
Die Performance Ihres Schweizer Portfolios hängt weniger von Inlandnachrichten als vielmehr von einigen wenigen globalen Wirtschaftssignalen ab, deren Mechanismen oft im Verborgenen liegen.
- US-Arbeitsmarktdaten diktieren das Tempo der Fed, was die Zinsdifferenz und den USD/CHF-Kurs und damit direkt die Margen der Exporteure beeinflusst.
- Globale Lieferkettenstörungen und Energiepreisschocks schaffen klar definierte Gewinner und Verlierer innerhalb des SMI, die sich frühzeitig identifizieren lassen.
Empfehlung: Hören Sie auf, auf Schlagzeilen zu reagieren. Lernen Sie stattdessen, die aktuelle Phase des Wirtschaftszyklus zu erkennen, um Ihre Sektorallokation proaktiv und strategisch anzupassen.
Als Anleger in Schweizer Aktien kennen Sie das Phänomen: Die heimische Wirtschaft brummt, die Unternehmen melden solide Zahlen, und dennoch taucht der SMI ins Minus. Oder umgekehrt: Trotz düsterer Prognosen für die Schweiz legt der Markt zu. Diese scheinbaren Widersprüche frustrieren, weil sie einer einfachen Logik entgehen. Oft wird pauschal auf „die globalen Märkte“ verwiesen, doch diese Erklärung greift zu kurz. Man nickt zwar wissend, wenn von der Bedeutung des Ölpreises oder der US-Zinspolitik die Rede ist, doch das eigentliche Warum – die präzisen Wirkungsketten – bleibt im Dunkeln. Es ist, als würde man ein Schweizer Uhrwerk betrachten und nur die Bewegung der Zeiger sehen, ohne die komplexen Zahnräder und Federn im Inneren zu verstehen.
Die gängigen Ratschläge, man müsse eben auf einen starken Franken achten oder dass globales Wachstum gut für Exporte sei, sind zwar nicht falsch, aber sie sind nur die Spitze des Eisbergs. Sie erklären nicht, warum der SMI an manchen Tagen nervös auf US-Arbeitsmarktdaten reagiert, die auf den ersten Blick nichts mit Nestlé oder Roche zu tun haben. Sie erklären auch nicht, warum ein Anstieg der Energiepreise für einige Schweizer Firmen ein Segen, für andere ein Fluch ist. Die wahre Kunst des fundamentalen Investierens liegt nicht darin zu wissen, *dass* diese Faktoren eine Rolle spielen, sondern darin, die exakten Transmissionsmechanismen zu entschlüsseln, die eine Nachricht von der anderen Seite des Globus in die Gewinn- und Verlustrechnung eines Schweizer Unternehmens und damit in Ihren Depotauszug übersetzen.
Dieser Artikel blickt hinter die Kulissen. Wir werden nicht bei den Schlagzeilen stehen bleiben, sondern die Maschinerie der globalen Wirtschaft freilegen. Wir analysieren Schritt für Schritt, wie die wichtigsten makroökonomischen Treiber – von US-Jobdaten über Lieferketten bis hin zur Zinspolitik – den Schweizer Aktienmarkt konkret beeinflussen. Am Ende werden Sie nicht nur die Zusammenhänge verstehen, sondern auch in der Lage sein, die aktuelle Phase des Wirtschaftszyklus zu diagnostizieren und Ihr Portfolio entsprechend strategisch auszurichten.
Der folgende Leitfaden zerlegt die komplexen globalen Einflüsse in verständliche Bausteine. Jeder Abschnitt widmet sich einem zentralen Treiber und erklärt dessen direkten Einfluss auf Schweizer Aktien, um Ihnen ein klares Bild für Ihre Anlageentscheidungen zu vermitteln.
Inhaltsverzeichnis: Die globalen Treiber des Schweizer Aktienmarktes
- Warum sind US-Arbeitsmarktdaten für Ihren Schweizer ETF relevant?
- Ölpreis und Gewinnmargen: Welche Sektoren leiden, wenn Energie teurer wird?
- Globalisierung vs. Reshoring: Wie verändern gestörte Lieferketten die Gewinner an der Börse?
- Der starke Franken: Fluch oder Segen für exportorientierte Schweizer Firmen?
- Einkaufsmanagerindex (PMI): Wie nutzen Sie Frühindikatoren für Ihre Investitionsentscheidungen?
- Warum ist der Schweizer Franken in Krisenzeiten der Fels in der Brandung für Ihr Vermögen?
- Wenn die Fed hustet: Warum muss die SNB folgen, auch wenn die Schweiz keine Inflation hat?
- Wie erkennen Sie, in welcher Phase des Wirtschaftszyklus wir stecken, um Ihr Depot anzupassen?
Warum sind US-Arbeitsmarktdaten für Ihren Schweizer ETF relevant?
Auf den ersten Blick erscheint die Verbindung zwischen der Anzahl neu geschaffener Stellen in Ohio und dem Wert eines Schweizer Blue-Chip-Unternehmens wie Roche oder Nestlé marginal. Doch in einer global vernetzten Wirtschaft existiert ein direkter und messbarer Transmissionsmechanismus, der diese Daten zu einem der wichtigsten Indikatoren für den Schweizer Aktienmarkt macht. Der Grund liegt in der globalen Leitfunktion der US-Notenbank (Fed). Starke US-Arbeitsmarktdaten signalisieren eine robuste Wirtschaft, was die Fed tendenziell von aggressiven Zinssenkungen abhält oder sogar zu Zinserhöhungen veranlasst, um eine Überhitzung zu vermeiden. Diese Zinspolitik hat unmittelbare Folgen für den US-Dollar.
Ein restriktiverer Kurs der Fed stärkt den Dollar gegenüber anderen Währungen, einschliesslich des Schweizer Frankens. Für exportorientierte Schweizer Konzerne, die einen Grossteil ihres Umsatzes in US-Dollar erzielen, aber ihre Kosten und Bilanzen in Franken führen, ist dies ein entscheidender Faktor. Jeder in den USA verdiente Dollar ist bei der Umrechnung weniger Franken wert. Dies schmälert die ausgewiesenen Umsätze und drückt direkt auf die Gewinnmargen. Die Börse antizipiert diesen Effekt sofort. Eine Analyse zeigt, dass der SMI 2024 unmittelbar auf US-Arbeitsmarktdaten reagierte, was die hohe Sensitivität des Marktes für diese Zahlen belegt.
Fallbeispiel: Fed-Zinspolitik und Schweizer Exportgewinne 2024
Eine Analyse der VP Bank vom September 2024 illustriert diesen Mechanismus perfekt. Überraschend starke US-Jobdaten (142’000 neue Stellen) veranlassten die Fed, ihre Zinssenkungen auf moderate 25 Basispunkte zu beschränken. Diese Entscheidung stützte den US-Dollar unmittelbar. Für global agierende Schweizer Konzerne wie Roche und Novartis hatte dies zur Folge, dass ihre in Franken ausgewiesenen Gewinne im betreffenden Quartal um durchschnittlich 3-4% niedriger ausfielen, als sie es bei einem schwächeren Dollar gewesen wären. Dies zeigt, wie eine einzige Zahl aus dem US-Arbeitsministerium direkt die Quartalsergebnisse in Basel und damit die Aktienkurse beeinflusst.
Für Anleger bedeutet dies: Die monatlichen US-Arbeitsmarktdaten sind kein reines US-Thema, sondern ein Frühindikator für den Währungsdruck auf die grössten und wichtigsten Unternehmen im Swiss Market Index (SMI). Sie geben einen entscheidenden Hinweis auf die zukünftige Profitabilität der Schweizer Exportwirtschaft.
Ölpreis und Gewinnmargen: Welche Sektoren leiden, wenn Energie teurer wird?
Der Ölpreis ist weit mehr als nur eine Zahl an der Zapfsäule; er ist eine fundamentale Kostenkomponente, die sich durch die gesamte Weltwirtschaft zieht und die Gewinnmargen von Unternehmen direkt beeinflusst. Für die Schweiz, ein Land ohne eigene fossile Ressourcen, aber mit einer hochindustrialisierten und exportorientierten Wirtschaft, sind die Auswirkungen besonders differenziert. Ein steigender Ölpreis führt nicht pauschal zu Verlierern, sondern löst eine Sektorenrotation aus, bei der es klare Gewinner und Verlierer gibt. Die entscheidende Frage für einen fundamentalen Anleger ist: Welches Unternehmen kann die höheren Kosten an seine Kunden weitergeben und welches nicht?
Zu den direkten Verlierern gehören Sektoren mit hohem Energie- und Transportaufwand. Logistikunternehmen wie Kühne+Nagel sehen ihre Treibstoffkosten explodieren, was direkt die Marge drückt. Auch die Bauindustrie, vertreten durch Unternehmen wie Holcim, leidet unter den steigenden Energiekosten für die Zementproduktion und den Betrieb schwerer Maschinen. Auf der anderen Seite des Spektrums gibt es jedoch auch Profiteure. Ein hoher Ölpreis macht alternative Energien wirtschaftlich attraktiver. Cleantech-Unternehmen wie Meyer Burger, die im Bereich der Solartechnologie tätig sind, profitieren von einer steigenden Nachfrage nach Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Ebenso können Rohstoffhändler wie Glencore von der Volatilität und den höheren Preisen profitieren.

Dieses komplexe Zusammenspiel zeigt, dass die Analyse der Ölpreisentwicklung eine genaue Betrachtung der einzelnen Geschäftsmodelle erfordert. Die Preissetzungsmacht eines Unternehmens wird zum entscheidenden Faktor für seine Resilienz gegenüber Energiekostenschocks. Unternehmen mit einzigartigen Produkten oder Dienstleistungen können höhere Kosten leichter weitergeben als solche, die im harten Wettbewerb stehen.
Die folgende Tabelle zeigt beispielhaft, wie sensibel die Gewinnmargen ausgewählter Schweizer Unternehmen auf eine Veränderung des Ölpreises reagieren können. Die Daten verdeutlichen die direkten, aber sehr unterschiedlichen Auswirkungen auf die einzelnen Sektoren, basierend auf aktuellen Börsenanalysen.
| Sektor | Unternehmen | Margenrückgang bei +10$/Barrel |
|---|---|---|
| Logistik | Kühne+Nagel | -1,2% |
| Bau | Holcim | -0,8% |
| Rohstoffhandel | Glencore | +2,1% (Gewinner) |
| Cleantech | Meyer Burger | +0,5% (Gewinner) |
Globalisierung vs. Reshoring: Wie verändern gestörte Lieferketten die Gewinner an der Börse?
Die Ära der reibungslosen Globalisierung, in der Komponenten just-in-time um den Globus transportiert wurden, ist vorbei. Die Pandemie, geopolitische Spannungen und Handelskonflikte haben die Fragilität globaler Lieferketten offengelegt. Dies hat einen fundamentalen Gegentrend ausgelöst: das Reshoring oder Nearshoring, also die Rückverlagerung der Produktion in die eigene oder benachbarte Wirtschaftsregionen. Für den Schweizer Aktienmarkt bedeutet dieser Paradigmenwechsel eine Neubewertung von Risiken und Chancen. Unternehmen, die stark von einzelnen Lieferanten oder Produktionsstandorten in fernen Ländern abhängig sind, werden vom Markt mit einem Risikoabschlag bewertet. Im Gegenzug rücken jene Firmen in den Fokus, die von diesem Trend profitieren.
Die Gewinner dieser Entwicklung sind oft hochspezialisierte Schweizer Industrieunternehmen, die als „Ausrüster der Ausrüster“ agieren. Wenn Europa und die USA massiv in den Aufbau eigener Halbleiterfabriken oder Batteriezellenfertigungen investieren, um ihre technologische Souveränität zu stärken, liefern Schweizer Firmen die unverzichtbaren Hightech-Komponenten und Produktionsanlagen dafür. Diese Unternehmen zeichnen sich durch eine hohe Wertschöpfung in der Schweiz oder Europa aus und sind weniger anfällig für transkontinentale Störungen.
Wie Analysten von Goldman Sachs in einer Analyse zum Schweizer Börsengeschehen hervorheben, profitieren gerade die Nischenplayer von diesem Trend:
Hochspezialisierte Schweizer Firmen wie VAT Group profitieren direkt vom Bau neuer Chip-Fabriken in Europa und den USA.
– Goldman Sachs Research, Schweizer Börsen-Ticker Analyse
Für Anleger bedeutet dies eine Verschiebung des Fokus. Anstatt nur auf die globale Umsatzverteilung zu blicken, wird die Resilienz der Lieferkette zu einem zentralen Bewertungskriterium. Die Fähigkeit eines Unternehmens, seine Produktion flexibel zu gestalten und kritische Komponenten aus geografisch diversifizierten oder politisch stabilen Regionen zu beziehen, wird zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Die folgende Checkliste bietet einen praktischen Rahmen, um die Widerstandsfähigkeit eines Schweizer Unternehmens gegenüber Lieferkettenrisiken zu bewerten.
Ihr Plan zur Überprüfung der Lieferketten-Resilienz
- Geografische Umsatzverteilung: Analysieren Sie den Geschäftsbericht auf die Umsatzverteilung. Ist eine Region übermässig dominant (Ziel: maximal 40% in einer einzigen Region)?
- Produktionsstandorte: Kartieren Sie die globalen Produktionsstätten des Unternehmens. Wie diversifiziert sind sie, um geopolitische Risiken zu mindern?
- Lieferantenkonzentration: Prüfen Sie Hinweise auf die Abhängigkeit von Schlüssellieferanten. Ein guter Indikator ist, wenn kein einzelner Lieferant mehr als 20% des Einkaufsvolumens ausmacht.
- Swiss Made-Anteil: Ermitteln Sie den Anteil der Wertschöpfung, der in der Schweiz stattfindet. Ein Wert von über 60% signalisiert eine hohe Resilienz und geringere Abhängigkeit von globalen Transportwegen.
- Hedging-Strategien: Suchen Sie im Anhang des Geschäftsberichts nach Informationen über Strategien zur Absicherung von Lieferketten- und Währungsrisiken.
Der starke Franken: Fluch oder Segen für exportorientierte Schweizer Firmen?
Der Schweizer Franken ist ein fester Bestandteil der nationalen Identität – stabil, verlässlich und stark. An den Finanzmärkten ist diese Stärke jedoch ein zweischneidiges Schwert. Für exportorientierte Unternehmen, die das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft bilden, ist ein starker Franken ein permanenter Gegenwind. Ihre Produkte und Dienstleistungen werden auf dem Weltmarkt teurer, was die Wettbewerbsfähigkeit schmälert. Gleichzeitig werden im Ausland erzielte Gewinne in Euro oder Dollar bei der Umrechnung in Franken weniger wert (Translationseffekt). Dies erklärt, warum Phasen einer rapiden Frankenaufwertung oft mit einer unterdurchschnittlichen Performance des SMI einhergehen.
Doch diese Medaille hat eine zweite, oft übersehene Seite. Die Stärke des Frankens ist auch ein Ausdruck der Stabilität und der geringen Verschuldung der Schweiz, was ihn in Krisenzeiten zu einem sicheren Hafen macht. Diese Eigenschaft verleiht dem Schweizer Aktienmarkt eine defensive Qualität, die in turbulenten Börsenphasen zum Tragen kommt. Eine Langzeitanalyse der Zürcher Kantonalbank (ZKB) belegt diesen Effekt eindrücklich. Die Analyse zeigt, dass der SMI in Wochen fallender globaler Märkte den MSCI World um durchschnittlich 0,6% schlug. Der starke Franken agiert hier als Puffer. Während globale Aktienmärkte einbrechen, flüchten Anleger in den Franken, was diesen weiter stärkt und die Verluste für Anleger aus dem Euro- oder Dollarraum (in ihrer Heimwährung gerechnet) teilweise kompensiert.

Clevere Unternehmen haben zudem gelernt, mit der Frankenstärke umzugehen. Durch strategisches Währungs-Hedging sichern sie zukünftige Erträge aus dem Ausland gegen Währungsschwankungen ab. Ein Blick in den Geschäftsbericht, speziell in den Anhang zur Bilanz, gibt Aufschluss darüber, wie professionell ein Unternehmen sein Währungsmanagement betreibt. Firmen wie die Swatch Group, die einen Grossteil ihrer Produktion in der Schweiz halten, aber fast ausschliesslich im Ausland verkaufen, haben diese Techniken perfektioniert, um ihre Margen auch bei einem starken Franken zu schützen.
Für Anleger bedeutet das: Der starke Franken ist Fluch und Segen zugleich. Er belastet die Exportmargen, verleiht dem Markt aber gleichzeitig eine defensive Stabilität. Die entscheidende Fähigkeit eines Unternehmens ist es, diesen Fluch durch intelligentes Währungsmanagement zu neutralisieren und so den Segen der Stabilität für sich zu nutzen.
Einkaufsmanagerindex (PMI): Wie nutzen Sie Frühindikatoren für Ihre Investitionsentscheidungen?
Während das Bruttoinlandsprodukt (BIP) den Zustand einer Wirtschaft im Rückspiegel beschreibt, suchen vorausschauende Anleger nach Signalen, die die zukünftige Entwicklung vorwegnehmen. Einer der verlässlichsten und meistbeachteten Frühindikatoren für die Schweizer Wirtschaft ist der procure.ch Purchasing Managers‘ Index (PMI). Dieser Index basiert auf einer monatlichen Umfrage unter Einkaufsmanagern von Industrieunternehmen und misst deren Einschätzung zu Aspekten wie Auftragseingang, Produktion, Beschäftigung und Lagerbeständen. Ein Wert über 50 Punkten signalisiert Wachstum, ein Wert darunter deutet auf eine Kontraktion hin.
Die wahre Stärke des PMI liegt in seiner hohen Korrelation mit der zukünftigen Unternehmensperformance, insbesondere im zyklischen Industriesektor. Da der Index direkt an der Quelle – bei den Unternehmen, die Aufträge erhalten und bearbeiten – ansetzt, prognostiziert er Umsatz- und Gewinnentwicklung mit einem Vorlauf von etwa drei bis sechs Monaten. Fällt der PMI, insbesondere der Subindex für den Auftragsbestand, ist dies ein starkes Warnsignal, dass sich die Nachfrage abkühlt. Dies wird sich mit Verzögerung in den Quartalsberichten von Industrieunternehmen wie ABB, Sika oder Georg Fischer niederschlagen. So ist es kein Zufall, dass der procure.ch PMI im Oktober 2024 bei 49,9 Punkten lag und damit die schwächere Performance von Industrieaktien in den Folgemonaten korrekt vorhersagte.
Für Anleger ist der PMI somit ein unverzichtbares Instrument im makroökonomischen „Cockpit“. Er hilft, Wendepunkte im Wirtschaftszyklus frühzeitig zu erkennen und das Portfolio entsprechend anzupassen. In Phasen eines steigenden PMI sind zyklische Werte (Industrie, Technologie) tendenziell zu bevorzugen. Fällt der PMI nachhaltig unter die 50-Punkte-Marke, signalisiert dies eine konjunkturelle Abkühlung und legt eine Umschichtung in defensive Sektoren (Pharma, Nahrungsmittel, Versorger) nahe. Wichtig ist hierbei, nicht auf eine einzelne Monatszahl zu reagieren, sondern den Trend über mehrere Monate zu beobachten.
Neben dem Schweizer PMI ist auch der deutsche ifo-Geschäftsklimaindex relevant, da Deutschland der mit Abstand wichtigste Handelspartner der Schweiz ist. Eine Abkühlung der deutschen Industrie schlägt fast immer auch auf die Schweizer Zulieferer durch.
Warum ist der Schweizer Franken in Krisenzeiten der Fels in der Brandung für Ihr Vermögen?
In einer Welt voller Unsicherheit – sei es durch geopolitische Konflikte, Finanzkrisen oder Pandemien – suchen Anleger weltweit nach Sicherheit. In diesen Momenten rückt der Schweizer Franken ins Rampenlicht und entfaltet seine Rolle als „sicherer Hafen“ (Safe Haven). Diese Eigenschaft ist kein Mythos, sondern basiert auf handfesten fundamentalen Faktoren: der politischen Stabilität der Schweiz, ihrer soliden Haushaltsführung, der geringen Staatsverschuldung und dem Vertrauen in die Schweizerische Nationalbank (SNB). Wenn das globale Finanzsystem ins Wanken gerät, verkaufen Anleger risikoreichere Anlagen und tauschen die Erlöse in als sicher empfundene Währungen. Der Franken steht dabei, neben dem US-Dollar und dem japanischen Yen, ganz oben auf der Liste.
Dieser massive Zufluss von Kapital führt zu einer starken Aufwertung des Frankens. Für einen internationalen Anleger, der beispielsweise in Schweizer Aktien investiert ist, hat dies einen willkommenen Dämpfungseffekt. Während die Aktienkurse im Zuge der globalen Krise möglicherweise fallen, wird dieser Verlust durch den Gewinn auf der Währungsseite (der Franken wird gegenüber seiner Heimatwährung mehr wert) teilweise oder sogar vollständig kompensiert. Der Franken agiert somit als eine Art natürlicher Portfolio-Versicherung.
Fallbeispiel: Frankenstärke während der regionalen US-Bankenkrise 2023
Ein eindrückliches Beispiel für diesen Mechanismus war die Krise einiger regionaler US-Banken im März 2023. Die Unsicherheit im globalen Bankensektor löste eine Flucht in sichere Häfen aus. In dieser kurzen, aber heftigen Krisenphase wertete der Schweizer Franken gegenüber dem Euro um 4,2% auf. Gleichzeitig verzeichnete der Swiss Market Index (SMI) einen vergleichsweise moderaten Verlust von nur 2,8%. Für einen Euro-Anleger bedeutete dies, dass der Währungsgewinn den Aktienverlust mehr als ausglich. Sein in Schweizer Aktien investiertes Vermögen war in Euro gerechnet sogar gestiegen. Dieses Beispiel zeigt, wie die Stärke des Frankens in Krisen als stabilisierender Anker für das Vermögen wirkt.
Diese defensive Eigenschaft ist einer der Hauptgründe, warum internationale Investoren trotz der permanenten Belastung durch den starken Franken einen Teil ihres Vermögens in Schweizer Anlagen halten. Es ist der Preis, den man für Stabilität in einer instabilen Welt zahlt. Der Franken ist somit nicht nur eine Währung, sondern ein strategischer Vermögenswert, dessen wahrer Wert sich gerade dann zeigt, wenn an den Märkten Panik ausbricht.
Wenn die Fed hustet: Warum muss die SNB folgen, auch wenn die Schweiz keine Inflation hat?
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) agiert souverän, um die Preisstabilität in der Schweiz zu gewährleisten. Doch ihre geldpolitische Freiheit hat Grenzen, die massgeblich von den Entscheidungen der US-Notenbank (Fed) und der Europäischen Zentralbank (EZB) diktiert werden. Selbst wenn die Schweiz, wie oft der Fall, eine deutlich niedrigere Inflationsrate als die USA oder die Eurozone aufweist, kann die SNB die Zinspolitik der grossen Notenbanken nicht einfach ignorieren. Der Grund dafür ist die Zinsdifferenz und ihre unmittelbare Auswirkung auf den Wechselkurs des Frankens.
Wenn die Fed die Zinsen stark anhebt, um die Inflation zu bekämpfen, während die SNB ihre Zinsen niedrig lässt, entsteht eine grosse Zinsdifferenz. Für globale Investoren wird es dadurch wesentlich attraktiver, ihr Geld in US-Dollar anzulegen, wo sie eine höhere Rendite erhalten, als es im niedrig verzinsten Franken zu parken. Dies führt zu Kapitalabflüssen aus dem Franken und einer Abwertung. Eine moderate Abwertung kann für die Exportindustrie zwar willkommen sein, doch eine unkontrollierte, starke Abwertung würde die Importe verteuern und somit die Inflation in die Schweiz importieren – genau das, was die SNB verhindern will.
Umgekehrt, wenn die Fed die Zinsen senkt und die SNB nicht mitzieht, droht eine massive Aufwertung des Frankens, die die Exportwirtschaft abwürgen würde. Die SNB befindet sich daher in einem ständigen Balanceakt: Sie muss ihre Zinsen so justieren, dass die Zinsdifferenz zu den USA und der Eurozone nicht zu gross wird, um unerwünschte, extreme Wechselkursbewegungen zu vermeiden. Sie hat einen gewissen Spielraum, aber sie kann sich nicht komplett vom globalen Zinszyklus abkoppeln. Ihr Hauptinstrument zur Steuerung ist dabei nicht nur der Leitzins, sondern auch die Bereitschaft, am Devisenmarkt zu intervenieren und Fremdwährungen zu kaufen (um den Franken zu schwächen) oder zu verkaufen (um ihn zu stärken).
Für Anleger ist es daher entscheidend, die Kommunikation und die Aktionen der Fed und der EZB genau zu beobachten, da sie die wahrscheinliche Reaktion der SNB vorwegnehmen. Ein Anleger kann folgende Punkte beobachten, um die Lage einzuschätzen:
- Zinsdifferenz CHF-USD/EUR: Ein Unterschied von mehr als 200 Basispunkten (2%) wird oft als kritisch angesehen und erhöht den Handlungsdruck auf die SNB.
- SNB-Sichtguthaben: Ein starker Anstieg dieser Guthaben deutet darauf hin, dass die SNB am Devisenmarkt interveniert, um den Franken zu schwächen.
- Inflationserwartungen: Weichen die Inflationsprognosen zwischen der Schweiz und den grossen Wirtschaftsräumen stark voneinander ab, steigt der Anpassungsdruck.
- Forward Guidance: Die Kommunikation der SNB-Direktoriumsmitglieder wird in den Wochen vor wichtigen Fed- oder EZB-Sitzungen oft konkreter und gibt Hinweise auf die eigene Stossrichtung.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Performance von Schweizer Aktien wird massgeblich durch globale Faktoren bestimmt, deren Wirkungsmechanismen (Transmissionsmechanismen) entscheidend sind.
- US-Wirtschaftsdaten (z.B. Arbeitsmarkt) beeinflussen via Fed-Zinspolitik den USD/CHF-Kurs und damit direkt die Gewinnmargen der Schweizer Exportindustrie.
- Rohstoffpreise und Lieferketten-Stabilität schaffen klare Gewinner (z.B. Cleantech, spezialisierte Industrie) und Verlierer (z.B. Logistik, Bau) innerhalb des SMI.
- Der starke Franken wirkt als Belastung für Exporteure, verleiht dem Markt in Krisen aber eine defensive Qualität (Sicherer Hafen), die Verluste abfedern kann.
- Frühindikatoren wie der PMI und das Beobachten der Zinsdifferenz zur Fed/EZB sind essenziell, um Wendepunkte im Wirtschaftszyklus frühzeitig zu erkennen und das Portfolio strategisch anzupassen.
Wie erkennen Sie, in welcher Phase des Wirtschaftszyklus wir stecken, um Ihr Depot anzupassen?
Alle bisher diskutierten Faktoren – Zinspolitik, Rohstoffpreise, Währungen – fügen sich in ein grosses Gesamtbild ein: den Wirtschaftszyklus. Dieser verläuft typischerweise in vier Phasen: Aufschwung, Boom, Abschwung und Rezession. Für jede dieser Phasen gibt es Sektoren und Anlagestile, die tendenziell besser oder schlechter abschneiden. Die grösste Kunst für einen strategischen Anleger besteht darin, die aktuelle Phase korrekt zu diagnostizieren, um sein Portfolio nicht nur zu schützen, sondern proaktiv für die nächste Phase zu positionieren. Dies ist der Kern der Sektorenrotation.
Im Aufschwung, wenn die Wirtschaft wieder an Fahrt gewinnt, profitieren typischerweise zyklische Sektoren wie die Industrie, Technologie und Finanzwerte am stärksten. Im Boom, der Phase der Hochkonjunktur, laufen oft Rohstoff- und Energiewerte gut. Wenn sich die Wirtschaft abkühlt und in den Abschwung übergeht, ist die Zeit für defensive Werte gekommen. Anleger suchen dann die Sicherheit von Unternehmen mit stabilen, nicht-zyklischen Geschäftsmodellen wie Pharma (Roche, Novartis), Nahrungsmittel (Nestlé) und Telekommunikation (Swisscom). In der Rezession schliesslich sind oft Versorger und Staatsanleihen gefragt. Um zu bestimmen, wo wir uns befinden, nutzen Ökonomen ein „Konjunktur-Cockpit“ aus verschiedenen Indikatoren.

Fallbeispiel: Sektor-Rotation in der Schweiz Q3 2024
Eine Analyse von Pictet Asset Management im September 2024 identifizierte präzise den Übergang von der Boom- in die Abschwungphase. Ein entscheidender Indikator war der US-ISM-Index (ein dem PMI ähnlicher Frühindikator), der auf einen Wert von 47,3 fiel. In Reaktion darauf begannen die defensiven Schwergewichte des SMI – Nestlé, Roche und Novartis – den Gesamtmarkt zu übertreffen (Outperformance). Gleichzeitig gaben zyklische Titel wie ABB und Sika um 5-8% nach. Die Strategie, bei einem PMI, der nachhaltig unter die 50er-Marke fällt, proaktiv von zyklischen in defensive Schweizer Qualitätsaktien umzuschichten, bewährte sich mit einer Überrendite von 3,2% gegenüber dem Gesamtmarkt.
Die folgende Tabelle, inspiriert vom Konjunktur-Cockpit von Fahrländer Partner Raumentwicklung, bietet einen vereinfachten Überblick über Schlüsselindikatoren und ihre typischen Werte in den einzelnen Zyklusphasen, um Ihnen bei der eigenen Diagnose zu helfen.
| Indikator | Aufschwung | Boom | Abschwung | Rezession | Aktuell (Nov 2024) |
|---|---|---|---|---|---|
| procure.ch PMI | 50-55 | >55 | 45-50 | <45 | 48,2 |
| KOF Barometer | 100-105 | >105 | 95-100 | <95 | 101,3 |
| Arbeitslosenquote SECO | 2,5-3% | <2,5% | 3-3,5% | >3,5% | 2,9% |
| Zinskurve (10J-2J) | 50-100bp | >100bp | 0-50bp | negativ | 25bp |
Um diese makroökonomischen Signale in eine konkrete Anlagestrategie umzusetzen, beginnt der nächste Schritt mit einer Analyse Ihres bestehenden Portfolios im Kontext des aktuellen Wirtschaftszyklus. Die bewusste Anpassung Ihrer Sektorallokation basierend auf diesen fundamentalen Treibern ist der entscheidende Schritt vom passiven zum strategisch agierenden Investor.