Veröffentlicht am März 15, 2024

Die optimale Portfolio-Architektur für Schweizer Anleger ignoriert veraltete Faustregeln und basiert stattdessen auf einer tiefen Analyse der strukturellen Eigenheiten des Schweizer Marktes, dynamischer Korrelationen und steuerlicher Vorteile.

  • Das Struktur-Risiko des SMI, dominiert von Pharma und Nahrungsmitteln, erfordert eine bewusste globale Diversifikation und Sektorkontrolle.
  • Steuerliche Besonderheiten, wie die Mehrwertsteuerbefreiung für Anlagegold, sind nicht nur ein Bonus, sondern eine aktive Quelle für „Steuer-Alpha“.

Empfehlung: Bauen Sie Ihr Portfolio auf einem Fundament aus Risikotoleranz, einem Verständnis für Korrelations-Regime in Krisen und diszipliniertem, steueroptimiertem Rebalancing auf, anstatt statischen Formeln zu folgen.

Die Suche nach der perfekten Portfolio-Allokation gleicht für viele Anleger einer Quadratur des Kreises. Man jongliert mit Aktien, Obligationen und vielleicht etwas Immobilien oder Gold, oft geleitet von althergebrachten Weisheiten. Die meisten Finanzratgeber beginnen und enden mit der berühmten 60/40-Regel oder simplen Formeln wie „100 minus Lebensalter“ für den Aktienanteil. Diese Ansätze sind zwar einfach, aber sie ignorieren die tiefgreifenden Veränderungen an den Finanzmärkten und vor allem die einzigartigen strukturellen Gegebenheiten des Schweizer Marktes.

Für einen anspruchsvollen Anleger, der sein Vermögen professionalisieren will, sind solche pauschalen Ratschläge unzureichend. Die wahre Herausforderung liegt nicht darin, eine Formel anzuwenden, sondern eine robuste Architektur zu entwerfen, die den spezifischen Risiken und Chancen in der Schweiz standhält. Haben Sie sich je gefragt, warum traditionelle Diversifikation in der Krise oft versagt oder wie der „Home Bias“ Ihr Depot unbemerkt einem Klumpenrisiko aussetzt? Die Antwort liegt in den Details, die oft übersehen werden: Korrelations-Regime, Sektorkonzentration und steuerliche Ineffizienzen.

Doch was, wenn die Lösung nicht darin besteht, eine neue magische Formel zu finden, sondern die Prinzipien hinter einer widerstandsfähigen Allokation zu meistern? Dieser Artikel bricht mit den konventionellen Ratschlägen. Wir werden nicht einfach nur Anlageklassen auflisten, sondern die Mechanik dahinter entschlüsseln. Anstatt Ihnen eine fertige Allokation vorzugeben, geben wir Ihnen die strategischen Werkzeuge an die Hand, um Ihre eigene, massgeschneiderte und zukunftssichere Portfolio-Struktur zu entwickeln, die weit über den Standard hinausgeht.

Dieser Leitfaden führt Sie durch die entscheidenden strategischen Überlegungen für den Aufbau eines professionellen Portfolios in der Schweiz. Wir analysieren, welche Anlageklassen wirklich schützen, wenn es darauf ankommt, und wie Sie eine Allokation finden, die Ihrer persönlichen Situation gerecht wird.

Gehört Gold oder Private Equity in ein modernes Schweizer Portfolio zur Diversifikation?

Die klassische 60/40-Allokation wird zunehmend in Frage gestellt, was Anleger dazu veranlasst, alternative Anlageklassen wie Gold und Private Equity in Betracht zu ziehen. Doch ihre Rolle in einem Schweizer Portfolio ist differenziert zu betrachten. Gold wird traditionell als „sicherer Hafen“ angesehen, aber seine wahre Stärke im Schweizer Kontext liegt in seiner steuerlichen Behandlung. In der Schweiz ist der Kauf von Anlagegold von der Mehrwertsteuer befreit. Noch bedeutender ist, dass Gewinne aus dem Verkauf von physischem Gold, das im Privatvermögen gehalten wird, vollständig steuerfrei sind. Dies schafft ein erhebliches „Steuer-Alpha“, das in anderen Ländern undenkbar ist.

Fallstudie: Der massive Steuervorteil bei Gold in der Schweiz

Ein Vergleich verdeutlicht die aussergewöhnliche Stellung der Schweiz: Während französische Anleger beim Verkauf von Gold mit einer Kapitalertragssteuer von bis zu 36,2% konfrontiert sein können, geniessen Schweizer Privatanleger eine komplette Steuerfreiheit auf ihre Gewinne. Laut einer Analyse von kaufengold.ch ist genau diese attraktive Regelung ein Hauptgrund, warum viele ausländische Investoren ihr Gold gezielt in Schweizer Zollfreilagern deponieren, wo zusätzlich die Vermögenssteuer entfällt.

Private Equity (PE) hingegen bietet Zugang zu nicht-börsenkotierten Unternehmen und damit potenziell hohe Renditen, die gering mit den öffentlichen Märkten korrelieren. Für qualifizierte Anleger kann PE ein potenter Renditetreiber sein. Allerdings sind die Hürden hoch: hohe Mindestinvestitionen, lange Bindefristen und komplexe Strukturen. Für die meisten Privatanleger sind kotierte Private-Equity-Gesellschaften oder spezialisierte Fonds der einzig gangbare Weg. Die Entscheidung zwischen Gold und PE ist somit keine Entweder-oder-Frage, sondern eine Frage der strategischen Zielsetzung: Gold zur Vermögenssicherung und Steueroptimierung, Private Equity als langfristiger Rendite-Booster für risikofähige Portfolios.

Die „100 minus Lebensalter“-Regel: Ist diese Faustformel heute noch gültig?

Die Regel „100 minus Lebensalter ergibt den Aktienanteil“ ist eine der bekanntesten Faustformeln der Finanzwelt. Ein 40-Jähriger sollte demnach 60% in Aktien investieren. Doch diese simple Formel ist aus mehreren Gründen fundamental veraltet, insbesondere im Kontext der heutigen demografischen Realität in der Schweiz. Der Kern des Problems liegt in der drastisch gestiegenen Lebenserwartung. Die Regel stammt aus einer Zeit, in der die Menschen nach der Pensionierung nur noch wenige Jahre zu leben hatten. Heute ist die Situation eine völlig andere.

Die aktuellsten Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen, dass die Lebenserwartung bei 86 Jahren für Frauen und 82,5 Jahren für Männer liegt. Ein heute 65-jähriger Mann hat eine verbleibende Lebenserwartung von über 20 Jahren – fast doppelt so lang wie noch 1948, als die AHV eingeführt wurde. Eine zu konservative Allokation im Alter, wie sie die Faustformel suggeriert (z.B. nur 30% Aktien mit 70), birgt ein erhebliches Inflations- und Langlebigkeitsrisiko. Das Kapital muss viel länger ausreichen und dabei die Kaufkraft erhalten, was mit einem hohen Anteil an niedrig verzinsten Obligationen kaum möglich ist.

Die folgende Tabelle aus einer Analyse der NZZ verdeutlicht, wie sich der Anlagehorizont nach der Pensionierung dramatisch verlängert hat und warum ein starrer, altersbasierter De-Risking-Ansatz nicht mehr zeitgemäss ist.

Entwicklung der verbleibenden Lebenserwartung bei Rentenalter 65
Jahr Rentenalter Verbleibende Lebenserwartung Männer Verbleibende Lebenserwartung Frauen
1948 65 Jahre 12 Jahre 14 Jahre
2000 65 Jahre 17 Jahre 21 Jahre
2024 65 Jahre 20,3 Jahre 22,8 Jahre

Anstatt einer starren Formel erfordert die moderne Portfolio-Strukturierung einen dynamischeren Ansatz, der neben dem Alter auch den individuellen Anlagehorizont, die Risikofähigkeit (finanzielle Polster) und vor allem die Struktur der passiven Einkünfte (AHV, Pensionskasse) berücksichtigt. Für viele Pensionäre ist eine moderate Aktienquote von 40-50% auch nach 70 noch sinnvoll, um das Kapital langfristig zu erhalten.

Wenn alles fällt: Welche Anlageklassen korrelieren im Crash wirklich negativ zu Aktien?

In Börsenkrisen zeigt sich die wahre Qualität eines Portfolios. Viele Anleger glauben, durch die Beimischung verschiedener Aktien oder Sektoren ausreichend diversifiziert zu sein. Doch in einem echten Crash tendieren die Korrelationen fast aller Risikoanlagen gegen eins – das heisst, alles fällt gleichzeitig. Die Suche nach Anlageklassen mit echter negativer Korrelation ist daher entscheidend für die Stabilität. Historisch galten Staatsanleihen höchster Bonität als primärer Stabilisator. Fielen die Aktien, flüchteten Anleger in sichere Anleihen, deren Kurse stiegen. Doch dieses Korrelations-Regime ist nicht mehr in Stein gemeisselt.

Die jahrelange Null- und Negativzinspolitik hat die Schutzfunktion von Obligationen geschwächt. Wie die Schweizerische Nationalbank in einer Analyse festhielt, wurde diese traditionelle Rolle in der jüngeren Vergangenheit beeinträchtigt.

Die traditionelle Schutzfunktion von CHF-Obligationen wurde während der Corona-Krise 2020 durch die SNB-Politik beeinträchtigt.

– Schweizerische Nationalbank, Analyse der Geldpolitik während der Pandemie

Welche Alternativen bleiben? Der Schweizer Franken (CHF) selbst agiert als eine der verlässlichsten „Safe Haven“-Anlagen. Internationale Investoren strömen in Krisenzeiten in den Franken, was ihn gegenüber anderen Währungen aufwertet und Verluste bei ausländischen Anlagen abfedert. Für einen in CHF denkenden Anleger ist dieser Effekt zwar weniger direkt, aber die zugrundeliegende Stabilität des Währungsraums ist ein fundamentaler Schutz.

Schweizer Franken als sicherer Hafen in globalen Finanzkrisen

Darüber hinaus hat Gold seine Fähigkeit, in Phasen extremer Marktangst negativ zu Aktien zu korrelieren, wiederholt unter Beweis gestellt. Während seine Performance in normalen Marktphasen oft unauffällig ist, glänzt es, wenn das Vertrauen in das Finanzsystem schwindet. Eine strategische Allokation in physisches Gold und das Halten einer ausreichenden Cash-Quote in CHF sind daher keine Relikte, sondern essenzielle Bausteine einer krisenfesten Portfolio-Architektur in der Schweiz.

Home Bias und Sektorwetten: Warum Sie nicht mehr als 5% in eine einzelne Branche stecken sollten

Schweizer Anleger neigen zu einem ausgeprägten „Home Bias“ – einer übermässigen Konzentration auf den heimischen Aktienmarkt. Dies ist emotional verständlich, birgt aber ein erheblicches, oft unterschätztes Risiko: das Struktur-Risiko des Swiss Market Index (SMI). Der SMI ist alles andere als ein breit diversifizierter Marktindex. Er wird von wenigen gigantischen Unternehmen dominiert, die zudem aus sehr ähnlichen Sektoren stammen. Dieses Klumpenrisiko ist eine der grössten Gefahren für unausgewogene Schweizer Depots.

Aktuelle Marktdaten bestätigen diese Konzentration eindrücklich. Wie Analysen von ETF-Anbietern zeigen, machen die Sektoren Pharma und Nahrungsmittel oft weit über 50% des SMI aus. Ein Anleger, der einfach einen SMI-ETF kauft, tätigt unwissentlich eine massive Sektorwette auf die globale Gesundheit und den Konsumgütermarkt. Sollten diese Sektoren global unter Druck geraten, etwa durch neue Regulierungen oder veränderte Konsumtrends, leidet das gesamte Portfolio überproportional. Eine echte Diversifikation ist so nicht gegeben.

Fallstudie: Das unsichtbare Klumpenrisiko im typischen Schweizer Depot

Eine Analyse der NZZ hat das Problem des „Home Bias“ konkretisiert. Viele Schweizer Privatportfolios weisen eine massive Übergewichtung in den drei Giganten Nestlé, Novartis und Roche auf. Diese drei Titel allein können schnell über 40% eines typischen Schweizer Portfolios ausmachen. Ein solches Depot ist den spezifischen Risiken dieser Unternehmen und ihrer Branchen (Gesundheitswesen, Konsumgüter) extrem ausgesetzt. Ein negativer regulatorischer Entscheid im Pharmabereich oder eine Krise im Nahrungsmittelsektor würde ein solches Portfolio hart treffen.

Die strategische Antwort darauf ist eine disziplinierte globale Diversifikation und die Implementierung von Obergrenzen für Sektoren. Eine bewährte Regel für professionelle Portfolios ist, nicht mehr als 5% des Gesamtvermögens in eine einzelne Aktie und nicht mehr als 20-25% in einen einzelnen Sektor zu investieren. Für Schweizer Anleger bedeutet dies, den SMI-Anteil bewusst durch global gestreute ETFs (z.B. auf den MSCI World oder spezifische Regionen wie die USA oder Europa) zu ergänzen, um das Pharma- und Nahrungsmittel-Übergewicht zu neutralisieren und eine robustere, widerstandsfähigere Allokation zu schaffen.

Antizyklisch handeln: Wann müssen Sie Gewinner verkaufen, um die Ursprungsallokation wiederherzustellen?

Eine strategische Asset Allocation zu definieren ist nur der erste Schritt. Die weitaus grössere Herausforderung ist, diese Allokation über die Zeit beizubehalten. Marktschwankungen führen unweigerlich dazu, dass sich die Gewichtungen verschieben. Steigen die Aktienmärkte stark, wächst ihr Anteil am Portfolio, und das Risiko nimmt unbemerkt zu. Diszipliniertes Rebalancing – also das Verkaufen von Gewinnern und das Nachkaufen von Verlierern, um die ursprüngliche Zielallokation wiederherzustellen – ist der Kern des antizyklischen Handelns. Es zwingt Anleger, teuer zu verkaufen und günstig zu kaufen, und eliminiert die Emotionen aus den Anlageentscheidungen.

Die Frage ist nicht ob, sondern wann und wie man Rebalancing durchführt. Es gibt zwei Hauptansätze: zeitbasiert (z.B. jährlich) oder schwellenbasiert (z.B. wenn eine Anlageklasse um mehr als 5% von ihrem Zielgewicht abweicht). Der schwellenbasierte Ansatz ist oft effizienter, da er nur dann Transaktionen auslöst, wenn es wirklich nötig ist. In der Schweiz kommen dabei steuerliche Aspekte ins Spiel. Da Kapitalgewinne im Privatvermögen steuerfrei sind, ist das Realisieren von Gewinnen an sich unproblematisch. Allerdings unterliegen Transaktionen der eidgenössischen Stempelsteuer, was bei zu häufigem Umschichten die Rendite schmälern kann. Ein durchdachter Rebalancing-Prozess ist daher essenziell.

Die Nutzung steuerbefreiter Gefässe wie der Säule 3a kann für das Rebalancing strategisch genutzt werden. Umschichtungen innerhalb eines 3a-Vorsorgefonds sind von der Stempelsteuer und der Einkommenssteuer befreit, was sie zu einem idealen Instrument für kosteneffiziente Anpassungen macht. So kann beispielsweise ein überproportional gewachsener Aktienanteil im Gesamtdepot durch den Verkauf von Aktienfonds im freien Vermögen und den gleichzeitigen Kauf in einem 3a-Obligationenfonds ausgeglichen werden.

Ihr Plan für steueroptimiertes Rebalancing in der Schweiz

  1. Schwellen definieren: Legen Sie feste prozentuale Abweichungsgrenzen für jede Anlageklasse fest (z.B. +/- 5% vom Zielgewicht), bei denen ein Rebalancing ausgelöst wird.
  2. Steuergefässe nutzen: Führen Sie Umschichtungen wann immer möglich innerhalb steuerprivilegierter Konten wie der Säule 3a durch, um Stempel- und Einkommenssteuern zu vermeiden.
  3. Gewinne realisieren: Nutzen Sie die Steuerfreiheit auf Kapitalgewinne im Privatvermögen, um hochgelaufene Positionen zu reduzieren und die Zielallokation wiederherzustellen.
  4. Transaktionskosten minimieren: Vermeiden Sie übermässig häufiges Handeln. Bündeln Sie Transaktionen und bevorzugen Sie schwellenbasiertes gegenüber rein zeitbasiertem Rebalancing, um die Stempelsteuer zu optimieren.
  5. Prozess automatisieren: Richten Sie Daueraufträge für den Kauf von untergewichteten Anlagen ein oder nutzen Sie Robo-Advisors, die ein automatisches Rebalancing anbieten, um emotionale Entscheidungen zu eliminieren.

Warum schützen Obligationen Ihr Portfolio, wenn die Aktienmärkte um 20% einbrechen?

Die schützende Funktion von Obligationen (Anleihen) in einem Portfolio ist einer der Grundpfeiler der modernen Portfoliotheorie. Ihre Hauptaufgabe ist nicht die Erzielung hoher Renditen, sondern die Reduzierung der Volatilität des Gesamtportfolios. Dies gelingt durch ihre historisch niedrige oder negative Korrelation zu Aktien. Wenn Aktienmärkte in Panik geraten und die Kurse fallen, suchen Anleger Sicherheit. Sie verkaufen risikoreiche Aktien und kaufen hochwertige Obligationen, insbesondere Staatsanleihen. Diese erhöhte Nachfrage treibt die Kurse der Obligationen nach oben. Der Gewinn im Obligationenteil des Portfolios kann so die Verluste im Aktienteil teilweise oder vollständig kompensieren, was das Gesamtdepot stabilisiert.

Dieser Mechanismus funktioniert am besten mit Obligationen höchster Bonität, wie z.B. Anleihen der Schweizerischen Eidgenossenschaft („Eidgenossen“). In der Schweiz gibt es jedoch eine besonders interessante Alternative: Schweizer Pfandbriefe. Diese werden von zwei zentralen Instituten (Pfandbriefbank schweizerischer Hypothekarinstitute und Pfandbriefzentrale der schweizerischen Kantonalbanken) ausgegeben und sind durch hochwertige Hypothekarforderungen gedeckt. Sie geniessen einen exzellenten Ruf und eine Bonität, die der von Staatsanleihen ebenbürtig ist, bieten aber in der Regel eine etwas höhere Rendite. Sie bilden einen soliden „Pfandbrief-Anker“ im Portfolio.

Diese Abbildung visualisiert die Stabilität und Sicherheit, die hochwertige Anleihen wie Pfandbriefe einem Portfolio verleihen können.

Schweizer Pfandbriefe als Stabilitätsanker im Portfolio

Auch wenn die Negativzinsphase die Attraktivität von Obligationen temporär geschmälert hat, bleibt ihre diversifizierende Rolle intakt, solange sie von hoher Qualität sind. In einem Umfeld steigender Zinsen werden sie auch aus Renditesicht wieder interessanter. Für einen Anleger ist der Obligationenanteil die „Versicherungsprämie“, die er zahlt, um sein Vermögen vor den schlimmsten Marktturbulenzen zu schützen. Ohne diesen Stabilitätsanker ist ein Portfolio den Launen des Aktienmarktes schutzlos ausgeliefert.

Warum bewegen sich Immobilienfonds oft anders als der SMI und glätten Ihr Depot?

Schweizer Immobilien gelten als Inbegriff von Stabilität und sind ein fester Bestandteil vieler Vermögen. Für Anleger, die nicht direkt in ein Objekt investieren wollen oder können, bieten Immobilienfonds eine liquide und diversifizierte Alternative. Ihre grosse Stärke liegt in der geringen Korrelation zum Schweizer Aktienmarkt (SMI). Während der SMI stark von globalen Wirtschaftszyklen und dem Schicksal einiger weniger multinationaler Konzerne abhängt, wird der Wert von Schweizer Immobilien primär von lokalen Faktoren wie Zinsniveau, Zuwanderung, Mietmarktentwicklung und Baugesetzen bestimmt. Diese Entkopplung sorgt für eine willkommene Glättung im Portfolio.

Fällt der Aktienmarkt, bleiben die Mieteinnahmen der Immobilien im Fonds oft stabil, was den Wert des Fonds stützt. Historische Daten zeigen, dass kotierte Schweizer Immobilienfonds eine Korrelation zum SMI von nur etwa 0.4-0.6 aufweisen. Bei nicht-kotierten Fonds ist diese sogar noch geringer. Diese geringe Korrelation macht sie zu einem exzellenten Diversifikator. Die Rendite von Immobilienfonds setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: den regelmässigen Ausschüttungen aus den Mieteinnahmen, die oft bei 3-4% jährlich liegen, und der langfristigen Wertsteigerung der Liegenschaften.

Allerdings ist Fonds nicht gleich Fonds. Für Anleger ist es entscheidend, den Unterschied zwischen kotierten und nicht-kotierten Fonds zu verstehen, da sie sich in Volatilität und Liquidität stark unterscheiden, wie die folgende Gegenüberstellung zeigt.

Vergleich von kotierten und nicht-kotierten Schweizer Immobilienfonds
Merkmal Kotierte Fonds Nicht-kotierte Fonds
Bewertung Täglich (Börse) Jährlich
Volatilität Hoch Niedrig
Liquidität Hoch Eingeschränkt
Korrelation zum SMI 0.4-0.6 0.1-0.3
Steuerliche Behandlung Verrechnungssteuer Verrechnungssteuer

Kotierte Fonds werden wie Aktien an der Börse gehandelt und unterliegen daher kurzfristig höheren Schwankungen, sind aber jederzeit liquidierbar. Nicht-kotierte Fonds werden nur selten bewertet, was ihre Volatilität künstlich niedrig erscheinen lässt, doch der Verkauf von Anteilen kann schwierig und langwierig sein. Für die meisten Privatanleger sind kotierte Fonds aufgrund ihrer Transparenz und Liquidität die praktischere Wahl, um das Portfolio mit der stabilisierenden Wirkung von Schweizer Immobilien zu ergänzen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Überwinden Sie den Home Bias: Die Konzentration des SMI auf Pharma/Nahrungsmittel ist ein Risiko. Globale Diversifikation ist kein Kür, sondern Pflicht.
  • Denken Sie in Korrelations-Regimen: In Krisen verändern sich Korrelationen. Echte Sicherheiten wie CHF-Cash und physisches Gold sind unerlässlich.
  • Nutzen Sie Steuer-Alpha: Die steuerliche Behandlung von Anlagen (z.B. steuerfreie Goldgewinne, Säule 3a) ist in der Schweiz ein aktiver Renditefaktor.

Wie finden Sie das perfekte Mischverhältnis von Aktien und Obligationen für Ihre Risikotoleranz?

Die Bestimmung der optimalen Allokation zwischen Aktien und Obligationen ist die fundamentalste Entscheidung beim Portfolioaufbau. Sie hängt nicht von einer universellen Formel ab, sondern von drei zutiefst persönlichen Faktoren: Risikofähigkeit, Risikobereitschaft und Anlagehorizont. Die Risikofähigkeit ist objektiv: Wie viel Verlust können Sie finanziell verkraften, ohne Ihren Lebensstandard zu gefährden? Die Risikobereitschaft ist subjektiv: Wie viel Verlust können Sie emotional aushalten, ohne in Panik zu geraten und zur falschen Zeit zu verkaufen? Der Anlagehorizont bestimmt, wie viel Zeit Sie haben, um allfällige Verluste wieder aufzuholen.

Als Referenzpunkt kann die durchschnittliche Allokation der Schweizer Pensionskassen dienen. Diese professionellen und sehr langfristig orientierten Investoren halten gemäss der aktuellen Pensionskassenstatistik 2024 im Schnitt rund 35% Aktien, 30% Obligationen, 20% Immobilien und 15% alternative Anlagen. Dies zeigt, dass selbst für sehr sicherheitsorientierte, langfristige Portfolios ein signifikanter Aktienanteil als Renditemotor unerlässlich ist.

Für Privatanleger können Modellportfolios als Ausgangspunkt dienen, die auf typische Lebenssituationen zugeschnitten sind und dann individuell angepasst werden müssen.

Modellportfolios für typische Schweizer Lebenssituationen

Eine Analyse von liebefinanzen.ch schlägt folgende Startpunkte vor: Für junge Berufstätige (25-35 Jahre) mit langem Horizont eignet sich eine aggressive Allokation von 80% Aktien, 10% Obligationen und 10% Alternativen. Eine Familie mit Eigenheim (35-50 Jahre), deren Risikofähigkeit durch Hypothekarverpflichtungen reduziert ist, könnte mit 60% Aktien, 25% Obligationen und 15% Immobilienfonds gut beraten sein. Anleger im Vorruhestand (50-60 Jahre), für die Kapitalerhalt wichtiger wird, könnten eine ausgewogene Allokation von 40% Aktien, 40% Obligationen und 20% Alternativen anstreben.

Der finale Schritt ist die ehrliche Selbstreflexion. Stellen Sie sich einen Börsencrash von 30% vor. Wenn Ihr Portfolio 100’000 CHF wert ist und eine Aktienquote von 60% hat, bedeutet das einen Buchverlust von ca. 18’000 CHF. Können Sie damit ruhig schlafen? Wenn nicht, ist Ihre Aktienquote zu hoch. Die perfekte Allokation ist jene, die es Ihnen erlaubt, Ihrer Strategie auch in den turbulentesten Marktphasen treu zu bleiben.

Die Definition Ihrer persönlichen Risikotoleranz ist die Grundlage für jede weitere Entscheidung und hilft Ihnen, Ihre massgeschneiderte strategische Allokation zu finden.

Häufige Fragen zur Portfolio-Allokation in der Schweiz

Sind Schweizer Pfandbriefe eine Alternative zu Staatsanleihen?

Ja, Pfandbriefe bieten oft höhere Renditen als Anleihen der Eidgenossenschaft (Eidgenossen) bei vergleichbarer, sehr hoher Sicherheit. Diese wird durch die Deckung mit erstklassigen Hypothekarforderungen gewährleistet. Für den sicherheitsorientierten Teil eines Portfolios stellen sie eine exzellente Wahl dar.

Sollte man in CHF-gehedgte globale Anleihen investieren?

Ja, für Schweizer Anleger ist ein Währungs-Hedging bei globalen Obligationen in der Regel sehr sinnvoll. Der Zweck von Obligationen im Portfolio ist Stabilität und nicht Währungsspekulation. Das Hedging in die Heimatwährung CHF minimiert das Währungsrisiko und sichert die stabilen Erträge aus den Anleihen, was ihre diversifizierende Wirkung verstärkt.

Geschrieben von Andreas Vogt, Promovierter Makroökonom (Dr. oec.) und unabhängiger Anlagestratege. Spezialist für Geldpolitik, Zinsmärkte und Währungsabsicherung.