
Die in Hochglanzprospekten ausgewiesene Bruttorendite ist für eine seriöse Investitionsentscheidung irrelevant; die wahre Profitabilität eines Renditeobjekts zeigt sich erst nach der schonungslosen Analyse aller Betriebskosten, Finanzierungsauflagen und steuerlichen Fallstricke.
- Die Nettorendite wird systematisch durch nicht umlegbare Kosten um 20-35 % gedrückt.
- Die Tragbarkeit, nicht die Belehnung, ist meist das K.o.-Kriterium bei der Bankenfinanzierung.
Empfehlung: Behandeln Sie jede potenzielle Akquisition wie ein Finanzinstrument. Modellieren Sie den Cashflow über 10 Jahre, inklusive aller Kosten und Rückstellungen, bevor Sie ein Kaufangebot unterbreiten.
Als Investor in Schweizer Renditeimmobilien kennen Sie die verlockenden Zahlen in den Verkaufsdossiers: Bruttorenditen von 4 %, 5 % oder mehr werden prominent beworben. Doch diese Zahl ist im besten Fall eine Einladung zur Diskussion, im schlimmsten Fall eine bewusste Irreführung. Der erfahrene Anleger weiss, dass der Erfolg einer Direktinvestition in ein Mehrfamilienhaus nicht auf dem Bruttoertrag fusst, sondern auf der präzisen Kalkulation dessen, was nach Abzug aller, wirklich aller, Kostenfaktoren übrig bleibt: der tatsächlichen Nettorendite.
Die landläufige Meinung konzentriert sich oft auf die offensichtlichen Abzüge wie Hypothekarzinsen und Unterhalt. Doch dieser Ansatz ist gefährlich unvollständig. Die wahre Herausforderung liegt in der Quantifizierung der „unsichtbaren“ Kosten – von kantonal unterschiedlichen Liegenschaftssteuern über Verwaltungsgebühren bis hin zu Rückstellungen für Sanierungszyklen, die erst in 10 oder 15 Jahren fällig werden. Ein Renditeobjekt ist kein statisches Gut, sondern ein dynamisches System, dessen Cashflow von Marktschwankungen, regulatorischen Änderungen und der demografischen Entwicklung am Standort beeinflusst wird.
Dieser Leitfaden bricht mit der oberflächlichen Betrachtung. Unser Angle Directeur ist klar: Wir analysieren das Mehrfamilienhaus nicht als Immobilie, sondern als Finanzinstrument. Die entscheidende Frage ist nicht „Wie hoch ist die Rendite?“, sondern „Wie robust ist das Cashflow-Modell gegenüber den realen Risiken des Schweizer Marktes?“. Wir tauchen tief in die Kostenstruktur ein, beleuchten die entscheidenden Hürden bei der Bankenfinanzierung und zeigen auf, wie Sie durch strategisches Management von Unterhalt und Renovationen Ihre Steuerlast aktiv optimieren können.
Dieser Artikel führt Sie strukturiert durch die entscheidenden Analyseebenen, um von einer geschönten Bruttoangabe zur belastbaren Nettorendite zu gelangen. Wir decken die Fallstricke auf, die in den meisten Standardrechnern fehlen, und geben Ihnen die Werkzeuge an die Hand, um eine fundierte, datengestützte Investitionsentscheidung zu treffen.
Inhaltsverzeichnis: Die Berechnung der wahren Nettorendite eines Mehrfamilienhauses
- Warum steigert eine Hypothek Ihre Eigenkapitalrendite bei Renditeobjekten massiv?
- Brutto- vs. Nettorendite: Wie Sie sich nicht von Makler-Prospekten blenden lassen
- Einfamilienhaus vermieten oder Mehrfamilienhaus kaufen: Wo ist das Risiko-Rendite-Verhältnis besser?
- Das Leerstandsrisiko in ländlichen Regionen: Wenn die Rendite plötzlich null ist
- Steuerliche Abzugsfähigkeit von Renovationen: Wie Sie mit dem Umbau Steuern sparen
- Belehnung vs. Tragbarkeit: Welches Kriterium bricht Ihrem Projekt meistens das Genick?
- Liegenschaftsunterhalt: Wann lohnt es sich, Belege zu sammeln statt die Pauschale zu nehmen?
- Wie überzeugen Sie die Bank von der Finanzierung Ihres Renditeobjekts trotz strenger Tragbarkeitsregeln?
Warum steigert eine Hypothek Ihre Eigenkapitalrendite bei Renditeobjekten massiv?
Der erste Schritt zur Analyse eines Renditeobjekts aus der Perspektive eines Finanzinstruments ist das Verständnis des Leverage-Effekts, auch Hebelwirkung genannt. Für den anspruchsvollen Investor ist dies das mächtigste Werkzeug zur Maximierung des eingesetzten Kapitals. Einfach ausgedrückt: Solange die Gesamtrendite der Immobilie höher ist als der Zinssatz für das Fremdkapital (die Hypothek), steigert jeder Franken Fremdkapital die Rendite auf Ihr Eigenkapital.
Stellen Sie sich ein Mehrfamilienhaus im Wert von 2 Millionen Franken vor, das eine Nettorendite von 3.5 % (70’000 Franken pro Jahr) erwirtschaftet. Würden Sie es vollständig mit Eigenkapital kaufen, betrüge Ihre Eigenkapitalrendite exakt diese 3.5 %. Nehmen wir nun an, Sie finanzieren 70 % (1.4 Mio. Franken) mit einer Hypothek zu 2 % Zinsen. Ihre jährlichen Zinskosten belaufen sich auf 28’000 Franken. Ihr eingesetztes Eigenkapital beträgt nur noch 600’000 Franken. Der Nettoertrag nach Zinsen ist 70’000 – 28’000 = 42’000 Franken. Ihre Eigenkapitalrendite springt auf (42’000 / 600’000) * 100 = 7.0 %.
Sie haben Ihre Rendite verdoppelt, indem Sie das Geld der Bank für sich arbeiten liessen. Dies ist der Kern des professionellen Immobilieninvestments. Die Hebelwirkung ist der Grund, warum Investoren nicht das Ziel haben, ihre Immobilien schuldenfrei zu halten. Das gebundene Kapital könnte in anderen gehebelten Objekten eine weitaus höhere Rendite erzielen. Der Hebel ist jedoch ein zweischneidiges Schwert: Steigen die Zinsen über die Nettorendite der Liegenschaft, verkehrt sich der Effekt und Ihr Eigenkapital erleidet überproportionale Verluste. Eine genaue Cashflow-Modellierung mit verschiedenen Zinsszenarien ist daher unerlässlich.
Brutto- vs. Nettorendite: Wie Sie sich nicht von Makler-Prospekten blenden lassen
Die Bruttorendite, berechnet als Jahresmietertrag geteilt durch den Kaufpreis, ist eine reine Marketingkennzahl. Sie ignoriert die Realität der Betriebskosten und ist für eine seriöse Analyse wertlos. Die Nettorendite ist die einzige Zahl, die zählt. Sie ergibt sich erst nach Abzug aller nicht auf die Mieter umlegbaren Kosten vom Bruttoertrag. Und genau hier lauern die teuersten Kostenfallen, die in Standardkalkulationen oft unterschätzt werden.
Zu diesen nicht umlegbaren Kosten gehören insbesondere die Ausgaben für den Liegenschaftsunterhalt, Reparaturen, Versicherungsprämien (Gebäudeversicherung, Haftpflicht), die Kosten für die Verwaltung und allfällige kantonale Liegenschaftssteuern. Als Faustregel gilt, dass diese Positionen einen erheblichen Teil der Mieteinnahmen aufzehren. Eine Analyse von Schweizer Renditeobjekten zeigt, dass die laufenden, nicht umlegbaren Kosten schnell 20 % bis 35 % der Bruttomieteinnahmen ausmachen können. Eine scheinbar attraktive Bruttorendite von 4.5 % kann sich so schnell in eine reale Nettorendite von unter 3 % verwandeln.

Der grösste Fehler von unerfahrenen Investoren ist die unzureichende Budgetierung von Rückstellungen für Grossrenovationen. Eine neue Heizung (alle 15-20 Jahre), eine Fassadensanierung (alle 25-30 Jahre) oder eine Dachsanierung (alle 40-50 Jahre) können massive Kosten verursachen, die den Cashflow eines ganzen Jahres oder mehr vernichten, wenn keine langfristigen Rücklagen gebildet wurden. Ein professionelles Finanzierungsmodell rechnet mit einer jährlichen Rückstellung von 0.8 % bis 1.5 % des Gebäudewerts.
Ihre Checkliste: Die 5 grössten versteckten Kostenfallen aufdecken
- Verwaltungshonorare prüfen: Fordern Sie den bestehenden Verwaltungsvertrag an. Liegt das Honorar im marktüblichen Rahmen von 4-5 % der Nettomieteinnahmen in der Schweiz oder gibt es teure Zusatzklauseln?
- Unterhaltshistorie analysieren: Verlangen Sie die Belege und Abrechnungen der letzten 5 Jahre. Identifizieren Sie wiederkehrende Reparaturen, die auf einen strukturellen Mangel hindeuten könnten.
- Kantonale Steuern quantifizieren: Klären Sie ab, ob im Standortkanton eine Liegenschaftssteuer anfällt und wie hoch diese ist. Diese variiert erheblich und ist ein direkter Abzug von Ihrer Rendite.
- Versicherungspolicen durchleuchten: Prüfen Sie die aktuellen Versicherungspolicen (Gebäude-, Wasser-, Haftpflicht). Sind die Deckungssummen adäquat? Gibt es Ausschlüsse, die ein unkalkulierbares Risiko darstellen?
- Sanierungsstau bewerten: Ziehen Sie einen Bausachverständigen bei, um den Zustand von Dach, Fassade, Heizung und Leitungen zu bewerten. Planen Sie die geschätzten Kosten in Ihr 10-Jahres-Finanzmodell ein.
Einfamilienhaus vermieten oder Mehrfamilienhaus kaufen: Wo ist das Risiko-Rendite-Verhältnis besser?
Für Investoren, die den Schritt in die Direktinvestition wagen, stellt sich oft die Frage nach der richtigen Asset-Klasse: Soll man in ein einzelnes, vermietetes Einfamilienhaus (EFH) investieren oder direkt in ein Mehrfamilienhaus (MFH)? Aus einer reinen Risiko-Rendite-Perspektive ist die Antwort für den professionellen Anleger eindeutig: Das Mehrfamilienhaus bietet in der Regel das überlegene Profil.
Der Hauptgrund liegt im Klumpenrisiko. Bei einem Einfamilienhaus bedeutet der Auszug des einzigen Mieters einen sofortigen Mietausfall von 100 %. Beim Mehrfamilienhaus mit beispielsweise acht Parteien führt der Auszug eines Mieters nur zu einem Ausfall von 12.5 %. Die Diversifikation auf mehrere Mietverträge glättet den Cashflow und macht ihn weitaus berechenbarer. Dieses reduzierte Risiko wird von Banken bei der Finanzierungsprüfung positiv bewertet.
Zudem sind die Skaleneffekte bei der Verwaltung und im Unterhalt eines MFH deutlich besser. Die Kosten für eine Dachreparatur, die Heizungswartung oder die Gartenpflege verteilen sich auf mehrere Einheiten, was die Kosten pro Einheit senkt. Ein einzelnes EFH hat hingegen oft einen emotionalen Wert für Mieter (Familien, die länger bleiben), aber die erzielbaren Mietrenditen bleiben systematisch hinter denen von MFH zurück, da der Kaufpreis oft nicht in einem rein rationalen Verhältnis zum Mietpotenzial steht.
Die folgende Gegenüberstellung fasst die wesentlichen Unterschiede aus Investorensicht zusammen, basierend auf einer vergleichenden Marktanalyse für die Schweiz.
| Kriterium | Einfamilienhaus | Mehrfamilienhaus |
|---|---|---|
| Typische Rendite | 2-3% | 4-6% |
| Mieterstruktur | Familien (längere Mietdauer) | Singles/Paare (höhere Fluktuation) |
| Leerstandsrisiko | 100% bei Auszug | Teilweise Kompensation möglich |
| Verwaltungsaufwand | Gering | Höher, aber effizienter |
| Finanzierung | Oft als Eigenheim bewertet | Reine Renditebetrachtung |
Das Leerstandsrisiko in ländlichen Regionen: Wenn die Rendite plötzlich null ist
Eine präzise Nettorendite-Berechnung ist nur so gut wie ihre Annahmen bezüglich der Mieteinnahmen. Die kritischste Annahme ist dabei die Leerstandsquote. Während Makler oft mit einer optimistischen Quote von 1-2 % rechnen, ist die Realität in der Schweiz stark von der Mikro- und Makrolage abhängig. Ein Investment in einer ländlichen Region mit Abwanderungstendenzen kann eine ansonsten solide Kalkulation zunichtemachen.
Die offizielle Leerwohnungsziffer des Bundesamtes für Statistik (BFS) ist hier ein unverzichtbares Werkzeug. Sie offenbart dramatische kantonale Unterschiede, die das Risiko verdeutlichen. Während in urbanen Zentren mit hoher Nachfrage praktisch Vollvermietung herrscht, kämpfen periphere Regionen mit strukturellem Leerstand. So wiesen gemäss den aktuellsten Zahlen des BFS die Kantone Jura mit 3.03% und Solothurn mit 2.05% die höchsten Leerwohnungsziffern aus, während Genf (0.34 %) und Zug (0.42 %) einen klaren Wohnungsmangel verzeichneten.
Für einen Investor bedeutet eine Leerstandsquote von 3 %, dass im Durchschnitt eine von 33 Wohnungen während eines ganzen Jahres leer steht. Dies reduziert nicht nur direkt den Mietertrag, sondern verursacht auch zusätzliche Kosten für Inserate, Besichtigungen und allfällige Instandsetzungen beim Mieterwechsel. Noch wichtiger ist die wirtschaftliche Abhängigkeit der Region. Ein Standort, der stark von einem einzigen grossen Arbeitgeber abhängig ist, birgt ein enormes Konzentrationsrisiko. Schliesst dieses Unternehmen seine Tore, kann die lokale Nachfrage einbrechen und die Leerstandsquote explodieren lassen.
Eine seriöse Standortanalyse geht daher weit über die aktuelle Vermietungssituation des Objekts hinaus. Sie analysiert die demografische Entwicklung, die Arbeitsmarktdaten und die geplanten Infrastrukturprojekte der Gemeinde. Nur so kann das Leerstandsrisiko, die grösste Variable in der Renditegleichung, realistisch eingeschätzt werden.
Steuerliche Abzugsfähigkeit von Renovationen: Wie Sie mit dem Umbau Steuern sparen
Ein weiterer entscheidender Hebel zur Optimierung der tatsächlichen Nettorendite ist das strategische Management von Renovations- und Unterhaltskosten. Die Schweizer Steuergesetzgebung bietet hier erhebliche Möglichkeiten, die Rendite nach Steuern zu maximieren. Der Schlüssel liegt in der sauberen Unterscheidung zwischen werterhaltenden und wertvermehrenden Investitionen.
Werterhaltende Massnahmen sind alle Arbeiten, die den bisherigen Zustand einer Liegenschaft wiederherstellen oder bestehende Teile ersetzen. Dazu gehören beispielsweise der Ersatz einer alten Heizung durch ein gleichwertiges neues Modell, das Streichen der Fassade oder die Reparatur des Daches. Diese Kosten sind im Jahr ihrer Entstehung vollumfänglich vom steuerbaren Einkommen abzugsfähig. Für einen Investor in einer hohen Steuerprogression bedeutet dies, dass der Staat effektiv einen erheblichen Teil der Kosten mitträgt.

Wertvermehrende Investitionen hingegen schaffen etwas Neues, das vorher nicht existierte, oder ersetzen ein altes Bauteil durch ein deutlich besseres (z.B. der Anbau eines Balkons, der Ausbau des Dachstocks oder eine umfassende energetische Sanierung). Diese Kosten sind nicht direkt vom Einkommen abzugsfähig. Sie können jedoch dem Anschaffungswert der Immobilie zugeschlagen werden und reduzieren so den steuerbaren Grundstückgewinn bei einem späteren Verkauf. Die korrekte Deklaration ist entscheidend und die kantonalen Praktiken, wie etwa die detaillierte „GIRO-Praxis“ im Kanton Zürich, können sich unterscheiden.
Ein kluger Investor plant grössere, werterhaltende Sanierungen strategisch. Anstatt die Kosten über mehrere Jahre zu verteilen, kann es sinnvoll sein, sie in einem Steuerjahr zu bündeln, in dem das übrige Einkommen hoch ist. Dies maximiert den Progressionseffekt und die Steuerersparnis.
Belehnung vs. Tragbarkeit: Welches Kriterium bricht Ihrem Projekt meistens das Genick?
Zwei Begriffe dominieren jede Finanzierungsanfrage bei einer Schweizer Bank: Belehnung und Tragbarkeit. Während viele Investoren sich auf die Belehnungsgrenze – also den maximalen Anteil Fremdkapital am Kaufpreis – konzentrieren, ist es in der Praxis fast immer die Tragbarkeit, die ein vielversprechendes Renditeprojekt zu Fall bringt.
Die Belehnung ist eine einfache Grösse: Für Renditeobjekte verlangen Banken in der Regel mindestens 25 % Eigenkapital, die maximale Belehnung liegt also bei 75 % des von der Bank geschätzten Verkehrswertes (der oft unter dem Kaufpreis liegt). Diese Hürde ist für vermögende Investoren meist überwindbar.
Die Tragbarkeit ist die weitaus komplexere und strengere Prüfung. Die Bank rechnet hierfür nicht mit dem realen Hypothekarzins, sondern mit einem kalkulatorischen Zinssatz von typischerweise 4.5 % bis 5.0 %. Zu diesen fiktiven Zinskosten addiert sie eine Pauschale für Amortisation (ca. 1 % des Kreditbetrags) und für die Nebenkosten/Unterhalt (ca. 1 % des Liegenschaftswertes). Die Summe dieser kalkulatorischen Kosten darf einen bestimmten Prozentsatz der Nettomieteinnahmen nicht überschreiten (oft 85-95 %).
Ein Beispiel: Bei einem Kaufpreis von 2 Mio. Franken und einer Hypothek von 1.5 Mio. Franken rechnet die Bank mit Zinskosten von 1.5 Mio. * 5 % = 75’000 Fr. Dazu kommen 1 % Amortisation (15’000 Fr.) und 1 % Nebenkosten (20’000 Fr.), was zu kalkulatorischen Gesamtkosten von 110’000 Fr. führt. Um die Tragbarkeit zu erfüllen, müsste die Liegenschaft Nettomieteinnahmen von mindestens 115’000 – 122’000 Fr. generieren. Das entspricht einer Nettorendite von über 5.7 %, was in der heutigen Marktlage bei vielen Objekten unrealistisch ist. Hier scheitern die meisten Finanzierungsanfragen.
Es gibt jedoch strategische Hebel, um die Tragbarkeit zu verbessern:
- Erhöhung des Eigenkapitals: Mehr Eigenmittel senken den Kreditbedarf und damit die kalkulatorischen Zinskosten. Ein Vorbezug von Geldern aus der 2. oder 3. Säule kann eine Option sein, muss aber steuerlich genau geprüft werden.
- Einbezug eines zweiten Kreditnehmers: Das Einkommen eines Partners oder Mitinvestors kann die finanzielle Basis stärken.
- Optimierung der Mieterträge: Objekte mit nachweislich hohem Mietpotenzial oder bereits indexierten Mietverträgen verbessern die Einnahmenseite der Kalkulation.
- Aufteilung in mehrere Hypothekentranchen: Eine Mischung aus Festhypotheken und SARON-Hypotheken kann von einigen Banken in der Risikobewertung honoriert werden.
Liegenschaftsunterhalt: Wann lohnt es sich, Belege zu sammeln statt die Pauschale zu nehmen?
Bei der jährlichen Steuererklärung stehen Eigentümer von Renditeliegenschaften vor einer strategischen Entscheidung: Sollen sie die von den meisten Kantonen angebotene Pauschale für Unterhaltskosten geltend machen oder die effektiven Kosten anhand von Belegen nachweisen? Diese Entscheidung hat einen direkten Einfluss auf die Rendite nach Steuern und sollte nicht leichtfertig getroffen werden.
Die Pauschale bietet den Vorteil der Einfachheit. Sie beträgt je nach Kanton und Alter der Liegenschaft typischerweise 10 % bis 20 % der Nettomieteinnahmen oder des Steuerwertes. In Jahren, in denen nur geringe Unterhaltsarbeiten anfallen, ist die Pauschale fast immer die finanziell vorteilhaftere Option, da sie den maximal möglichen Abzug ohne Nachweispflicht darstellt.
Das Sammeln von Belegen wird dann zur Pflicht, wenn die tatsächlichen werterhaltenden Kosten die Pauschale übersteigen. Dies ist typischerweise in Jahren der Fall, in denen grössere Sanierungsprojekte durchgeführt werden, wie der Ersatz von Fenstern, eine Strangsanierung oder die Erneuerung der Küchen und Bäder. Hier kann der effektive Abzug ein Vielfaches der Pauschale betragen und die Steuerlast signifikant senken. Die folgende Tabelle zeigt eine Übersicht der Praktiken in ausgewählten Kantonen, basierend auf einer Analyse der steuerlichen Abzugsmöglichkeiten.
| Kanton | Pauschale (Alter < 10 Jahre) | Pauschale (Alter > 10 Jahre) | Wann lohnen sich Belege? |
|---|---|---|---|
| Zürich | 10% des Mietertrags | 20% des Mietertrags | Bei Renovationen > 25% des Jahresmietertrags |
| Bern | 10% des Steuerwerts | 20% des Steuerwerts | Bei grösseren Einzelprojekten |
| Basel | 10% des Mietertrags | 15-20% des Mietertrags | Bei Komplettsanierungen |
Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der strategischen Mehrjahresplanung. Ein versierter Investor bündelt grössere, planbare Unterhaltsarbeiten bewusst in einem einzigen Steuerjahr. In den Jahren dazwischen, in denen nur laufende Kleinreparaturen anfallen, wird konsequent die Pauschale genutzt. Diese periodische Konzentration der Kosten maximiert die Steuerersparnis über den gesamten Haltezeitraum der Immobilie. Es ist ein aktives Managementinstrument, kein passiver administrativer Akt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die wahre Rendite zeigt sich erst nach Abzug aller nicht umlegbaren Kosten (Verwaltung, Unterhalt, Steuern), die oft 20-35 % der Bruttomiete ausmachen.
- Die Tragbarkeitsprüfung der Bank mit einem kalkulatorischen Zinssatz von ca. 5 % ist die höchste Hürde bei der Finanzierung, nicht die Eigenkapitalanforderung.
- Eine strategische Planung von Renovationen (werterhaltend vs. wertvermehrend) und die gezielte Bündelung von Kosten sind entscheidende Hebel zur Steueroptimierung.
Wie überzeugen Sie die Bank von der Finanzierung Ihres Renditeobjekts trotz strenger Tragbarkeitsregeln?
Die strengen Tragbarkeitsregeln und die verschärften Eigenkapitalvorschriften unter Basel III machen die Finanzierung von Renditeobjekten in der Schweiz zunehmend anspruchsvoll. Banken müssen heute laut Regulierung deutlich mehr Eigenkapital hinterlegen, wenn die Belehnung über 60 Prozent liegt, was Kredite verteuert. Umso wichtiger ist es, die Bank nicht nur als Geldgeber, sondern als kritischen Geschäftspartner zu betrachten, den es mit einem wasserdichten Businessplan zu überzeugen gilt. Ein oberflächliches Dossier hat keine Chance.
Ihr Finanzierungsdossier ist Ihr Pitch. Es muss beweisen, dass Sie das Objekt nicht nur als Immobilie, sondern als nachhaltig profitables Unternehmen verstehen. Ein professionelles Dossier geht weit über die Standardunterlagen hinaus. Es antizipiert die kritischen Fragen des Kreditkomitees und liefert proaktiv die Antworten. Es zeigt, dass Sie Ihre Hausaufgaben gemacht haben und alle Risiken – insbesondere Zinsänderungs- und Leerstandsrisiken – im Griff haben.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Tiefe der Analyse. Statt einfacher Renditeberechnungen präsentieren Sie eine detaillierte Cash-Flow-Projektion über 10 Jahre. Diese Projektion muss eine Sensitivitätsanalyse beinhalten: Wie entwickelt sich der Cashflow, wenn die Zinsen um 1 % oder 2 % steigen? Was passiert bei einem Leerstand von 5 % statt 2 %? Diese Szenarien beweisen, dass Sie das Risiko quantifiziert haben und über die nötigen liquiden Reserven verfügen, um auch schwierige Phasen zu überstehen. Ein Nachweis über liquide Mittel für mindestens sechs Monate Betriebskosten und Zinsen ist oft ein starkes Argument.
Plan zur Auditierung Ihres Finanzierungsdossiers
- Standortanalyse prüfen: Haben Sie alle relevanten Daten zur Makro- (kantonale Entwicklung) und Mikrolage (Quartier, Anbindung) zusammengetragen und von einer unabhängigen Quelle wie Wüest Partner oder IAZI validieren lassen?
- Cashflow-Modell auditieren: Ist Ihr Excel-Modell vollständig? Beinhaltet es alle Kosten (auch nicht-jährliche Rückstellungen), realistische Mietsteigerungen und eine Sensitivitätsanalyse für Zins- und Leerstandsänderungen?
- Persönlichen Leistungsausweis dokumentieren: Haben Sie eine saubere Übersicht Ihrer bisherigen Investitionserfolge erstellt? Zeigen Sie auf, dass Sie Erfahrung in der Verwaltung und Optimierung von Immobilien haben.
- Objektzustand bewerten: Liegt ein aktuelles, professionelles Bewertungsgutachten eines zertifizierten Schätzers vor? Ist der Sanierungsbedarf klar beziffert und im Businessplan eingepreist?
- Vollständigkeit der Dokumente sicherstellen: Sind alle erforderlichen Unterlagen (Grundbuchauszug, Mietverträge, Gebäudeversicherungsnachweis, Steuererklärungen etc.) lückenlos und professionell aufbereitet?
Häufige Fragen zur Berechnung der Nettorendite
Was gilt als werterhaltende Investition?
Als werterhaltende Investitionen gelten Massnahmen, die den bestehenden Zustand wiederherstellen. Dazu zählen zum Beispiel ein neuer Fassadenanstrich, der Ersatz der Heizung durch eine technologisch gleichwertige Anlage oder die Reparatur des Daches. Diese Kosten sind in der Regel im Jahr der Ausführung vollständig vom steuerbaren Einkommen abzugsfähig.
Was zählt zu wertvermehrenden Investitionen?
Wertvermehrende Investitionen schaffen einen Mehrwert, der vorher nicht vorhanden war. Beispiele sind der Anbau eines Balkons, eine umfassende energetische Gesamtsanierung nach Minergie-Standard oder der Ausbau eines Dachgeschosses zu Wohnraum. Diese Kosten sind nicht direkt vom Einkommen abzugsfähig, können aber bei einem späteren Verkauf der Immobilie bei der Grundstückgewinnsteuer angerechnet werden.
Wie unterscheiden sich die kantonalen Praktiken bei den Abzügen?
Die Abgrenzung zwischen werterhaltend und wertvermehrend sowie die Höhe der zulässigen Pauschalabzüge können von Kanton zu Kanton erheblich variieren. Der Kanton Zürich beispielsweise wendet die sogenannte „GIRO-Praxis“ an, die detaillierte Kataloge und Aufteilungsregeln für kombinierte Investitionen (z.B. Ersatz einer alten Küche durch eine Luxusküche) vorsieht. Es ist unerlässlich, sich vor einer grösseren Investition über die spezifischen Regeln am Standort der Liegenschaft zu informieren.