizintechnik oder bestimmte Rohstoffmärkte sein. Die Faustregel für Anleger lautet: Je unbekannter, komplexer und weniger transparent ein Marktsegment ist, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein spezialisierter, aktiver Manager einen echten Mehrwert schaffen und seine Gebühren rechtfertigen kann. Die Suche nach einem guten aktiven Fonds ist somit auch die Suche nach dem richtigen Spielfeld.
Style Drift: Wenn Ihr „konservativer“ Fonds plötzlich in riskantere Tech-Aktien investiert
Eines der grössten Risiken bei der Investition in einen aktiven Fonds ist der sogenannte „Style Drift“. Dies beschreibt die schleichende oder abrupte Abweichung eines Fondsmanagers von seiner ursprünglich deklarierten Anlagestrategie. Sie investieren beispielsweise in einen Fonds für „konservative Schweizer Dividendenaktien“, doch um in einem Aufwärtsmarkt mit Tech-Werten mitzuhalten, beginnt der Manager, heimlich riskantere Wachstumstitel ohne Dividende beizumischen. Plötzlich ist Ihr Portfolio einem ganz anderen Risiko ausgesetzt, als Sie ursprünglich beabsichtigt hatten.
Dieser Stil-Drift ist oft ein Zeichen von Verzweiflung. Wenn ein Manager hinter seiner Benchmark zurückbleibt, kann der Druck entstehen, höhere Risiken einzugehen, um den Rückstand aufzuholen. Wie Birgitte Olsen, Fondsmanagerin bei Bellevue Asset Management, in Bezug auf die Markterwartungen für Small Caps anmerkte: Die Stabilisierung der Zinsen könne positiv für dieses Segment sein, was Manager dazu verleiten könnte, ihre Allokation dorthin zu verschieben, selbst wenn es nicht ihrer Kernstrategie entspricht. Für den Anleger bedeutet dies, dass die sorgfältig aufgebaute Diversifikation seines Gesamtportfolios untergraben wird. Der „konservative“ Fonds verhält sich plötzlich wie ein Wachstumsfonds und korreliert stärker mit anderen risikoreichen Anlagen in Ihrem Depot.

Die Überwachung des Style Drifts ist daher eine zentrale Aufgabe des kritischen Anlegers. Dies erfordert regelmässige Kontrollen, die über das blosse Betrachten der Performance hinausgehen. Glücklicherweise gibt es Werkzeuge und Methoden, um diese Abweichungen zu erkennen. Eine regelmässige, disziplinierte Überprüfung der Fondszusammensetzung ist unerlässlich, um sicherzustellen, dass Sie immer noch das Produkt besitzen, für das Sie sich ursprünglich entschieden haben, und nicht eine riskantere Wette, die der Manager ohne Ihr Wissen eingegangen ist.
Ihre Checkliste zur Überwachung von Style Drift
- Nutzen Sie Portale wie Morningstar.ch, um die „Style Box“ des Fonds (die Einordnung nach Grösse und Wachstums-/Substanz-Charakter) über die Zeit zu verfolgen.
- Prüfen Sie vierteljährlich die veröffentlichten Top-Holdings auf Veränderungen in der Sektor- und Länderallokation.
- Vergleichen Sie die aktuelle Vermögensaufteilung (Asset Allocation) im Factsheet mit der im Fondsprospekt definierten, ursprünglichen Strategie.
- Achten Sie auf signifikante Änderungen in der durchschnittlichen Marktkapitalisierung der im Fonds gehaltenen Unternehmen.
- Dokumentieren Sie alle wesentlichen Abweichungen vom Anlageziel und hinterfragen Sie diese kritisch beim Anbieter oder Ihrem Berater.
TER ist nicht alles: Wie Ausgabeaufschläge Ihre Rendite im ersten Jahr vernichten
Viele Anleger konzentrieren sich bei der Kostenanalyse eines Fonds ausschliesslich auf die Total Expense Ratio (TER). Diese Kennzahl, die die jährlichen laufenden Kosten angibt, ist zwar wichtig, aber sie erzählt nur einen Teil der Geschichte. Eine vollständige Kosten-Wirkungs-Analyse muss alle Gebührenschichten berücksichtigen, von denen einige Ihre Rendite bereits im ersten Jahr erheblich schmälern können. In der Schweiz sind die Unterschiede markant: Die jährlichen Gebühren (TER) von aktiven Fonds auf den Schweizer Aktienmarkt liegen im Durchschnitt bei rund 1,5%, während ETFs auf den SPI im Schnitt nur 0,13% kosten.
Die grösste versteckte Falle ist oft der Ausgabeaufschlag (Agio). Dies ist eine einmalige Gebühr, die beim Kauf von Fondsanteilen erhoben wird und bis zu 5% des Anlagebetrags betragen kann. Bei einer Investition von 50’000 Franken bedeutet das, dass 2’500 Franken sofort an die Vertriebsbank gehen, bevor Ihr Geld überhaupt zu arbeiten beginnt. Ihr Fonds muss also erst einmal 5% Rendite erwirtschaften, nur um diesen anfänglichen Verlust auszugleichen. Hinzu kommen oft noch Transaktionskosten innerhalb des Fonds, die nicht in der TER enthalten sind, sowie Depotgebühren bei Ihrer Bank. Einige Fonds erheben zudem eine „Performance Fee“, eine Erfolgsprämie, wenn der Manager eine bestimmte Hürde überschreitet – eine weitere Kostenposition, die die Nettorendite schmälert.
Der folgende Vergleich verdeutlicht, wie sich die verschiedenen Kostenarten auf eine Anlage von 50’000 Franken über 5 Jahre auswirken können. Es wird klar, dass die TER nur die Spitze des Eisbergs ist und die Gesamtkostenbelastung bei aktiven Fonds um ein Vielfaches höher sein kann als bei einem simplen ETF.
| Kostenart | Aktive Fonds | ETFs | Auswirkung auf 50’000 CHF über 5 Jahre |
|---|---|---|---|
| Ausgabeaufschlag | Bis zu 5% | 0% | 2’500 CHF einmalig |
| Jährliche Verwaltungsgebühr (TER) | 1,5-2,5% | 0,1-0,5% | 3’750-6’250 CHF vs. 250-1’250 CHF |
| Performance Fee | 10-20% der Überrendite | 0% | Variabel |
| Transaktionskosten | 0,5-3% p.a. | Minimal | 1’250-7’500 CHF |
| Depotgebühren | 0,1-0,3% p.a. | 0,1-0,3% p.a. | 250-750 CHF |
Nur wenn ein aktiver Manager nach Abzug all dieser Kosten immer noch eine höhere Rendite als ein passiver ETF liefert, ist seine Gebühr gerechtfertigt. Eine umfassende Prüfung aller Kosten ist daher unumgänglich.
Aktives Management oder passive ETFs: Welche Strategie gewinnt langfristig im Schweizer Markt?
Die Entscheidung zwischen einem aktiven und einem passiven Ansatz ist keine Frage von „richtig“ oder „falsch“, sondern eine strategische Abwägung von Kosten, erwarteter Rendite und dem eigenen Glauben an die Markteffizienz. Langfristige Daten für den Schweizer Markt bieten eine klare Referenz: Der passive Ansatz, der einfach den breiten Markt abbildet, hat eine beeindruckende Erfolgsbilanz. So zeigt eine Pictet Wealth Management Analyse, dass der Swiss Performance Index (SPI) seit 1926 eine langfristige geometrische Durchschnittsrendite von 7,7% pro Jahr erzielt hat. Noch beeindruckender: Bei einer Haltedauer von 14 Jahren gab es historisch betrachtet nie eine negative Rendite.
Diese starken, passiven Renditen stellen eine hohe Hürde für jeden aktiven Manager dar. Warum sollte man ein Risiko eingehen und hohe Gebühren zahlen, wenn der Markt selbst bereits eine so attraktive Performance liefert? Die Antwort vieler professioneller Anleger liegt in einer Kombination beider Welten: der Core-Satellite-Strategie. Der „Kern“ (Core) des Portfolios wird dabei mit kostengünstigen, breit diversifizierten ETFs auf grosse Indizes wie den SPI oder den SMI abgedeckt. Dieser Kern sorgt für eine stabile, marktnahe Basisrendite.
Um diesen Kern herum werden gezielt „Satelliten“ platziert. Diese Satelliten sind aktive Fonds, die sich auf spezifische, ineffiziente Nischen konzentrieren, in denen ein Manager einen echten Mehrwert schaffen kann – wie Schweizer Small Caps, bestimmte Sektoren oder Schwellenländer. Eine Studie von Swisscanto Invest hat gezeigt, dass höhere Verwaltungskosten zwar oft mit höheren Bruttorenditen einhergehen, die Nettorendite für den Anleger aber letztlich unabhängig von der Gebührenhöhe bleibt. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Gebühren nur dort zu zahlen, wo eine reale Chance auf überdurchschnittliche Nettorenditen besteht. Die Core-Satellite-Strategie ermöglicht es, das Beste aus beiden Welten zu nutzen: die niedrigen Kosten und die breite Diversifikation des passiven Kerns kombiniert mit den Alpha-Chancen sorgfältig ausgewählter aktiver Satelliten.
Letztendlich gewinnt langfristig die Strategie, die am besten zum Anleger passt und diszipliniert umgesetzt wird. Für die meisten Anleger ist ein Portfolio, das stark auf passiven Instrumenten basiert und nur durch wenige, hochüberzeugende aktive Fonds ergänzt wird, der vernünftigste und kosteneffizienteste Weg.
SMIM als Rendite-Booster: Wie Sie mit mittelgrossen Firmen den SMI outperformen
Wenn es um Schweizer Aktien geht, denken die meisten Anleger sofort an den Swiss Market Index (SMI), der die 20 grössten und liquidesten Unternehmen des Landes umfasst. Doch für Anleger, die bereit sind, über diesen Tellerrand hinauszublicken, bietet das Segment der mittelgrossen Unternehmen, abgebildet im SMIM (SMI Mid) Index, oft ein attraktiveres Rendite-Risiko-Profil. Diese 30 Unternehmen, die in der Grössenskala direkt unter den SMI-Giganten angesiedelt sind, sind oft agiler, wachstumsstärker und operieren in hochspezialisierten globalen Nischen.
Der SMIM agiert als Brücke zwischen den schwerfälligen Blue Chips des SMI und den oft illiquiden Small Caps. Viele SMIM-Unternehmen sind „Hidden Champions“ – Weltmarktführer in ihrer Nische, die aber in der breiten Öffentlichkeit weniger bekannt sind als Nestlé, Roche oder Novartis. Weil sie weniger im Rampenlicht stehen, bieten sie für aktive Fondsmanager, die tiefgehendes Research betreiben, grössere Chancen, Fehlbewertungen zu finden. Ein ETF auf den SMIM ist eine einfache Möglichkeit, passiv von diesem Segment zu profitieren. Ein spezialisierter aktiver Fonds kann hier jedoch durch eine gezielte Auswahl der vielversprechendsten Kandidaten potenziell einen noch grösseren Mehrwert schaffen.
VAT Group finden wir eine spannende Firma, die gut für die Zukunft positioniert ist.
– Birgitte Olsen, Fondsmanagerin bei Bellevue Asset Management über SMIM-Werte
Die Aussage von Fondsmanagerin Birgitte Olsen über die VAT Group, einen führenden Hersteller von Hochvakuumventilen und einen prominenten Wert im SMIM, illustriert den Ansatz perfekt. Manager identifizieren hier Firmen mit starken technologischen Burggräben und globalen Wachstumsperspektiven, die im breiteren Markt möglicherweise noch unterbewertet sind. Für Anleger kann eine Beimischung von SMIM-Werten, sei es über einen ETF oder einen überzeugenden aktiven Fonds, als Rendite-Booster für das Gesamtportfolio dienen. Sie diversifizieren weg von der starken Konzentration auf die Pharma- und Finanzwerte im SMI und partizipieren am dynamischen Rückgrat der Schweizer Exportwirtschaft.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Rechtfertigung hoher Gebühren hängt von der Fähigkeit des Managers ab, in ineffizienten Märkten (z.B. Small Caps) nachweislich und konsistent Alpha zu generieren.
- Eine forensische Analyse des Fonds-Factsheets und der gesamten Kostenstruktur (inkl. Ausgabeaufschlag) ist wichtiger als der blosse Blick auf die ausgewiesene Performance oder TER.
- Die Core-Satellite-Strategie, die einen kostengünstigen passiven Kern mit gezielten aktiven Nischeninvestments kombiniert, ist für die meisten Schweizer Anleger der rationalste Ansatz.
Lohnt sich ein Vermögensverwaltungsmandat ab 500’000 Franken oder ist Selbermachen günstiger?
Die Frage, ob man ab einem bestimmten Vermögen – oft wird die Schwelle von 500’000 Franken genannt – die Verwaltung an einen Profi delegieren sollte, ist komplex. Ein Vermögensverwaltungsmandat verspricht Entlastung, professionelle Überwachung und Zugang zu Expertise. Doch diese Dienstleistung hat ihren Preis, der über die reinen Produktkosten hinausgeht und oft als prozentualer Anteil des verwalteten Vermögens berechnet wird. Die entscheidende Frage ist, ob der Netto-Mehrwert dieser Dienstleistung die zusätzlichen Kosten rechtfertigt.
Die Alternative ist, das Portfolio selbst zusammenzustellen, typischerweise mit einem Kern aus kostengünstigen ETFs. Dies ist zweifellos die günstigere Variante in Bezug auf die direkten Kosten. Sie erfordert jedoch Zeit, Disziplin und ein grundlegendes Finanzwissen. Der Anleger muss die Strategie selbst definieren, die Produkte auswählen, das Rebalancing durchführen und vor allem in turbulenten Marktphasen emotional standhaft bleiben. Hier liegt der potenzielle Mehrwert eines Vermögensverwalters: Er agiert als rationaler Puffer und verhindert kostspielige, panikgetriebene Entscheidungen. Dieser „Verhaltens-Coach“-Aspekt kann eine höhere Rendite bringen als jeder Versuch, den Markt zu timen.
Selbst bei Mandaten werden jedoch oft aktive Fonds eingesetzt, deren Kosten die Performance belasten. Besonders kritisch sind Modelle mit Performance Fees. Eine Studie, die in der EU und der Schweiz zugelassene Aktienfonds untersuchte, kam zu einem alarmierenden Ergebnis: Die Nettorendite von Fonds mit Performance-Fee war um 0,5 bis 0,7 Prozentpunkte pro Jahr schlechter als bei Fonds ohne diese Gebühr. Der Grund: Die Hürden für die Erfolgsprämie sind oft zu niedrig angesetzt. Der Manager wird belohnt, obwohl er keine echte, risikoadjustierte Überrendite erzielt hat. Ob Mandat oder Selbermachen: Die kritische Analyse der zugrundeliegenden Produkte und ihrer Kostenstruktur bleibt unerlässlich. Ein Mandat ist kein Freibrief, die Augen vor den Details zu verschliessen.
Letztendlich ist die Entscheidung persönlich. Wer die Zeit und das Interesse hat, sich mit seinen Finanzen zu beschäftigen, kann durch eine disziplinierte Do-it-yourself-Strategie mit ETFs erhebliche Kosten sparen. Wer jedoch Expertise, Zeitersparnis und vor allem einen disziplinierenden Partner sucht, für den kann ein faires und transparentes Vermögensverwaltungsmandat seinen Preis wert sein. Der Schlüssel liegt in der kritischen Auswahl des Partners und der genauen Prüfung seines Honorarmodells und seiner Produktphilosophie.