
Gemischte Lebensversicherungen der Säule 3a sind ein legalisierter Vermögenstransfer von Ihnen zum Versicherer, getarnt als sichere Altersvorsorge.
- Hohe, versteckte Kosten und Provisionen fressen in den ersten Jahren bis zu 40% Ihrer Prämien auf und führen oft zu massiven Verlusten bei vorzeitiger Kündigung.
- Die starre Vertragsstruktur (Vertragsfessel) raubt Ihnen jegliche Flexibilität bei finanziellen Engpässen wie Arbeitslosigkeit, während eine Banklösung pausiert werden kann.
Empfehlung: Trennen Sie strikt. Schliessen Sie eine separate, günstige Risikoversicherung nach Bedarf ab und investieren Sie den Sparanteil in einen kosteneffizienten, flexiblen ETF-Sparplan der Säule 3a.
Sie sitzen einem freundlichen Berater gegenüber. Er präsentiert Ihnen die perfekte Lösung für Ihre Altersvorsorge: eine Police, die alles kann. Sie spart für Ihr Alter, sichert Ihre Familie ab und verspricht erst noch Steuervorteile. Eine „eierlegende Wollmilchsau“, verpackt in einem einzigen, bequemen Vertrag. Dieses Versprechen von Einfachheit und Sicherheit ist verlockend, gerade für junge Erwachsene, die ihre Finanzen in den Griff bekommen wollen. Es ist die am häufigsten erzählte Geschichte in der Schweizer Finanzberatung.
Doch was, wenn diese Bequemlichkeit einen extrem hohen Preis hat? Was, wenn hinter der glänzenden Fassade eine Kostenfalle lauert, die Ihre Rendite über Jahrzehnte systematisch zerstört? Die gängige Meinung ist, dass diese Produkte Sicherheit bieten. Die Realität ist jedoch, dass die undurchsichtige Struktur und die hohen Gebühren oft das genaue Gegenteil bewirken. Sie schaffen eine gefährliche Unflexibilität und führen nicht selten zu schmerzhaften finanziellen Verlusten, wie unzählige Fälle belegen.
Dieser Artikel bricht mit dem Verkaufsmythos. Statt die Vorteile zu preisen, legen wir die knallharten Zahlen auf den Tisch. Wir werden nicht nur behaupten, dass die Trennung von Sparen und Versichern klüger ist – wir werden es Ihnen mathematisch beweisen. Es geht nicht darum, Ihnen Angst zu machen, sondern Ihnen die Fakten an die Hand zu geben, die Sie benötigen, um eine der wichtigsten finanziellen Entscheidungen Ihres Lebens souverän und zu Ihren Gunsten zu treffen. Wir analysieren die versteckten Kosten, decken den Mythos der „Sicherheit“ auf und zeigen Ihnen, wie viel Geld Sie durch eine simple, aber disziplinierte Strategie wirklich für Ihr Alter aufbauen können.
Dieser Leitfaden ist Ihr unabhängiger Ratgeber. Er führt Sie Schritt für Schritt durch die komplexen Zusammenhänge und zeigt Ihnen, wie Sie die typischen Fallen umgehen. Am Ende werden Sie verstehen, warum die Trennung von Sparen und Versichern keine Frage der persönlichen Vorliebe, sondern eine finanzmathematische Notwendigkeit ist.
Inhaltsverzeichnis: Die Wahrheit über gemischte Vorsorgepolicen
- Wie viel von Ihrer monatlichen Prämie fliesst in die Provision des Verkäufers statt in Ihr Guthaben?
- Warum ist eine Police mit Sparzwang ein Klumpen am Bein, wenn Sie arbeitslos werden?
- Police vs. ETF-Sparplan: Wie viel Geld verlieren Sie über 30 Jahre durch den Versicherungsmantel?
- Wann lohnt sich eine Lebensversicherung ausnahmsweise doch aus steuerlichen Gründen (Säule 3b)?
- Kündigen oder Freistellen: Wie kommen Sie mit dem geringsten Schaden aus einer schlechten Police raus?
- Das Geheimnis der Kickbacks: Behält Ihre Bank Provisionen, die eigentlich Ihnen gehören?
- Säule 3a bei der Bank oder Versicherung: Welche Lösung bringt Ihnen 15’000 CHF mehr Endkapital?
- Wie holen Sie das Maximum aus der Säule 3a heraus und sparen jährlich tausende Franken Steuern?
Wie viel von Ihrer monatlichen Prämie fliesst in die Provision des Verkäufers statt in Ihr Guthaben?
Der vielleicht schockierendste Aspekt gemischter Lebensversicherungen ist die anfängliche Kostenstruktur. Wenn Sie eine solche Police abschliessen, geht ein erheblicher Teil Ihrer ersten Prämien nicht in Ihren Sparanteil, sondern direkt in die Taschen des Versicherers und des Vermittlers. Dies wird als „Zillmerung“ bezeichnet, ein Verfahren, bei dem die Abschlusskosten auf die ersten Jahre der Vertragslaufzeit verteilt werden. Für Sie bedeutet das: Sie zahlen jahrelang ein, ohne nennenswertes Kapital aufzubauen.
Das Ausmass dieses anfänglichen Vermögenstransfers ist enorm. Kritische Analysen des Schweizer Marktes zeigen, dass in den ersten Jahren oft ein Grossteil der Zahlungen für Kosten und Provisionen verwendet wird. Eine Analyse zeigt, dass in der Anfangsphase bis zu 40% der eingezahlten Beträge für Provisionen, Verwaltung und Risikoprämien draufgehen können. Ihr „Sparkapital“ wächst also in den ersten Jahren kaum oder schrumpft sogar, obwohl Sie jeden Monat pünktlich Ihre Prämie überweisen.
Stellen Sie sich vor, Sie zahlen monatlich 200 CHF ein. In den ersten Jahren könnten davon 80 CHF direkt als Kosten abgebucht werden, bevor auch nur ein Rappen investiert wird. Dieser Mechanismus ist der Hauptgrund für die katastrophalen Rückkaufswerte bei einer frühen Kündigung. Die bereits bezahlten Abschlusskosten werden Ihnen nicht zurückerstattet. Sie haben quasi die Party für den Vermittler bezahlt, müssen aber früher gehen und erhalten nicht einmal Ihre Einlagen zurück. Bei einer transparenten Bank- oder reinen Fondslösung gibt es diese vorgelagerten Abschlusskosten nicht; Ihr Geld arbeitet ab dem ersten Tag für Sie.
Warum ist eine Police mit Sparzwang ein Klumpen am Bein, wenn Sie arbeitslos werden?
Versicherungsvertreter preisen den vertraglichen Sparzwang oft als Vorteil an – er sorge für Disziplin. In Wahrheit entpuppt sich diese Vertragsfessel bei unvorhergesehenen Lebensereignissen wie Arbeitslosigkeit, Scheidung oder dem Wunsch nach Selbstständigkeit als massiver Nachteil. Während Sie bei einer flexiblen 3a-Banklösung Ihre Einzahlungen jederzeit und ohne Kosten pausieren, reduzieren oder aussetzen können, zwingt Sie die Versicherungspolice zur Weiterzahlung. Kommen Sie dieser Verpflichtung nicht nach, drohen empfindliche Verluste.
Die Optionen, die Ihnen bei finanziellen Schwierigkeiten bleiben, sind allesamt schlecht. Eine vorzeitige Kündigung (Rückkauf) ist fast immer ein Verlustgeschäft, da die hohen, am Anfang bezahlten Provisionen weg sind. Die zweite Möglichkeit ist die Prämienfreistellung. Sie stoppen die Einzahlungen, aber Ihr bisher angespartes Kapital bleibt bis zum Vertragsende im teuren Versicherungsmantel gefangen und kann nicht anderweitig, rentabler investiert werden. Ihr Geld liegt brach, während es in einem flexiblen ETF-Sparplan weiter für Sie arbeiten könnte.
Der Fall von Ninja Versteeg, über den der SRF „Kassensturz“ berichtete, illustriert diese Tragödie perfekt. Sie wollte nach 14 Jahren für den Kauf eines Hauses auf ihr 3a-Guthaben zugreifen. Eingezahlt hatte sie 46’759 Franken. Der Schock: Ihr Rückkaufswert, also das, was ihr die Versicherung auszahlte, betrug gemäss einer Reportage des Schweizer Fernsehens nur 32’860 Franken. Ein reiner Verlust von fast 14’000 Franken – Geld, das für immer verloren ist. Dies zeigt brutal auf, dass die angebliche Sicherheit dieser Produkte eine Illusion ist. In Wahrheit schaffen sie eine gefährliche Inflexibilität, die Sie im schlimmsten Fall teuer zu stehen kommt.
Police vs. ETF-Sparplan: Wie viel Geld verlieren Sie über 30 Jahre durch den Versicherungsmantel?
Die Kombination aus hohen Kosten, geringer Transparenz und mangelnder Flexibilität führt über lange Zeiträume zu einem dramatischen Resultat: einer massiv tieferen Rendite im Vergleich zu einer reinen Anlagelösung. Die Rendite-Schere zwischen einer teuren Versicherungspolice und einem kostengünstigen ETF-Sparplan öffnet sich mit jedem Jahr weiter. Was am Anfang wie ein kleiner Unterschied aussieht, summiert sich über 30 oder 40 Jahre zu einem Vermögensunterschied von Zehn- oder sogar Hunderttausenden von Franken.

Wie Sie in der obigen Darstellung sehen, ist der Unterschied frappierend. Während das Kapital im ETF-Sparplan exponentiell wächst (rechte, blühende Seite), stagniert die Entwicklung der Police (linke, karge Seite) durch die ständige Belastung mit hohen Gebühren. Unabhängige Experten wie Karl Flubacher vom VZ Vermögenszentrum warnen deshalb eindringlich. In einem Beitrag des SRF Kassensturz fasst er es klar zusammen:
Ich rate klar ab von gemischten Lebensversicherungen, sei das auch im Rahmen einer 3. Säule, weil man dort Sparen und Risikoschutz kombiniert. Erstens: Es ist teuer, man spart nicht das Ganze, das man einbezahlt. Zweitens: Es ist extrem intransparent.
– Karl Flubacher, VZ Vermögenszentrum
Die Gründe für die unterlegene Performance sind systemisch: Versicherungspolicen investieren oft in teure, aktiv gemanagte Fonds, deren Performance nach Kosten selten die eines günstigen, passiven ETFs übertrifft. Eine Analyse der Handelszeitung zeigt, dass passive Fonds im Schnitt besser bewertet werden als aktive. Über 30 Jahre bei einer jährlichen Einzahlung von 7’000 CHF kann ein Kostenunterschied von nur 1% pro Jahr bereits einen Endkapital-Unterschied von über 100’000 CHF ausmachen. Sie verzichten auf ein Vermögen, nur für die angebliche Bequemlichkeit eines Kombiprodukts.
Wann lohnt sich eine Lebensversicherung ausnahmsweise doch aus steuerlichen Gründen (Säule 3b)?
Nach der harschen Kritik stellt sich die Frage: Gibt es denn gar keinen Anwendungsfall für eine Lebensversicherung? Befürworter führen oft die freie Vorsorge (Säule 3b) an. Unter bestimmten, sehr spezifischen Bedingungen kann eine reine Risiko-Lebensversicherung oder eine rückkaufsfähige Police in der Säule 3b tatsächlich steuerliche Vorteile bieten, insbesondere bei der Vererbung oder für sehr sicherheitsorientierte Personen, die eine garantierte Auszahlung wünschen.
Allerdings gelten auch hier die fundamentalen Nachteile: Die Renditen sind meist sehr tief und die Kosten hoch. Für die meisten jungen und renditeorientierten Sparer ist die traditionelle 3b-Police heute ein Auslaufmodell. Die moderne, weitaus überlegene Alternative ist auch hier die strikte Trennung: Eine separate, günstige Todesfallrisiko-Versicherung zur Absicherung der Familie und ein davon unabhängiger, flexibler ETF-Sparplan für den Vermögensaufbau.
Moderne Alternative: ETF-Sparplan in der Säule 3b
Selbst im Rahmen der Säule 3b ist die Kombination von Kostenvorteilen und höherer Rendite eines ETF-Sparplans unschlagbar. Wie eine Analyse des Vermögenszentrums darlegt, ist ein günstiger ETF-Sparplan auch hier die cleverste Lösung für den langfristigen Vermögensaufbau. Anstatt Kapital in einem niedrig verzinsten und teuren Vertrag zu binden, profitiert man von der vollen Marktrendite und behält jederzeit die volle Flexibilität. Die steuerlichen Vorteile einer Police werden durch die massiv höhere potenzielle Rendite der ETF-Lösung über die Laufzeit mehr als kompensiert.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Der einzige Grund, über eine 3b-Police nachzudenken, wäre ein sehr hohes Sicherheitsbedürfnis in Kombination mit spezifischen Zielen in der Nachlassplanung. Für 99% der Anleger, deren Ziel der Vermögensaufbau ist, ist die Antwort klar: Auch in der Säule 3b ist die getrennte Lösung aus reiner Risikoversicherung und ETF-Sparplan die finanziell intelligentere Wahl.
Kündigen oder Freistellen: Wie kommen Sie mit dem geringsten Schaden aus einer schlechten Police raus?
Wenn Sie bereits eine gemischte Lebensversicherung besitzen und nun deren Nachteile erkennen, stehen Sie vor einer schwierigen Entscheidung. Die wichtigste Regel lautet: Handeln Sie nicht überstürzt, sondern analysieren Sie Ihre Optionen kühl. Die zwei Hauptwege aus der Vertragsfessel sind die Kündigung (Rückkauf) und die Prämienfreistellung. Beide haben Vor- und Nachteile.

Der Rückkauf bedeutet, Sie kündigen den Vertrag und erhalten den sogenannten Rückkaufswert ausbezahlt. Dieser Wert ist, wie bereits gezeigt, vor allem in den ersten Jahren oft schmerzhaft niedrig und liegt unter der Summe Ihrer Einzahlungen. Der Vorteil: Sie erhalten sofort wieder die Kontrolle über Ihr Kapital und können es in eine rentablere, flexiblere Lösung umschichten. Die Prämienfreistellung bedeutet, Sie stoppen alle weiteren Einzahlungen. Der Vertrag läuft weiter, aber mit einer reduzierten Versicherungssumme. Ihr bisheriges Kapital bleibt bis zum Vertragsende gebunden und erwirtschaftet weiterhin nur eine magere Rendite. Diese Option ist oft die Wahl, um den direkten Verlust des Rückkaufs zu vermeiden, verhindert aber, dass Ihr Kapital anderswo besser für Sie arbeiten kann.
Die Entscheidung hängt stark von der verbleibenden Laufzeit ab. Läuft Ihr Vertrag nur noch wenige Jahre, kann es sinnvoller sein, ihn beizubehalten oder freizustellen, um den vollen Verlust zu vermeiden. Haben Sie jedoch noch einen langen Anlagehorizont von 10, 20 oder mehr Jahren, ist der Rückkauf trotz des sofortigen Verlusts oft die bessere Wahl. Der Grund: Das zurückerhaltene Kapital kann über die lange Restlaufzeit in einem kostengünstigen ETF-Sparplan den Verlust mehr als kompensieren und ein deutlich höheres Endkapital erwirtschaften. Holen Sie vor einer Entscheidung immer eine unabhängige Zweitmeinung ein.
Das Geheimnis der Kickbacks: Behält Ihre Bank Provisionen, die eigentlich Ihnen gehören?
Neben den offensichtlichen Kosten gibt es eine weitere, oft verschwiegene Einnahmequelle für Banken und Versicherer: die sogenannten Retrozessionen oder „Kickbacks“. Dabei handelt es sich um Provisionen, die Produktanbieter (z.B. Fondsgesellschaften) an die Bank oder Versicherung zurückzahlen, weil diese deren Produkte an Kunden wie Sie verkauft haben. Lange Zeit war es gängige Praxis, dass die Institute diese Gelder für sich behielten, obwohl sie durch Ihr investiertes Kapital generiert wurden.
Das System der Kickbacks verstehen
Stellen Sie sich vor, Ihre Versicherung legt Ihr 3a-Geld in einen Investmentfonds. Dieser Fonds verrechnet eine Verwaltungsgebühr. Von dieser Gebühr fliesst ein Teil als „Dankeschön“ zurück an die Versicherung. Das Problem: Diese Zahlung schafft einen fatalen Interessenkonflikt. Der Berater hat einen Anreiz, Ihnen nicht das beste oder günstigste Produkt zu empfehlen, sondern jenes, bei dem er die höchsten Kickbacks erhält. Das Ausmass ist gewaltig: Laut einer von der Schweizerischen Bankiervereinigung in Auftrag gegebenen Studie belief sich das Volumen dieser Zahlungen allein im Jahr 2012 auf geschätzte 4.2 Milliarden CHF.
Ihr Plan zur Rückforderung
Das Schweizer Bundesgericht hat diesem Treiben einen Riegel geschoben. In einem wegweisenden Urteil (Az. 4A_127/2012, 4A_141/2012) wurde entschieden, dass diese Retrozessionen grundsätzlich dem Kunden zustehen. Sie haben also einen rechtlichen Anspruch darauf, diese Gelder zurückzufordern. Viele Institute tun dies jedoch nicht von sich aus. Sie müssen aktiv werden.
Ihr Plan zur Rückforderung von Kickbacks
- Ansprüche prüfen und Verjährung stoppen: Lassen Sie Ihre Ansprüche von einem Spezialisten prüfen und unterbrechen Sie die Verjährungsfrist (oft 10 Jahre), indem Sie die Bank zur Zahlung auffordern.
- Auskunftsbegehren stellen: Fordern Sie von Ihrem Vermögensverwalter oder Ihrer Versicherung eine detaillierte Offenlegung aller erhaltenen Kickbacks im Zusammenhang mit Ihren Verträgen.
- Ansprüche geltend machen: Machen Sie Ihre Ansprüche schriftlich bei der Bank geltend. Setzen Sie eine klare Frist zur Auszahlung.
- Ombudsstelle einschalten: Lehnt die Bank die Auszahlung ab, reichen Sie eine Beschwerde bei der unabhängigen Ombudsmanstelle der Schweizer Banken ein. Dieses Verfahren ist oft kostenlos.
- Gerichtlicher Weg als letzte Option: Sollten alle vorigen Schritte scheitern, bleibt der Gang vor Gericht, um Ihre Ansprüche durchzusetzen, wie es die Plattform Litilink für Geschädigte beschreibt.
Säule 3a bei der Bank oder Versicherung: Welche Lösung bringt Ihnen 15’000 CHF mehr Endkapital?
Die Entscheidung zwischen einer 3a-Lösung bei einer Bank oder einer Versicherung ist keine Geschmacksfrage, sondern hat massive finanzielle Konsequenzen. Wie wir gesehen haben, ist die Versicherungslösung durch Intransparenz, hohe Kosten und Inflexibilität geprägt. Die Banklösung hingegen ist ein reiner Spar- und Anlageprozess, der Ihnen volle Kontrolle und Kostentransparenz bietet. Doch wie gross ist der Unterschied in barer Münze?
Ein direkter Vergleich zeigt die Überlegenheit der Bank- und insbesondere der modernen App-Lösungen auf. Bei einem Investment von 30’000 Franken über fünf Jahre in Fonds mit ähnlichem Aktienanteil (40-50%) zeigt sich ein dramatisches Bild: Der digitale Anbieter Viac erzielte einen Ertrag von 7’421 Franken. Ein vergleichbarer Fonds der Raiffeisen-Versicherung brachte es im selben Zeitraum auf nur 1’520 Franken Ertrag. Das ist ein Unterschied von fast 6’000 Franken in nur fünf Jahren. Stellen Sie sich diesen Unterschied hochgerechnet auf 30 oder 40 Jahre vor!
Die folgende Tabelle fasst die entscheidenden Unterschiede zusammen, die zu dieser Rendite-Schere führen:
| Kriterium | 3a Banklösung | 3a Versicherungslösung |
|---|---|---|
| Transparenz | Transparent, reiner Sparprozess | Intransparente Kostenstruktur (Sparen & Risiko gemischt) |
| WEF-Vorbezug | Einfach und kostengünstig möglich | Oft mit hohen Gebühren und komplexen Regelungen verbunden |
| Flexibilität bei Einzahlungen | Sie entscheiden jederzeit, ob und wie viel Sie einzahlen | Feste, vertraglich vereinbarte Prämien (Sparzwang) |
| Maximale Aktienquote | Bis zu 99% möglich für maximale Renditechancen | Meist deutlich konservativer und mit tieferer Obergrenze |
Die Fakten sind eindeutig. Die Kombination aus hoher Flexibilität, tieferen Kosten und der Möglichkeit, eine höhere Aktienquote zu wählen, macht die Bank- oder App-Lösung zur mathematisch klar überlegenen Wahl für den langfristigen Vermögensaufbau in der Säule 3a. Wer sich für eine Versicherungspolice entscheidet, kauft sich eine teure und starre Mogelpackung, die das eigene Renditepotenzial systematisch sabotiert.
Das Wichtigste in Kürze
- Kostenfalle: Gemischte 3a-Policen verwenden in den ersten Jahren einen Grossteil Ihrer Prämien für Provisionen, nicht für Ihren Sparanteil, was zu massiven Verlusten bei Kündigung führt.
- Flexibilitäts-Illusion: Der „Sparzwang“ einer Police wird bei Arbeitslosigkeit oder finanziellen Engpässen zur teuren Vertragsfessel, während Banklösungen flexibel pausierbar sind.
- Rendite-Vernichtung: Über 30 Jahre kann der Kostenunterschied zwischen einer teuren Police und einem günstigen ETF-Sparplan einen Vermögensunterschied von über 100’000 CHF ausmachen. Die Trennung von Sparen und Versichern ist eine mathematische Notwendigkeit.
Wie holen Sie das Maximum aus der Säule 3a heraus und sparen jährlich tausende Franken Steuern?
Nachdem klar ist, dass eine getrennte, flexible 3a-Lösung bei einer Bank oder einem digitalen Anbieter der einzig sinnvolle Weg ist, stellt sich die Frage: Wie optimieren Sie diese Strategie, um das Maximum herauszuholen? Es geht nicht nur darum, die falsche Lösung zu meiden, sondern die richtige aktiv zu gestalten. Mit ein paar einfachen Regeln können Sie Ihre Rendite maximieren und gleichzeitig Ihre Steuerlast erheblich senken.
Die Grundlage ist, den jährlichen Maximalbeitrag voll auszuschöpfen. Für Angestellte mit Pensionskasse liegt dieser im Jahr 2024 bei 7’056 CHF. Jeder einbezahlte Franken kann von Ihrem steuerbaren Einkommen abgezogen werden, was je nach Kanton und Einkommen eine jährliche Steuerersparnis von 1’500 bis 2’500 CHF bedeuten kann. Noch spannender wird es bei der Auszahlung: Um die Steuerprogression zu brechen, sollten Sie nicht nur ein einziges 3a-Konto führen. Eröffnen Sie stattdessen im Laufe Ihres Lebens drei bis fünf verschiedene 3a-Konten. Sobald ein Konto eine Summe von rund 50’000 Franken erreicht hat, eröffnen Sie das nächste. Dies erlaubt Ihnen im Alter, die Konten in verschiedenen Steuerjahren aufzulösen und so insgesamt Zehntausende von Franken an Kapitalauszahlungssteuern zu sparen.
Wählen Sie zudem einen Anbieter mit der höchstmöglichen Aktienquote (oft bis zu 99%), um langfristig vom Wachstum der globalen Wirtschaft zu profitieren. Eine reine Risikoversicherung für den Todesfall oder bei Erwerbsunfähigkeit schliessen Sie separat und viel günstiger in der Säule 3b ab. Eine spannende Neuerung: Voraussichtlich ab 2026 soll es möglich sein, verpasste Einzahlungen der Vorjahre nachträglich zu tätigen, was die Flexibilität weiter erhöht.
Nehmen Sie Ihre finanzielle Zukunft selbst in die Hand. Fordern Sie transparente, kostengünstige und flexible Lösungen und lassen Sie sich nicht von leeren Versprechungen blenden. Der klügste Weg ist fast immer der einfachste: Sparen und Versichern strikt trennen.
Häufige Fragen zu Lebensversicherungen und Säule 3a
Wann lohnt sich ein Rückkauf trotz Verlusten?
Wenn Ihre Police noch eine sehr lange Restlaufzeit hat (z.B. 15+ Jahre), ist ein Rückkauf oft die bessere Wahl. Der sofortige Verlust kann durch die höhere Rendite einer kostengünstigen Alternative über die lange Zeit mehr als ausgeglichen werden. Läuft der Vertrag nur noch wenige Jahre, rechnet sich ein Rückkauf meist nicht mehr.
Wie hoch sind die typischen Rückkaufsverluste?
Die Verluste können erheblich sein. Im Kassensturz-Beispiel zahlte Jan Bühler über 10 Jahre 36’000 CHF ein und erhielt beim Rückkauf nur 23’000 CHF zurück – ein Verlust von 13’000 CHF.
Welche Alternative zur Kündigung gibt es?
Die Prämienfreistellung. Sie stoppen die Einzahlungen, aber der Vertrag läuft weiter und das Kapital bleibt bis zum Ende gebunden. Das vermeidet einen direkten Verlust, verhindert aber, dass Ihr Geld anderswo rentabler arbeiten kann.