
Für Schweizer Rentner ist eine Anleihenleiter kein Spekulationsobjekt, sondern ein präzises Ingenieursprojekt für einen absolut planbaren, vertraglich garantierten Cashflow.
- Sie schützt Ihr Kapital vor Marktschwankungen, indem Sie Aktienverkäufe in Baisse-Phasen vermeiden.
- Die gestaffelte Struktur bietet mehr Flexibilität als ein Festgeldkonto und sichert gleichzeitig einen stetigen Geldfluss.
Empfehlung: Konzentrieren Sie sich auf die Architektur eines robusten Bonitäts-Fundaments mit erstklassigen Schweizer Emittenten (AAA/AA), um das Ausfallrisiko zu minimieren und Ihre Einkommensströme zu sichern.
Für Rentner und Vorruheständler in der Schweiz ist finanzielle Planung keine abstrakte Übung, sondern eine Notwendigkeit. Die zentrale Frage lautet nicht „Wie maximiere ich meine Rendite?“, sondern „Wie stelle ich sicher, dass ich jedes Jahr über einen exakt planbaren Betrag verfüge, um meine Lebenshaltungskosten zu decken?“. Viele verlassen sich dabei auf traditionelle Instrumente wie Festgeldkonten oder Dividendenaktien. Doch diese Ansätze haben ihre Tücken: Festgeldkonten sind unflexibel und bieten kaum Rendite, während Dividenden von Unternehmensentscheidungen abhängen und in Krisen gekürzt werden können.
Hier kommt eine oft übersehene, aber für Sicherheitsbedürftige ideale Strategie ins Spiel: die Anleihenleiter, auch Bond Ladder genannt. Doch die üblichen Erklärungen, die sie als reines Mittel zur „Steuerung des Zinsrisikos“ beschreiben, greifen zu kurz. Für einen Schweizer Ruheständler ist sie viel mehr: eine massgeschneiderte Cashflow-Architektur. Es geht darum, ein Portfolio aus hochwertigen Anleihen so zu konstruieren, dass jedes Jahr eine „Sprosse“ der Leiter fällig wird und Ihnen einen vorhersehbaren, vertraglich zugesicherten Kapital- und Zinsbetrag auszahlt. Dieser Ansatz verwandelt Ihr Vermögen in eine verlässliche Einkommensquelle.
Dieser Artikel geht über die Grundlagen hinaus. Wir betrachten die Anleihenleiter aus der Perspektive eines Schweizer Rentners, für den Sicherheit, Planbarkeit und steuerliche Effizienz an erster Stelle stehen. Wir analysieren, wie man eine solche Struktur konkret aufbaut, wie man sie vor der unsichtbaren Gefahr der Inflation schützt und wie man sie geschickt in eine umfassende Portfoliostrategie integriert, um den Ruhestand sorgenfrei zu geniessen.
Um Ihnen eine klare und strukturierte Übersicht zu geben, haben wir diesen Leitfaden in logische Abschnitte unterteilt. Der folgende Inhalt führt Sie schrittweise durch alle Aspekte, die für den Aufbau und die Verwaltung einer effektiven Anleihenleiter in der Schweiz entscheidend sind.
Inhaltsverzeichnis: Ihr Wegweiser zur sicheren Anleihenleiter in der Schweiz
- Warum ist eine Anleihen-Leiter besser als ein Festgeldkonto für Ihre Flexibilität?
- Wie staffeln Sie Laufzeiten von 1 bis 10 Jahren für einen konstanten Cashflow?
- Fester Coupon vs. Floater: Welches Zinsmodell schützt Sie besser vor der Inflation?
- Der unsichtbare Feind: Wie die Inflation von 2% Ihren Coupon von 1,5% auffrisst
- Verrechnungssteuer auf Zinsen: Wie Sie die 35% Abzug in der Schweiz korrekt zurückfordern
- Wann ist der schlechteste Zeitpunkt, um mit der Entnahme aus dem Depot zu beginnen?
- Warum sind Dividenden in Seitwärtsphasen der wichtigste Renditebringer für Ihr Depot?
- Wie bestimmt Ihr Anlagehorizont die ideale Aktienquote für ein Schweizer Portfolio?
Warum ist eine Anleihen-Leiter besser als ein Festgeldkonto für Ihre Flexibilität?
Die Entscheidung zwischen einem Festgeldkonto und einer Anleihenleiter scheint auf den ersten Blick eine Frage der Rendite zu sein. Für einen Rentner ist der entscheidende Faktor jedoch die Flexibilität bei gleichzeitiger Planbarkeit. Ein Festgeldkonto bindet Ihr Kapital für eine feste Dauer. Benötigen Sie unerwartet Geld, ist der Zugriff entweder unmöglich oder mit hohen Strafgebühren verbunden. Sie tauschen Liquidität gegen eine oft minimale Verzinsung. Eine Anleihenleiter hingegen ist von Natur aus flexibel konzipiert.
Stellen Sie sich eine Leiter mit fünf Sprossen vor, bei der jede Sprosse einer Anleihe entspricht, die in einem der kommenden fünf Jahre fällig wird. Jedes Jahr wird eine Sprosse „frei“ und zahlt Ihnen das Kapital zurück. Sie können dieses Geld nun für Ihre Lebenshaltungskosten verwenden oder, falls nicht benötigt, in eine neue, langfristige Anleihe am Ende der Leiter reinvestieren. Dieses System schafft einen rollierenden, vorhersehbaren Liquiditätsstrom. Das Vergleichsszenario ist eindeutig: Ein Schweizer Anleger mit 50’000 CHF, der diese auf fünf Anleihen mit Laufzeiten von 1 bis 5 Jahren verteilt, hat nach zwei Jahren bereits wieder Zugriff auf 20’000 CHF, während das gesamte Kapital auf einem 5-jährigen Festgeldkonto weiterhin blockiert wäre.
Vergleichsszenario: Anleihen-Leiter vs. Festgeldkonto bei 50’000 CHF
Eine Anleihen-Leiter ist ein Portfolio aus einzelnen Anleihen mit unterschiedlichen Fälligkeiten. Beispielsweise könnte man eine zehnjährige Leiter mit einer jährlich fälligen Anleihe aufbauen. Ein Schweizer Anleger mit 50’000 CHF kann diese auf 5 Anleihen à 10’000 CHF mit Laufzeiten von 1-5 Jahren verteilen. Wenn die Anleihen am unteren Ende der Leiter fällig werden, können die Erlöse am langen Ende in neue langfristige Anleihen reinvestiert werden. Bei unvorhergesehenem Liquiditätsbedarf nach 2 Jahren hat der Anleger Zugriff auf 20’000 CHF aus den ersten beiden Sprossen, während das Festgeldkonto komplett gesperrt bleibt.
Diese Struktur gibt Ihnen die Freiheit, auf unvorhergesehene Ereignisse zu reagieren, ohne Ihre gesamte Anlagestrategie über den Haufen werfen zu müssen. Es ist die Kombination aus der eisernen Disziplin eines festen Plans und der notwendigen Flexibilität für die Realitäten des Lebens, die die Anleihenleiter für Ruheständler so überlegen macht.
Ihr Plan zum Aufbau einer flexiblen Anleihen-Leiter
- Kapital bestimmen: Legen Sie Ihr verfügbares Kapital fest – mindestens 50’000 CHF sind für eine sinnvoll diversifizierte Leiter zu empfehlen.
- Laufzeiten wählen: Verteilen Sie das Kapital auf 5-10 Jahre mit jährlichen Fälligkeiten, um einen regelmässigen Geldfluss sicherzustellen.
- Anleihen selektieren: Wählen Sie ausschliesslich hochwertige Anleihen mit einem Rating von AAA bis A von Schweizer Emittenten, um das Ausfallrisiko zu minimieren.
- Kauf abwickeln: Kaufen Sie die Anleihen über Ihren Broker und beachten Sie die anfallenden Stempelabgaben beim Kauf und Verkauf von Wertpapieren in der Schweiz.
- Reinvestieren: Reinvestieren Sie fällig werdende Anleihen am langen Ende der Leiter, um den kontinuierlichen Cashflow aufrechtzuerhalten und potenziell von höheren Zinsen zu profitieren.
Wie staffeln Sie Laufzeiten von 1 bis 10 Jahren für einen konstanten Cashflow?
Der Kern einer funktionierenden Anleihenleiter ist die systematische Staffelung der Fälligkeiten. Das Ziel ist, eine „Pipeline“ an Liquidität zu schaffen, die jedes Jahr verlässlich Geld liefert. Eine gängige und robuste Methode für Rentner ist der Aufbau einer 10-jährigen Leiter. Das bedeutet, Sie verteilen Ihr für Anleihen vorgesehenes Kapital zu gleichen Teilen auf zehn Anleihen mit Laufzeiten von einem, zwei, drei bis hin zu zehn Jahren. So wird jedes Jahr eine Position fällig.
Die Auswahl der Emittenten ist dabei von höchster Bedeutung. Für ein Bonitäts-Fundament sollten Sie sich auf Emittenten mit höchster Kreditwürdigkeit konzentrieren. In der Schweiz sind dies insbesondere die Eidgenossenschaft, die Kantone wie Zürich oder auch Kantonalbanken wie die ZKB, die alle mit einem AAA-Rating bewertet werden. Für die längeren Laufzeiten können Sie zur Renditeoptimierung auch erstklassige Unternehmensanleihen (Corporate Bonds) von stabilen Schweizer Grosskonzernen wie Roche (AA-Rating) beimischen. Wichtig ist, das Ausfallrisiko so gering wie nur möglich zu halten.
Die Visualisierung hilft, das Konzept greifbar zu machen: Jede Anleihe ist eine sichere Sprosse, die Sie dem nächsten planbaren Geldeingang näherbringt.

Die folgende Tabelle zeigt ein exemplarisches Muster für eine solche Leiter mit 50’000 CHF, aufgeteilt auf fünf Tranchen. Beachten Sie, wie die Kupons mit längerer Laufzeit tendenziell ansteigen, was das höhere Zinsänderungsrisiko kompensiert. Auch wenn die Rendite der Schweizer 10-jährigen Anleihe am 19. Dezember 2025 auf 0,33% stieg, zeigen die Kupons in der Praxis eine grössere Spanne je nach Emittent und Marktlage.
| Laufzeit | Emittent | Kupon | Rating | Betrag (CHF) |
|---|---|---|---|---|
| 1-2 Jahre | Eidgenossenschaft | 0,5-1% | AAA | 10’000 |
| 3-4 Jahre | Kanton Zürich | 1-1,5% | AAA | 10’000 |
| 5-6 Jahre | ZKB | 1,5-2% | AAA | 10’000 |
| 7-8 Jahre | Roche | 2-2,5% | AA | 10’000 |
| 9-10 Jahre | Axpo | 2,5-3% | A | 10’000 |
Fester Coupon vs. Floater: Welches Zinsmodell schützt Sie besser vor der Inflation?
Bei der Auswahl Ihrer Anleihen stehen Sie vor einer wichtigen Entscheidung: Sollten Sie auf einen festen Coupon oder auf einen variablen Zins, einen sogenannten „Floater“, setzen? Für einen Rentner, dessen oberstes Ziel absolute Planbarkeit ist, ist die Antwort meist eindeutig: Der feste Coupon. Er garantiert Ihnen über die gesamte Laufzeit eine exakt bekannte, vertraglich fixierte Zinszahlung. Sie wissen heute schon auf den Rappen genau, was Sie in fünf Jahren erhalten werden.
Floater hingegen passen ihren Zinssatz periodisch an einen Referenzzinssatz (wie den SARON in der Schweiz) an. In einer Phase steigender Zinsen kann das vorteilhaft sein, da Ihre Erträge mit ansteigen. In einem Umfeld sinkender oder stagnierender Zinsen bedeuten sie jedoch Unsicherheit. Diese Unvorhersehbarkeit widerspricht dem Grundgedanken der Cashflow-Architektur für den Ruhestand. Historisch betrachtet haben sich Schweizer Anleihen als stabiler Anker erwiesen. Mit einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von rund 4 Prozent seit 1926 bieten sie eine solide Balance, auch wenn diese historische Performance keine Garantie für die Zukunft ist.
Die ideale Lösung wären inflationsindexierte Anleihen, deren Kupon und/oder Nennwert an die Teuerungsrate gekoppelt ist. Diese bieten einen echten Schutz der Kaufkraft. Hier stossen Schweizer Anleger jedoch auf eine Hürde, wie der renommierte Finanzexperte Gerd Kommer hervorhebt:
Von Österreich oder der Schweiz existieren bis heute keine inflationsindexierten Anleihen
– Gerd Kommer, Gerd Kommer Blog – Inflationsindexierte Anleihen
Angesichts dieser Realität bleibt der feste Coupon für sicherheitsorientierte Schweizer Rentner die verlässlichste Wahl. Der Schutz vor Inflation muss daher über andere Wege erfolgen, insbesondere durch die Beimischung von Sachwerten wie Aktien im Gesamtportfolio.
Der unsichtbare Feind: Wie die Inflation von 2% Ihren Coupon von 1,5% auffrisst
Die grösste Gefahr für jeden festverzinslichen Ertrag ist die Inflation. Sie ist der unsichtbare Feind, der die Kaufkraft Ihres Geldes langsam, aber stetig aushöhlt. Eine Anleihe mit einem Coupon von 1,5% mag sicher erscheinen, doch bei einer Inflationsrate von 2% erleiden Sie real einen Kaufkraftverlust von 0,5% pro Jahr. Dies wird als die Realrendite-Falle bezeichnet. Auch wenn Prognosen, wie die der SNB, die eine Jahresteuerung von nur 0,3 % für 2025 erwarten, eine vorübergehende Entspannung signalisieren, hat die jüngere Vergangenheit gezeigt, wie schnell sich das Blatt wenden kann.
Das Jahr 2022 dient als eindrückliche Warnung. In diesem Jahr erlebten Schweizer Anleihen einen historischen Verlust, der die Gefahren steigender Zinsen zur Inflationsbekämpfung verdeutlichte. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) erhöhte die Zinsen drastisch, um die Teuerung einzudämmen. Dies führte zu einem Abverkauf bestehender Anleihen mit niedrigeren Kupons, da diese im Vergleich zu neu emittierten, höher verzinsten Anleihen unattraktiv wurden. Das Resultat war ein nominaler Verlust von 12,1 Prozent – der stärkste Rückgang in der Geschichte des Schweizer Anleihenmarktes. Dies zeigt, dass selbst die sichersten Anlagen nicht vor Zinsänderungsrisiken gefeit sind.
Für den Halter einer Anleihenleiter, der die Anleihen bis zur Fälligkeit hält, sind diese kurzfristigen Kursschwankungen weniger relevant, da am Ende der Laufzeit der volle Nennwert zurückgezahlt wird. Dennoch unterstreicht dieses Szenario die Bedeutung, die Inflation bei der Planung nicht zu ignorieren. Ein Teil des Portfolios muss in der Lage sein, die Teuerung auszugleichen. Hier kommen Sachwerte wie Aktien ins Spiel, die langfristig das Potenzial haben, reale Renditen über der Inflationsrate zu erwirtschaften.
Verrechnungssteuer auf Zinsen: Wie Sie die 35% Abzug in der Schweiz korrekt zurückfordern
Ein entscheidender praktischer Aspekt für jeden Anleihe-Investor in der Schweiz ist die Verrechnungssteuer. Auf Zinserträge von Schweizer Anleihen wird eine Verrechnungssteuer von 35% erhoben. Das bedeutet, Ihre Bank oder Ihr Broker überweist Ihnen netto nur 65% des Zinskupons. Die restlichen 35% werden direkt an die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) abgeführt. Dieser hohe Abzug kann auf den ersten Blick abschreckend wirken, ist aber für in der Schweiz steuerpflichtige Personen kein echter Verlust.
Der Schlüssel liegt in der korrekten Deklaration. Sie können die gesamte Verrechnungssteuer zurückfordern, indem Sie Ihre Zinserträge und die Anleihen selbst lückenlos im Wertschriften- und Guthabenverzeichnis Ihrer jährlichen Steuererklärung aufführen. Das kantonale Steueramt verrechnet den Betrag dann mit Ihrer Steuerschuld oder zahlt ihn Ihnen direkt aus. Steuerliche Effizienz bedeutet hier also vor allem administrative Sorgfalt. Wer vergisst, die Erträge zu deklarieren, macht aus der Steuer eine echte und schmerzhafte Abgabe.
Der Prozess der Rückforderung ist standardisiert, erfordert aber Genauigkeit und das Einhalten der Fristen. Eine vergessene Deklaration kann nicht beliebig nachgeholt werden.

Die Rückforderung ist ein fundamentaler Bestandteil der Anlagestrategie und stellt sicher, dass Ihnen die volle, vertraglich zugesicherte Rendite Ihrer Anleihen zugutekommt. Es ist ein bürokratischer, aber beherrschbarer Prozess, der die Nettorendite Ihrer sicheren Anlagen erheblich beeinflusst. Ignorieren Sie diesen Schritt nicht.
Wann ist der schlechteste Zeitpunkt, um mit der Entnahme aus dem Depot zu beginnen?
Der absolut schlechteste Zeitpunkt, um mit der Entnahme aus einem Portfolio zu beginnen, ist unmittelbar vor oder während eines Börsencrashs. Dieses Phänomen ist als „Sequence of Returns Risk“ (Risiko der Rendite-Reihenfolge) bekannt. Erleidet Ihr Depot in den ersten Jahren Ihres Ruhestands hohe Verluste und Sie sind gezwungen, zur Deckung Ihrer Lebenshaltungskosten Aktien zu verkaufen, erholt sich Ihr Kapital nur sehr schwer. Sie verkaufen zu Tiefstpreisen und dezimieren damit die Basis, die für zukünftiges Wachstum notwendig wäre.
Genau hier entfaltet eine Anleihenleiter ihre grösste Schutzwirkung. Sie fungiert als Puffer und Schutzschild für den Aktienteil Ihres Portfolios. Indem Sie Ihren Liquiditätsbedarf für die nächsten drei bis fünf Jahre in einer sicheren Anleihenleiter parkieren, schaffen Sie sich eine entscheidende Handlungsfreiheit. Fällt der Aktienmarkt, müssen Sie keine einzige Aktie verkaufen. Sie leben von den fällig werdenden Anleihen – den sicheren Liquiditäts-Sprossen Ihrer Leiter.
Das Szenario der Finanzkrise 2007-2010 ist ein perfektes Lehrstück. Ein Anleger, der 2007 kurz vor dem Einbruch des SMI mit seinen Entnahmen begann und kein solches Puffer hatte, musste seine Aktien mit massiven Verlusten verkaufen. Ein kluger Anleger mit einer 3-jährigen Anleihenleiter hingegen konnte die Krise aussitzen. Er deckte seine Ausgaben mit den Anleihen und gab dem Aktienteil seines Portfolios die nötige Zeit, sich zu erholen. Wenn die Zinssätze gestiegen sind, können Sie relativ schnell von höheren Renditen profitieren. Und wenn die Zinsen gefallen sind, haben Sie immer noch höher rentierende Anleihen in Ihrer Leiter. Dies kann helfen, die Auswirkungen der Marktvolatilität auf Ihr Portfolio zu glätten.
Die Anleihenleiter ist somit nicht nur ein Instrument zur Einkommensgenerierung, sondern ein strategisches Werkzeug zur Absicherung gegen das Timing-Risiko am Aktienmarkt – eines der grössten Risiken für Neurentner überhaupt.
Warum sind Dividenden in Seitwärtsphasen der wichtigste Renditebringer für Ihr Depot?
Während eine Anleihenleiter für berechenbare Kapitalrückzahlungen sorgt, spielen Dividenden eine andere, aber ebenso wichtige Rolle, insbesondere in Phasen, in denen die Aktienmärkte stagnieren (Seitwärtsphasen). In solchen Zeiten sind Kursgewinne rar. Die Gesamtrendite eines Aktieninvestments speist sich dann fast ausschliesslich aus den ausgeschütteten Dividenden. Für Schweizer Anleger sind die soliden Dividendenzahler aus dem SMI oft ein wichtiger Baustein der Ruhestandsplanung.
Doch wie verhalten sich die garantierten Zinskupons einer Anleihe im Vergleich zu den potenziellen, aber nicht garantierten Dividenden einer Aktie? Der fundamentale Unterschied liegt in der vertraglichen Verpflichtung. Der Coupon einer hochwertigen Anleihe ist eine rechtlich bindende Zusage des Schuldners. Eine Dividende ist hingegen eine freiwillige Gewinnbeteiligung, die der Unternehmensvorstand jederzeit kürzen oder streichen kann, was in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auch geschieht.
Andererseits bieten Dividenden einen potenziellen Inflationsschutz, den festverzinsliche Anleihen nicht haben. Erfolgreiche Unternehmen können ihre Preise an die Inflation anpassen und somit ihre Gewinne und potenziell auch ihre Ausschüttungen steigern. Die folgende Tabelle stellt die beiden Einkommensquellen gegenüber:
| Kriterium | Anleihen-Coupon | Dividenden |
|---|---|---|
| Vorhersehbarkeit | Vertraglich garantiert | Unternehmensentscheidung |
| Verrechnungssteuer | 35% (rückforderbar) | 35% (rückforderbar) |
| Ausfallrisiko | Sehr gering bei AAA-Rating | Abhängig vom Unternehmen |
| Inflationsschutz | Kein Schutz | Potenzielle Erhöhungen |
| Rendite 2025 | 0,3-3% je nach Laufzeit | 2-5% bei SMI-Unternehmen |
Für eine umfassende Ruhestandsstrategie sind beide Instrumente sinnvoll. Die Anleihenleiter bildet das sichere Fundament für die Deckung der Grundbedürfnisse, während ein diversifiziertes Portfolio aus Qualitätsaktien für die Dividenden und das langfristige Wachstumspotenzial sorgt, um die Inflation auszugleichen.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Anleihenleiter bietet Schweizer Rentnern mehr Flexibilität und Planbarkeit als ein Festgeldkonto.
- Der Fokus muss auf erstklassigen Emittenten (AAA/AA) liegen, um das Ausfallrisiko zu eliminieren (Bonitäts-Fundament).
- Die Verrechnungssteuer von 35% auf Zinsen ist durch korrekte Deklaration vollständig zurückforderbar.
Wie bestimmt Ihr Anlagehorizont die ideale Aktienquote für ein Schweizer Portfolio?
Die Anleihenleiter ist ein fundamentaler, aber nur ein Teil Ihrer gesamten Anlagestrategie. Die entscheidende Frage für den langfristigen Erfolg und den Erhalt der Kaufkraft ist: Wie viel Ihres Vermögens sollte in Aktien investiert sein? Die Antwort hängt direkt von Ihrem Anlagehorizont und Ihrer Risikotoleranz ab. Auch als Rentner haben Sie oft noch einen Anlagehorizont von 20 oder mehr Jahren. Diese Zeitspanne ist lang genug, um von den höheren erwarteten Renditen des Aktienmarktes zu profitieren und kurzfristige Schwankungen auszusitzen.
Eine gängige Faustregel für Ruheständler in der Schweiz ist eine Aktienquote zwischen 40% und 60%. Der Rest wird in sicherere Anlagen wie eben eine Anleihenleiter investiert. Die Anleihenleiter deckt dabei die Ausgaben der nächsten Jahre (z.B. 3-5 Jahre), während der Aktienteil langfristig für Wachstum und Inflationsschutz sorgt. Die erwarteten Renditen spiegeln diese Aufteilung wider: Während Experten für das Jahr 2025 davon ausgehen, dass die Renditezahlen für Schweizer Anleihen wahrscheinlich ungefähr den langfristigen Durchschnittswerten von etwa 2% entsprechen werden, liegt die erwartete langfristige Rendite von Aktien deutlich höher, wenn auch mit grösseren Schwankungen.
Die ideale Aktienquote ist eine individuelle Entscheidung, die auf folgenden Überlegungen basieren sollte:
- Deckung der Grundkosten: Stellen Sie sicher, dass Ihre garantieren Einkünfte (AHV, Pensionskasse) und der sichere Teil Ihres Portfolios (die Anleihenleiter) Ihre unverzichtbaren Lebenshaltungskosten vollständig abdecken.
- Risikotoleranz: Wie ruhig können Sie schlafen, wenn der Aktienmarkt um 20% fällt? Die Anleihenleiter dient hier als psychologischer Puffer, der es Ihnen erlaubt, auch in turbulenten Zeiten an Ihrer langfristigen Aktienstrategie festzuhalten.
- Wachstumsbedarf: Um die Inflation über Jahrzehnte auszugleichen, ist ein gewisser Anteil an wachstumsorientierten Anlagen wie Aktien unerlässlich. Eine reine Anleihenstrategie führt langfristig zu einem realen Kaufkraftverlust.
Ihre Anleihenleiter ist somit das Fundament, auf dem Sie es sich leisten können, mit einem wohldosierten Aktienteil am langfristigen Wirtschaftswachstum zu partizipieren und so Ihr Vermögen für die gesamte Dauer Ihres Ruhestands zu sichern.
Der Aufbau einer Anleihenleiter ist der erste Schritt zur Sicherung Ihres finanziellen Friedens im Ruhestand. Der nächste logische Schritt ist die Analyse, wie diese Struktur perfekt mit Ihren bestehenden Vermögenswerten aus AHV und Pensionskasse harmoniert. Beginnen Sie jetzt damit, eine umfassende Übersicht Ihrer Einnahmen und Ausgaben zu erstellen, um die Grösse Ihrer benötigten Anleihenleiter präzise zu bestimmen.
Häufig gestellte Fragen zur Verrechnungssteuer auf Anleihen
Wie hoch ist die Verrechnungssteuer auf Zinserträge?
Von 100% Zins überweist die Bank 65% an die Kontoinhaberinnen und –inhaber und 35% an die Eidgenössische Steuerverwaltung.
Wie erhalte ich die Verrechnungssteuer zurück?
Die Verrechnungssteuer erhalten Sie zurück, wenn Sie Ihre Vermögenserträge im Wertschriftenverzeichnis der Steuererklärung deklarieren. Ihr Kanton bezahlt Ihnen die Verrechnungssteuer zurück.
Welche Frist gilt für die Rückforderung?
Haben Sie im Jahr 2022 Zinsen erhalten, so läuft die Frist für die Rückforderung bis zum 31. Dezember 2025. Es gilt in der Regel eine Frist von drei Jahren nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Leistung fällig geworden ist.