
Die ideale Vermögensallokation ist keine starre Prozentzahl, sondern ein dynamisches System, das Sie aktiv steuern.
- Wahre Diversifikation in der Schweiz entsteht durch das Verständnis negativer Korrelation und den Einbezug von Anlagen wie Immobilienfonds, die sich unabhängig vom SMI bewegen.
- Kosten- und Steuereffizienz beim Rebalancing haben oft einen grösseren Einfluss auf Ihre langfristige Rendite als die Jagd nach der „perfekten“ Ausgangsquote.
Empfehlung: Konzentrieren Sie sich auf die Etablierung eines disziplinierten, kostengünstigen Rebalancing-Prozesses, anstatt sich ausschliesslich auf die initiale Aktienquote zu fixieren.
Die Frage nach dem richtigen Mischverhältnis von Aktien und Obligationen ist für viele Schweizer Anleger der Ausgangspunkt – und oft auch eine Quelle grosser Unsicherheit. Sollen es 40% Aktien sein, für einen ruhigen Schlaf? Oder doch lieber 60% oder gar 80%, um das Wachstumspotenzial voll auszuschöpfen? Die traditionelle Antwort lautet oft, dass Aktien für Wachstum und Obligationen für Sicherheit sorgen. Diese Faustregel ist zwar nicht falsch, aber sie greift zu kurz und ignoriert die entscheidenden Faktoren, die in der Praxis über den Erfolg Ihres Portfolios bestimmen.
Die Debatte über die „perfekte“ Quote verstellt den Blick auf das Wesentliche. Es geht weniger darum, eine magische Zahl zu finden, als vielmehr darum, die unsichtbaren Kräfte zu verstehen und zu beherrschen, die auf Ihr Vermögen wirken. Dazu gehören die echten Diversifikationseffekte, die oft an unerwarteten Stellen lauern, die Tücken des Zinsänderungsrisikos selbst bei „sicheren“ Anlagen und die erheblichen, aber oft übersehenen Auswirkungen von Transaktionskosten und Steuern hier in der Schweiz. Ein Portfolio ist kein statisches Gebilde, sondern ein dynamisches System, das intelligent und kosteneffizient gesteuert werden muss.
Dieser Artikel verlässt daher den Pfad der starren Prozentvorgaben. Stattdessen beleuchten wir die Mechanismen, die wirklich zählen. Wir werden aufzeigen, wie Sie Ihr Portfolio nicht nur aufbauen, sondern es aktiv und diszipliniert durch die Marktphasen steuern – mit einem klaren Fokus auf die spezifischen Gegebenheiten des Schweizer Marktes. Das Ziel ist es, Ihnen das Rüstzeug zu geben, um eine Strategie zu entwickeln, die nicht nur zu Ihrer Risikotoleranz passt, sondern auch langfristig und kosteneffizient funktioniert.
In den folgenden Abschnitten werden wir die Schlüsselfragen detailliert beantworten, die für den Aufbau eines robusten und anpassungsfähigen Portfolios in der Schweiz entscheidend sind.
Inhaltsverzeichnis: Ihr Weg zur optimalen Asset Allocation
- Warum schützen Obligationen Ihr Portfolio, wenn die Aktienmärkte um 20% einbrechen?
- Wie führen Sie ein Rebalancing durch, ohne unnötige Transaktionskosten zu generieren?
- Dividendenaktien oder Firmenanleihen: Was liefert im aktuellen Marktumfeld den besseren Cashflow?
- Das Risiko steigender Zinsen: Warum Ihre „sicheren“ Obligationen an Wert verlieren können
- Multi-Asset-ETFs: Die bequeme „Alles-in-einem“-Lösung für Faule oder eine Kostenfalle?
- Antizyklisch handeln: Wann müssen Sie Gewinner verkaufen, um die Ursprungsallokation wiederherzustellen?
- Warum bewegen sich Immobilienfonds oft anders als der SMI und glätten Ihr Depot?
- Wie nutzen Sie die Volatilität an den Märkten, um langfristig überdurchschnittliche Renditen zu erzielen?
Warum schützen Obligationen Ihr Portfolio, wenn die Aktienmärkte um 20% einbrechen?
Der wahre Wert von Obligationen in einem Portfolio offenbart sich nicht in sonnigen Börsenzeiten, sondern im Sturm. Ihre Hauptfunktion ist die Stabilisierung, wenn die Aktienmärkte korrigieren. Dies liegt an einem Phänomen namens negative Korrelation: In Phasen von Unsicherheit und Angst tendieren Anleger dazu, aus volatilen Aktien zu flüchten und Sicherheit in qualitativ hochwertigen Staats- und Unternehmensanleihen zu suchen. Diese erhöhte Nachfrage stützt deren Kurse oder lässt sie sogar steigen, während die Aktienkurse fallen. Das Ergebnis ist eine wertvolle Pufferwirkung, die die Gesamtverluste Ihres Portfolios abfedert.
Historische Daten für den Schweizer Markt untermauern diesen Effekt eindrücklich. Während Aktien in Krisenphasen erhebliche Verluste erleiden können, zeigen sich Obligationen weitaus widerstandsfähiger. Eine Langzeitstudie von Pictet belegt, dass der maximale Drawdown von Schweizer Obligationen bei -12% lag, verglichen mit -34% bei Schweizer Aktien während der Finanzkrise 2008. Dieser Unterschied ist fundamental, denn er bewahrt nicht nur Kapital, sondern gibt Ihnen auch die psychologische Stärke, Ihre Anlagestrategie nicht in Panik über den Haufen zu werfen.
Für Anleger in der Schweiz kommt ein weiterer Schutzeffekt hinzu: Der Schweizer Franken selbst wird in Krisenzeiten als „sicherer Hafen“ angesehen. Wie das Vermögenszentrum hervorhebt, führt dies zu einer verstärkten Nachfrage nach CHF-Anlagen, insbesondere nach Schweizer Anleihen. Dieser doppelte Puffer – die Eigenschaft der Anleihe an sich und die Stärke der Währung – macht eine Beimischung von Obligationen in Schweizer Franken zu einem besonders wirksamen Instrument zur Risikoreduktion und zur Glättung der Portfoliorendite über den gesamten Wirtschaftszyklus hinweg.
Wie führen Sie ein Rebalancing durch, ohne unnötige Transaktionskosten zu generieren?
Rebalancing – also die Wiederherstellung der ursprünglichen Portfolio-Gewichtung – ist essenziell für den langfristigen Anlageerfolg. Es zwingt Sie, diszipliniert Gewinne bei gut gelaufenen Anlagen mitzunehmen und bei unterbewerteten Anlagen nachzukaufen. Doch dieser Prozess kann, wenn er unüberlegt durchgeführt wird, durch Transaktionskosten und Steuern einen erheblichen Teil der Rendite auffressen. Der Schlüssel liegt in einer kosteneffizienten Umsetzung, die speziell auf die Schweizer Gegebenheiten zugeschnitten ist.
Eine der intelligentesten Methoden ist das „Cashflow-Rebalancing“. Anstatt bestehende Positionen zu verkaufen und umzuschichten, nutzen Sie neue Einzahlungen (z.B. monatliche Sparraten) gezielt, um die untergewichteten Anlageklassen aufzufüllen. So stellen Sie die Balance wieder her, ohne Verkäufe tätigen zu müssen, was Transaktionsgebühren und potenziell auch Steuern vermeidet. Die visuelle Darstellung unten verdeutlicht, wie frisches Kapital gezielt dorthin gelenkt wird, wo das Niveau am niedrigsten ist, um die ursprüngliche Allokation wiederherzustellen.

Wie das Schaubild zeigt, fliesst neues Geld nicht gleichmässig, sondern füllt gezielt die Lücken. Ergänzend dazu ist die Wahl des Anbieters entscheidend. Die Kosten für Transaktionen variieren in der Schweiz erheblich. Während Grossbanken oft hohe Gebühren pro Trade verlangen, bieten Online-Broker wie Swissquote deutlich günstigere Konditionen. Eine weitere Alternative sind Robo-Advisor, die das Rebalancing automatisch und oft als Teil einer Pauschalgebühr durchführen.
Ihr Plan für ein steuer- und kosteneffizientes Rebalancing in der Schweiz
- Säule 3a priorisieren: Führen Sie Umschichtungen primär innerhalb Ihrer steuerbefreiten Säule 3a durch, um Kapitalertragssteuern auf Gewinne zu vermeiden.
- Cashflow gezielt einsetzen: Nutzen Sie neue Sparbeiträge und Einzahlungen, um gezielt untergewichtete Anlageklassen zu kaufen und so die Zielallokation ohne Verkäufe wiederherzustellen.
- Dividenden reinvestieren: Lassen Sie Dividenden und Zinserträge automatisch in die Anlageklasse reinvestieren, die aktuell untergewichtet ist.
- Robo-Advisor prüfen: Ziehen Sie einen Robo-Advisor in Betracht, der automatisches Rebalancing anbietet, wenn die Gesamtkosten unter 0.8% pro Jahr liegen, um Disziplin und Effizienz zu gewährleisten.
Dividendenaktien oder Firmenanleihen: Was liefert im aktuellen Marktumfeld den besseren Cashflow?
Für Anleger, die einen regelmässigen Einkommensstrom aus ihrem Portfolio generieren möchten, stellt sich oft die Frage: Soll ich auf die Dividenden von etablierten Blue-Chip-Aktien oder auf die Zinszahlungen (Coupons) von soliden Unternehmensanleihen setzen? Die Antwort ist nicht immer eindeutig und hängt stark vom aktuellen Zinsumfeld, aber auch von der steuerlichen Situation des Anlegers in der Schweiz ab. Oberflächlich betrachtet scheint die Bruttorendite oft der entscheidende Faktor zu sein, doch die Betrachtung nach Steuern zeichnet ein differenzierteres Bild.
Dividenden von Schweizer Unternehmen unterliegen der Verrechnungssteuer von 35%, die zwar zurückgefordert werden kann, aber im Einkommen erneut versteuert wird. Zinserträge aus Anleihen werden ebenfalls als Einkommen besteuert. Der entscheidende Vorteil von Aktien liegt jedoch woanders: in den steuerfreien Kapitalgewinnen für Privatanleger in der Schweiz. Ein Kursanstieg der Aktie, der beim Verkauf realisiert wird, ist steuerfrei, während der Wert einer Anleihe bei Fälligkeit auf 100% begrenzt ist.
Die folgende Tabelle, basierend auf typischen Renditen und Annahmen für den Schweizer Markt, verdeutlicht den Unterschied zwischen Brutto- und Nettobetrachtung. Sie zeigt, dass nach Abzug der Steuern der Renditevorsprung einer Dividende schmelzen kann, aber das Potenzial für steuerfreie Kursgewinne bei Aktien ein entscheidender Faktor bleibt. Eine Analyse von UBS zeigt, wie sich die Renditen in der Praxis unterscheiden, was für die strategische Entscheidung zentral ist.
| Instrument | Bruttorendite | Nach Steuern (Annahme 30% Steuersatz) |
|---|---|---|
| Nestlé-Dividende | ~2.5% | ~1.75% |
| Schweizer Unternehmensanleihe | ~1.5% | ~1.05% |
| Kapitalgewinn (steuerfrei) | variabel | 100% des Gewinns |
Zusammenfassend lässt sich sagen: Für reinen, möglichst stabilen Cashflow können Unternehmensanleihen in bestimmten Zinsphasen attraktiv sein. Dividendenaktien bieten jedoch eine Kombination aus laufendem Ertrag und dem wertvollen, steuerfreien Wachstumspotenzial durch Kursgewinne. Für einen langfristig orientierten Anleger ist diese Kombination oft die überlegene Strategie, da sie sowohl Einkommen als auch Vermögensaufbau ermöglicht.
Das Risiko steigender Zinsen: Warum Ihre „sicheren“ Obligationen an Wert verlieren können
Obligationen gelten als der sichere Anker im Portfolio. Doch diese Sicherheit ist nicht absolut. Es gibt eine unsichtbare Kraft, die den Wert Ihrer Anleihen erheblich beeinflussen kann: das Zinsänderungsrisiko. Das Prinzip funktioniert wie eine Wippe: Wenn die allgemeinen Marktzinsen steigen, verlieren bestehende Anleihen mit ihren niedrigeren Zinscoupons an Attraktivität und damit an Wert. Niemand möchte eine Anleihe mit 1% Zins halten, wenn neue Anleihen 3% bieten. Umgekehrt steigen die Kurse alter, höher verzinster Anleihen, wenn die Zinsen fallen.
Die Sensitivität einer Anleihe gegenüber Zinsänderungen wird durch ihre Duration (durchschnittliche Kapitalbindungsdauer) gemessen. Je länger die Laufzeit und je niedriger der Coupon, desto höher die Duration und desto stärker reagiert der Kurs auf eine Zinsänderung. Eine Anleihe mit einer Duration von 10 Jahren verliert bei einem Zinsanstieg von 1% rund 10% an Wert. Die folgende Darstellung zeigt, wie Anleihen unterschiedlicher Laufzeiten wie Papiere unterschiedlichen Alters auf Zinsänderungen reagieren: neue, kurzlaufende Papiere sind robust, während alte, langlaufende Papiere an Wert verlieren.

Dieses theoretische Risiko wurde für Schweizer Anleger schmerzhafte Realität, als die Schweizerische Nationalbank (SNB) eine langjährige Ära der Null- und Negativzinsen beendete. Was geschah, als die SNB im Juni 2022 erstmals seit 15 Jahren wieder die Leitzinsen erhöhte, war ein Paradebeispiel für dieses Prinzip. Viele als sicher geltende Obligationenportfolios, insbesondere solche mit langen Laufzeiten, erlitten spürbare Kursverluste. Dies hat vielen Anlegern vor Augen geführt, dass „sicher“ nicht „risikofrei“ bedeutet.
Die Konsequenz für Ihre Strategie ist klar: Eine blosse Beimischung von Obligationen reicht nicht aus. Sie müssen auch die Duration Ihres Anleihenportfolios aktiv steuern. In Phasen erwarteter Zinsanstiege sind kurzlaufende Anleihen vorzuziehen, um das Kursrisiko zu minimieren. Dies ist ein zentraler Aspekt des aktiven Managements der eigenen Vermögensallokation.
Multi-Asset-ETFs: Die bequeme „Alles-in-einem“-Lösung für Faule oder eine Kostenfalle?
Multi-Asset-ETFs, die in einem einzigen Produkt eine fertige Mischung aus Aktien und Obligationen bieten, klingen verlockend. Sie versprechen eine einfache, diversifizierte Lösung ohne den Aufwand des eigenen Rebalancings. Für Anleger, die Einfachheit suchen, können sie ein guter Einstieg sein. Doch als informierter Asset Manager müssen Sie genauer hinsehen, denn die Bequemlichkeit hat oft einen Preis, der sich in den Gebühren versteckt und je nach Domizil des ETFs erhebliche steuerliche Nachteile für Schweizer Anleger mit sich bringen kann.
Ein entscheidender Faktor ist die Total Expense Ratio (TER), also die jährlichen Gesamtkosten. Oft sind diese bei Multi-Asset-ETFs höher als bei einer Kombination aus einzelnen, günstigen Aktien- und Obligationen-ETFs. Noch wichtiger für Schweizer Anleger ist jedoch das Domizil des Fonds. ETFs mit Domizil in der Schweiz (CH-ISIN) haben den Vorteil, dass die Verrechnungssteuer auf Dividenden von 35% einfach zurückgefordert werden kann. Bei ausländischen ETFs, insbesondere solchen mit Sitz in den USA, ist dies kompliziert oder unmöglich. Eine beliebte und effiziente Alternative sind ETFs mit Sitz in Irland (IE-ISIN), die aufgrund eines Steuerabkommens oft keine Quellensteuer auf US-Dividenden zahlen.
Die folgende Tabelle von simplemoney.ch zeigt die wesentlichen Unterschiede auf, die bei der Wahl des ETF-Domizils zu beachten sind. Sie verdeutlicht, dass ein niedrigerer TER bei einem ausländischen ETF durch höhere Stempelabgaben und steuerliche Nachteile zunichte gemacht werden kann. Eine sorgfältige Abwägung ist daher unerlässlich.
| Domizil | TER | Stempelabgabe | Verrechnungssteuer |
|---|---|---|---|
| Schweiz (CH-ISIN) | 0.4-0.6% | 0.075% | 35% (rückforderbar) |
| Irland (IE-ISIN) | 0.15-0.3% | 0.15% | 0% |
Im Vergleich dazu bieten Schweizer Robo-Advisor wie „Swissquote Invest Easy“ eine All-in-Lösung, die neben dem Portfolio auch das Rebalancing und einen sauberen Steuerauszug umfasst, was die Komplexität weiter reduziert. Die Kosten für solche Dienstleistungen liegen oft etwas höher als bei einem reinen ETF-Portfolio, nehmen dem Anleger aber viel Arbeit ab. Letztlich ist die Entscheidung eine Abwägung zwischen Kosten, Bequemlichkeit und steuerlicher Effizienz.
Antizyklisch handeln: Wann müssen Sie Gewinner verkaufen, um die Ursprungsallokation wiederherzustellen?
Die grösste Herausforderung beim Rebalancing ist nicht technischer, sondern psychologischer Natur. Es widerspricht unserer Intuition, gut laufende „Gewinner“-Aktien zu verkaufen, um in vermeintlich langweilige oder sogar gefallene Anlageklassen wie Obligationen umzuschichten. Dieses antizyklische Handeln ist jedoch der Kern eines disziplinierten Investmentansatzes. Es zwingt uns, „hoch zu verkaufen und tief zu kaufen“, anstatt den Emotionen nachzugeben und Trends hinterherzulaufen. Die Schwierigkeit, sich von liebgewonnenen Positionen zu trennen, ist ein bekanntes Phänomen der Verhaltensökonomie.
Gerade in der Schweiz, wo viele Portfolios eine hohe Konzentration von SMI-Blue-Chips aufweisen, ist diese emotionale Hürde besonders hoch. Wie Dr. Thorsten Hens von der Universität Zürich im Bereich Behavioral Finance hervorhebt, ist die Bindung an als sicher empfundene Titel ein grosses Hindernis für rationales Handeln.
Behavioural Finance zeigt: Die emotionale Bindung an ’sichere‘ Schweizer Blue Chips wie Pharma-Aktien ist oft das grösste Hindernis beim disziplinierten Rebalancing.
– Dr. Thorsten Hens, Universität Zürich, Behavioral Finance
Um diese emotionale Falle zu umgehen, braucht es eine klare, im Voraus definierte Regel: die Schwellenwert-Strategie. Anstatt auf ein festes Datum zu warten (z.B. jährliches Rebalancing), handeln Sie nur dann, wenn die Gewichtung einer Anlageklasse einen bestimmten Korridor verlässt. Ein gängiger Ansatz ist, ein Toleranzband von +/- 5% um die Zielallokation festzulegen. Bei einer Zielquote von 60% Aktien würden Sie also erst dann handeln, wenn der Aktienanteil über 65% steigt oder unter 55% fällt. Für hochkonzentrierte Einzelwerte im SMI kann aufgrund der höheren Volatilität auch ein breiteres Band von +/- 10% sinnvoll sein. Wichtig ist, dass diese Regel mechanisch angewendet wird, um emotionale Entscheidungen auszuschliessen.
Warum bewegen sich Immobilienfonds oft anders als der SMI und glätten Ihr Depot?
Eine effektive Diversifikation geht über die blosse Mischung von Aktien und Obligationen hinaus. Sie sucht nach Anlageklassen, deren Wertentwicklung möglichst wenig mit dem Aktienmarkt korreliert. Hier kommen kotierte Schweizer Immobilienfonds ins Spiel. Sie investieren in ein breit gestreutes Portfolio von Wohn- und Geschäftsliegenschaften in der Schweiz und ihre Wertentwicklung folgt oft einem anderen Rhythmus als der Schweizer Aktienmarkt (SMI). Diese Eigenschaft macht sie zu einem exzellenten Instrument zur Portfolio-Glättung.
Während der SMI stark von globalen Konjunkturdaten, geopolitischen Ereignissen und der Performance einiger weniger grosser Titel (Nestlé, Roche, Novartis) abhängt, wird der Wert von Immobilienfonds primär von lokalen Faktoren wie Mieterträgen, Leerstandsquoten und dem Zinsniveau in der Schweiz beeinflusst. Diese unterschiedlichen Treiber führen zu einer geringen Korrelation. So kann es vorkommen, dass Immobilienfonds stabil bleiben oder sogar steigen, während der Aktienmarkt korrigiert. Eine Analyse der Zürcher Kantonalbank zeigt dies deutlich: Der SWIIT Index für Immobilienfonds legte seit seinem Tief im November 2023 um +17% zu, während der SMI im Krisenjahr 2022 einen Verlust von -17% verzeichnete.
Ein weiteres Merkmal ist, dass Immobilienfonds selten exakt zu ihrem Nettoinventarwert (NAV), also dem inneren Wert der gehaltenen Immobilien, gehandelt werden. Sie notieren oft mit einem Auf- (Agio) oder Abschlag (Disagio). Dieses Phänomen ist selbst ein Marktindikator: In Phasen sinkender Zinsen und hoher Nachfrage tendiert das Agio nach oben, während bei steigenden Zinsen, die Immobilienanlagen weniger attraktiv machen, oft ein Disagio entsteht. Für informierte Anleger kann dies eine zusätzliche Informationsquelle und sogar eine antizyklische Einstiegschance sein.
Durch die Beimischung von Schweizer Immobilienfonds fügen Sie Ihrem Portfolio also eine weitere Ebene der Diversifikation hinzu, die über die klassische Aktien-Obligationen-Mischung hinausgeht und zur langfristigen Stabilisierung und Glättung der Renditen beiträgt.
Das Wichtigste in Kürze
- Der wahre Wert von Obligationen liegt in ihrer negativen Korrelation zu Aktien in Krisenzeiten, was für eine essenzielle Portfolio-Stabilisierung sorgt.
- Ein kosteneffizientes Rebalancing, idealerweise durch gezielte Nutzung neuer Geldzuflüsse (Cashflow-Rebalancing), ist entscheidend, um die Rendite nicht durch Gebühren und Steuern zu schmälern.
- Das Zinsänderungsrisiko (Duration) ist eine reale Gefahr für „sichere“ Anleihen; ein aktives Management der Laufzeiten ist daher unerlässlich.
Wie nutzen Sie die Volatilität an den Märkten, um langfristig überdurchschnittliche Renditen zu erzielen?
Volatilität wird von den meisten Anlegern gefürchtet. Sie wird mit Risiko, Unsicherheit und Verlusten gleichgesetzt. Ein disziplinierter Asset Manager sieht das anders: Für ihn ist Volatilität nicht nur eine Gefahr, sondern auch eine Quelle von Chancen. Starke Kursschwankungen, angetrieben von Angst oder Gier, führen regelmässig zu Über- und Untertreibungen. Genau in diesen Momenten der Marktineffizienz liegen die Möglichkeiten für überdurchschnittliche Renditen, wenn man bereit ist, antizyklisch zu handeln und gegen den Strom zu schwimmen.
Die moderne Portfoliotheorie besagt, dass für jede Risikotoleranz ein effizientes Portfolio existiert. Volatilität ist der Preis, den man für die Erwartung höherer Erträge zahlt. Anstatt zu versuchen, sie zu vermeiden, kann man sie gezielt nutzen. Das disziplinierte Rebalancing, das wir besprochen haben, ist bereits eine Form der Nutzung von Volatilität: Es zwingt Sie, teure Anlagen zu verkaufen und günstige zu kaufen. Darüber hinaus können extreme Marktereignisse als gezielte Kaufgelegenheiten dienen.
Fallbeispiel: Der Frankenschock 2015 als Chance
Ein perfektes Beispiel aus der jüngeren Schweizer Wirtschaftsgeschichte ist der „Frankenschock“ im Januar 2015. Die überraschende Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die SNB löste an den Märkten eine Panik aus. Der SMI brach an einem einzigen Tag um fast 14% ein, da Anleger massive Nachteile für die exportorientierte Schweizer Wirtschaft befürchteten. Mutige Anleger, die in dieser Phase der extremen Angst kauften, als andere in Panik verkauften, konnten in den darauffolgenden Jahren erhebliche Renditen erzielen, da sich der Markt erholte und die fundamentale Stärke vieler Schweizer Unternehmen wieder in den Vordergrund trat.
Die Fähigkeit, Volatilität als Chance zu begreifen, erfordert zwei Dinge: eine solide, im Voraus definierte Strategie und die emotionale Disziplin, diese auch in turbulenten Zeiten umzusetzen. Es bedeutet, Liquidität bereitzuhalten, um in Phasen der Panik agieren zu können. Anstatt sich von Schlagzeilen leiten zu lassen, blicken Sie auf die langfristigen Fundamentaldaten und nutzen die kurzfristigen Schwankungen zu Ihrem Vorteil. So wird aus dem gefürchteten Risiko eine kalkulierte Chance.
Der nächste logische Schritt ist nicht, eine finale Zahl zu finden, sondern Ihre persönliche Rebalancing-Strategie zu definieren. Beginnen Sie noch heute damit, Ihr Portfolio als ein dynamisches System zu betrachten, das Sie aktiv und kosteneffizient steuern.