
Schweizer Obligationen sind mehr als nur ein „sicherer Hafen“; sie sind eine kalkulierbare Versicherung, deren Prämie der Zinsverzicht ist.
- Ihre negative Korrelation zu Aktien wirkt in Krisen als stossdämpfendes Kapitalpolster, das Portfolioverluste aktiv begrenzt.
- Die Hauptrisiken – das Zinsänderungsrisiko (Duration) und die Inflation – sind der „Selbstbehalt“ und die „Ausschlussklausel“ dieser Versicherung.
Empfehlung: Betrachten Sie Obligationen nicht als Renditeobjekt, sondern als strategisches Instrument und steuern Sie deren Risiken aktiv mit Methoden wie der Anleihen-Leiter.
In einem Umfeld steigender Zinsen und volatiler Aktienmärkte stehen sicherheitsorientierte Anleger in der Schweiz vor einem Dilemma. Die traditionelle Weisheit, zur Absicherung auf Obligationen zu setzen, erscheint vielen fragwürdig. Warum sollte man in Anleihen investieren, wenn deren Kurse bei Zinserhöhungen fallen und die Renditen historisch niedrig sind? Die Furcht, Geld zu parkieren und dabei entweder Kaufkraft durch Inflation zu verlieren oder Kursverluste bei Anleihen zu erleiden, ist omnipräsent. Viele suchen nach einer Möglichkeit, ihr Kapital zu schützen, ohne hohe Risiken oder gar Negativzinsen in Kauf nehmen zu müssen.
Die gängige Antwort lautet oft pauschal: „Diversifizieren Sie Ihr Portfolio mit Anleihen“. Doch dieser Rat greift zu kurz und ignoriert die komplexen Mechanismen, die heute am Werk sind. Er erklärt nicht, *warum* und *wie* diese Absicherung genau funktioniert und was sie den Anleger kostet. Die wahre Stärke von Schweizer Bundesobligationen liegt nicht in ihrer Fähigkeit, hohe Erträge zu generieren. Vielmehr muss man sie als das verstehen, was sie wirklich sind: eine präzise kalkulierbare Versicherungspolice gegen Marktturbulenzen.
Doch wenn Obligationen eine Versicherung sind, was ist dann die Prämie? Was ist der Selbstbehalt? Und unter welchen Umständen greift der Schutz nicht? Die Antwort liegt in einem tieferen, fast mathematischen Verständnis der Anleihen-Mechanik. Statt sie passiv als „sicheren Hafen“ zu betrachten, müssen wir ihre Eigenschaften – insbesondere die Duration, das Kreditrisiko und die negative Korrelation zu Aktien – als aktive Hebel zur Portfoliosteuerung begreifen. Nur so lässt sich ihr Wert als Stabilisator rational bewerten und strategisch nutzen.
Dieser Artikel führt Sie durch die Funktionsweise dieser „Portfolio-Versicherung“. Wir analysieren, warum Obligationen auch bei niedrigen Zinsen fundamental sind, wie man sie konkret kauft, welche Risiken wirklich relevant sind und wie Sie mit strategischen Ansätzen wie der Anleihen-Leiter ein robustes Fundament für Ihr Vermögen schaffen, das auch dem nächsten Börsensturm standhält.
Inhaltsverzeichnis: Wie Schweizer Obligationen als Portfolio-Schutz funktionieren
- Warum gehört ein Teil Ihres Geldes in Anleihen, auch wenn die Zinsen niedrig sind?
- Wie kaufen Sie eine einzelne Schweizer Obligation an der Börse und worauf müssen Sie achten?
- Staatsanleihe oder Unternehmensanleihe: Wo liegt das bessere Verhältnis von Risiko und Zins?
- Wenn der Schuldner pleitegeht: Was passiert mit Ihrer Obligation im Konkursfall?
- Kurzläufer vs. Langläufer: Welche Anleihen schützen Sie besser vor einer Zinserhöhung?
- Warum schützen Obligationen Ihr Portfolio, wenn die Aktienmärkte um 20% einbrechen?
- Das Schicksal der Obligationäre: Warum Anleihen in Hochinflationsphasen die grossen Verlierer sind
- Wie bauen Sie eine Anleihen-Leiter (Bond Ladder), um regelmässige Auszahlungen zu sichern?
Warum gehört ein Teil Ihres Geldes in Anleihen, auch wenn die Zinsen niedrig sind?
Die zentrale Funktion von hochwertigen Staatsanleihen in einem Portfolio ist nicht die Erzielung von Rendite, sondern die Reduktion der Gesamtvolatilität. Man kann die im Vergleich zu Aktien niedrigere Rendite als eine Art Versicherungsprämie betrachten, die Sie für die Stabilität Ihres Portfolios bezahlen. Diese Prämie kauft Ihnen eine entscheidende Eigenschaft: eine geringere Schwankungsanfälligkeit. Analysen von Vanguard zeigen, dass die Volatilität von währungsgesicherten globalen Obligationen bei etwa 3 % pro Jahr liegt, während sie bei globalen Aktien rund 16 % beträgt. Diese massive Reduktion der Schwankungsbreite ist der Kern des „sicheren Hafens“.
In Zeiten von Marktturbulenzen, wenn die Aktienkurse fallen, suchen Anleger nach Sicherheit. Diese „Flucht in die Qualität“ führt zu einer erhöhten Nachfrage nach den sichersten Anlagen der Welt, wie Schweizer Bundesobligationen (Eidgenossen). Diese steigende Nachfrage treibt deren Kurse nach oben und kompensiert so zumindest teilweise die Verluste im Aktienteil des Portfolios. Dieses Phänomen der negativen Korrelation ist der eigentliche Wirkmechanismus der Versicherung. Wie eine Studie des VZ VermögensZentrums zeigt, konnte sich der Schweizer Anleihenmarkt dieser Logik folgend gut entwickeln; der Swiss Bond Index (SBI) ist seit Anfang 2023 um 12 Prozent gestiegen, was die Schutzfunktion in einer unsicheren Marktphase verdeutlicht.
Selbst in einem Umfeld steigender Zinsen, in dem Anleihenkurse tendenziell fallen, behalten sie ihre stabilisierende Rolle. Ein Zinsanstieg erfolgt oft in Phasen starken Wirtschaftswachstums, in denen Aktien in der Regel gut performen. Die Anleihen mögen dann an Wert verlieren, aber dieser Verlust wird oft durch die Gewinne auf der Aktienseite überkompensiert. Die Obligationen dienen somit als Puffer für verschiedene Marktszenarien, nicht nur für den Crash.
Wie kaufen Sie eine einzelne Schweizer Obligation an der Börse und worauf müssen Sie achten?
Der Kauf einer einzelnen Schweizer Obligation ist unkomplizierter, als viele Anleger annehmen. Er erfolgt analog zu einem Aktienkauf über einen Online-Broker, der Zugang zur Schweizer Börse SIX Swiss Exchange bietet. Der entscheidende Unterschied liegt in den Kriterien, die Sie bei der Auswahl und Bewertung der Anleihe anwenden müssen. Der Prozess erfordert Sorgfalt, um sicherzustellen, dass die gewählte Anleihe zu Ihrer Anlagestrategie passt.

Nachdem Sie sich bei Ihrem Broker eingeloggt haben, nutzen Sie die Suchfunktion für Anleihen (Bonds/Obligationen). Hier können Sie nach der Valorennummer oder dem Namen des Emittenten (z.B. „Schweizerische Eidgenossenschaft“) suchen. Achten Sie auf folgende zentrale Kennzahlen: den Coupon (der jährliche Zinssatz), die Laufzeit (das Fälligkeitsdatum) und die Rendite auf Verfall (die tatsächliche Rendite, die Sie erzielen, wenn Sie die Anleihe bis zum Ende halten). Diese Rendite berücksichtigt den aktuellen Kaufkurs, der über oder unter dem Nennwert (meist 100%) liegen kann.
Zwei weitere Kostenfaktoren sind entscheidend: die Courtage Ihres Brokers und die eidgenössische Stempelabgabe. Diese Transaktionskosten schmälern Ihre Nettorendite. Zudem müssen Sie das Konzept der Marchzinsen verstehen. Kaufen Sie eine Anleihe zwischen zwei Coupon-Zahlungsterminen, müssen Sie dem Verkäufer die Zinsen für den Zeitraum seit der letzten Zahlung erstatten. Diese werden Ihnen bei der nächsten Coupon-Auszahlung wieder gutgeschrieben. Der angezeigte Preis ohne diese Zinsen wird als „Clean Price“ bezeichnet.
Ihr Plan zum Kauf einer Schweizer Obligation
- Suchkriterien definieren: Nutzen Sie die Anleihen-Suchfunktion Ihres Brokers. Filtern Sie gezielt nach Emittent (z.B. Schweizerische Eidgenossenschaft), Währung (CHF) und gewünschter Restlaufzeit.
- Kennzahlen analysieren: Vergleichen Sie für die gefilterten Obligationen die Rendite auf Verfall, den Coupon und die Restlaufzeit. Prüfen Sie das Rating des Emittenten zur Einschätzung des Risikos.
- Order platzieren: Geben Sie die Order auf und beachten Sie die Stückelung (oft CHF 5’000). Kalkulieren Sie die anfallenden Kosten wie Courtage und Stempelabgaben in Ihre Gesamtrechnung mit ein.
- Abrechnung prüfen: Kontrollieren Sie nach dem Kauf die Abrechnung. Verifizieren Sie den bezahlten Kurs („Clean Price“) und die separat ausgewiesenen Marchzinsen, um die Transaktion vollständig nachzuvollziehen.
Staatsanleihe oder Unternehmensanleihe: Wo liegt das bessere Verhältnis von Risiko und Zins?
Das kleine Alpenland im Herzen Europas gilt bei Anlegern seit jeher als Hort der Sicherheit und Stabilität. Die großen Ratingagenturen in den USA bewerten die Bonität der Schweiz mit der Bestnote ‚AAA‘. Schweizerische Anleihen bieten dem Anleger damit hohe Sicherheit für seine Geldanlage.
– finanzen.net Redaktion, finanzen.net Anleihenanalyse
Die Wahl zwischen einer Staatsanleihe (Eidgenosse) und einer Unternehmensanleihe ist eine fundamentale Entscheidung über das gewünschte Risiko-Rendite-Profil. Schweizer Staatsanleihen gelten als eine der sichersten Anlagen weltweit, was sich im AAA-Rating der grossen Agenturen widerspiegelt. Diese erstklassige Bonität bedeutet ein praktisch vernachlässigbares Ausfallrisiko. Der Preis für diese maximale Sicherheit ist jedoch eine entsprechend niedrige Rendite. Sie bezahlen eine hohe „Versicherungsprämie“ für den Schutz vor einem Konkurs des Schuldners.
Unternehmensanleihen, selbst von erstklassigen Schweizer „Blue-Chip“-Konzernen, bieten im Gegenzug eine höhere Rendite. Dieser Zinsaufschlag, auch „Credit Spread“ genannt, ist die Kompensation für das höhere Emittentenrisiko. Auch ein etabliertes Unternehmen kann in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten oder gar Konkurs anmelden. Das Rating dieser Anleihen liegt typischerweise im Bereich von AA bis BBB+, was immer noch eine hohe Bonität darstellt, aber eben nicht das quasi risikolose Niveau einer Staatsanleihe erreicht. Für Anleger, die bereit sind, ein kalkuliertes Ausfallrisiko zu tragen, kann hier ein attraktiver Mehrertrag erzielt werden.
Der folgende Vergleich verdeutlicht die zentralen Unterschiede, basierend auf einer Analyse aktueller Marktdaten.
| Kriterium | Schweizer Staatsanleihen | Unternehmensanleihen (Blue-Chip) |
|---|---|---|
| Rating | AAA (Bestnote) | AA bis BBB+ |
| Rendite | Deutlich unter 2% | 2-4% je nach Bonität |
| Liquidität | Sehr hoch | Mittel bis hoch |
| Steuerliche Behandlung | Kursgewinne steuerfrei | Kursgewinne oft steuerfrei |
Für das Ziel der reinen Portfolio-Absicherung gegen systemische Schocks sind Staatsanleihen aufgrund ihrer höheren Liquidität und der bedingungslosen „Flucht in Qualität“ in Krisenzeiten meist die bessere Wahl. Unternehmensanleihen können eine sinnvolle Ergänzung zur Renditeoptimierung sein, erfüllen aber die Versicherungsfunktion weniger reinrassig.
Wenn der Schuldner pleitegeht: Was passiert mit Ihrer Obligation im Konkursfall?
Das Konkursrisiko ist der entscheidende Faktor, der Staatsanleihen von Unternehmensanleihen unterscheidet. Im Falle von Schweizer Bundesobligationen ist dieses Risiko rein theoretischer Natur. Die Schweiz gehört zu den wenigen Ländern der Welt, die von allen drei grossen Ratingagenturen mit der Bestnote AAA bewertet wird. Ein Zahlungsausfall der Schweizerischen Eidgenossenschaft ist unter normalen Umständen praktisch ausgeschlossen. Ihre „Versicherung“ gegen einen Totalverlust ist hier also maximal robust.
Bei Unternehmensanleihen ist das Szenario hingegen real. Geht der emittierende Konzern Konkurs, werden Sie als Obligationär zum Gläubiger im Konkursverfahren. Ihr investiertes Kapital ist damit nicht automatisch verloren, aber sein Schicksal hängt von der Konkursdividende ab. Eine Obligation ist eine nicht privilegierte Forderung und wird gemäss Schweizer Recht der dritten Konkursklasse zugerechnet. Das bedeutet: Zuerst werden die Forderungen der ersten und zweiten Klasse (z.B. Löhne der Mitarbeiter, Forderungen der Sozialversicherungen) aus der Konkursmasse bedient. Nur was danach übrig bleibt, wird anteilig an die Gläubiger der dritten Klasse, also auch die Obligationäre, verteilt. Ein Teil- oder sogar Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist daher ein realistisches Risiko.
Eine wichtige rechtliche Absicherung für Anleger in der Schweiz betrifft die Verwahrung der Wertpapiere. Sollte Ihre Depotbank Konkurs anmelden, fallen die von Ihnen gehaltenen Obligationen nicht in die Konkursmasse der Bank. Gemäss dem Schweizer Banken- und Bucheffektengesetz werden Depotwerte zugunsten der Kunden abgesondert. Sie bleiben also Eigentümer Ihrer Anleihen und können diese auf ein anderes Depot übertragen lassen. Das Emittentenrisiko (Konkurs des Anleihen-Schuldners) bleibt davon aber unberührt.
Kurzläufer vs. Langläufer: Welche Anleihen schützen Sie besser vor einer Zinserhöhung?
Das Zinsänderungsrisiko ist nach dem Konkursrisiko die zweite grosse Gefahr für Anleiheninvestoren. Steigen die allgemeinen Marktzinsen, verlieren bestehende Anleihen mit niedrigeren Coupons an Wert. Die Sensitivität einer Anleihe auf Zinsänderungen wird durch die Kennzahl Duration gemessen. Eine höhere Duration bedeutet eine stärkere Kursreaktion auf eine Zinsänderung. Anleihen mit langer Restlaufzeit (Langläufer) haben eine höhere Duration als solche mit kurzer Restlaufzeit (Kurzläufer).
Kurzläufer mit Laufzeiten von 1 bis 3 Jahren bieten daher den besten Schutz vor Zinserhöhungen. Ihr Kurs reagiert nur geringfügig, und das Kapital wird bald wieder frei, um zu den dann höheren Zinsen neu angelegt zu werden. Sie bieten Flexibilität und minimieren das Kursrisiko. Der Nachteil ist ihre geringere Rendite und eine schwächere Schutzfunktion bei einem Börsencrash, da ihr Kurspotenzial begrenzt ist.

Langläufer mit Laufzeiten von 7 Jahren und mehr sind dem Zinsänderungsrisiko stark ausgesetzt. Ihr Wert kann bei einem Zinsanstieg deutlich sinken. Im Gegenzug bieten sie in einem Krisenszenario mit fallenden Zinsen (Flucht in Sicherheit) den grössten Hebel für Kursgewinne. Sie sind die potentere „Versicherung“ gegen einen Aktienmarkt-Crash. Die Wahl zwischen Kurz- und Langläufern ist somit ein direkter Trade-off: Schutz vor Zinsanstiegen (Kurzläufer) versus Schutz vor Börsencrashs (Langläufer).
Eine bewährte Methode, um diesen Zielkonflikt zu managen, ist die „Barbell-Strategie“ (Hantel-Strategie). Hierbei investiert ein Anleger sein Kapital zu gleichen Teilen in Kurz- und Langläufer, während das mittlere Laufzeitensegment bewusst ausgelassen wird. Die Kurzläufer sorgen für Liquidität und Schutz vor Zinsanstiegen, während die Langläufer die Funktion der langfristigen Portfolio-Versicherung übernehmen. Dies schafft eine Balance zwischen Stabilität und Renditechancen.
Warum schützen Obligationen Ihr Portfolio, wenn die Aktienmärkte um 20% einbrechen?
Insbesondere in Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit werden sie als sicherer Hafen genutzt.
– VZ VermögensZentrum, Portfolio-Analyse Schweizer Anleihen
Der Schutzmechanismus von Staatsanleihen bei einem Börsencrash beruht auf der bereits erwähnten negativen Korrelation. Wenn Panik an den Aktienmärkten ausbricht, verkaufen Anleger risikoreiche Anlagen (Aktien) und suchen Zuflucht in den sichersten verfügbaren Vermögenswerten. Schweizer Bundesobligationen stehen dabei ganz oben auf der Liste. Dieser massive Kapitalfluss in Anleihen treibt deren Nachfrage und somit ihre Kurse in die Höhe. Die Gewinne, die Sie im Anleihenteil Ihres Portfolios erzielen, wirken wie ein Stossdämpfer und federn die Verluste im Aktienteil ab. Ein Portfolio, das zu 40% aus Eidgenossen besteht, wird bei einem Aktiencrash von 20% also deutlich weniger als 20% an Wert verlieren.
Dieser Effekt ist jedoch keine Naturkonstante. Es gibt Marktumfelder, in denen diese Schutzfunktion versagt. Das prominenteste Beispiel ist eine Stagflation – eine Phase, die durch hohe Inflation und stagnierendes Wirtschaftswachstum gekennzeichnet ist. In einem solchen Szenario können sowohl Aktien (wegen der schwachen Wirtschaft) als auch Obligationen (wegen der steigenden Zinsen zur Inflationsbekämpfung) gleichzeitig an Wert verlieren.
Fallstudie: Portfolio-Performance in der Stagflation
Eine Analyse der ZKB zeigt die Grenzen des klassischen Portfolios in Krisenzeiten. Während der Stagflation der 1970er Jahre verlor ein traditionelles 60/40-Portfolio (60% Aktien, 40% Anleihen) massiv an Wert, da beide Anlageklassen litten. Der Drawdown betrug -31%, und es dauerte über vier Jahre, um die Verluste wieder aufzuholen. Dies unterstreicht, dass die Versicherungsfunktion von Anleihen an die Bedingung geknüpft ist, dass die Inflation unter Kontrolle ist.
Trotz dieser Einschränkung hat sich die negative Korrelation in den meisten historischen Börsencrashs (wie 2000, 2008 oder im Frühjahr 2020) als verlässlich erwiesen. Für einen sicherheitsorientierten Anleger ist die Beimischung von Staatsanleihen daher eine der effektivsten und berechenbarsten Methoden, um das Gesamtrisiko des Portfolios zu senken und die Nerven in turbulenten Zeiten zu bewahren.
Das Schicksal der Obligationäre: Warum Anleihen in Hochinflationsphasen die grossen Verlierer sind
Die grösste Gefahr für den Wert von Obligationen ist nicht der Börsencrash, sondern die Inflation. Eine Anleihe verspricht feste Zinszahlungen (den Coupon) und die Rückzahlung des Nennwerts am Ende der Laufzeit. Wenn die allgemeine Teuerung jedoch höher ist als der Zinsertrag, den Sie erhalten, verlieren Sie real an Kaufkraft. Ihr Geld wird zwar nominal mehr, aber Sie können sich davon weniger kaufen. Deshalb ist die Betrachtung der Realrendite (Nominalrendite minus Inflationsrate) für Anleiheninvestoren von entscheidender Bedeutung.
Historisch gesehen haben Anleihen zwar positive nominale Renditen erzielt, aber die realen Erträge waren oft bescheiden oder sogar negativ. Langfristige Analysen von Pictet belegen, dass die reale annualisierte 10-Jahres-Durchschnittsrendite für Schweizer Anleihen per Ende 2024 bei nur 2,1% lag. In Phasen hoher Inflation, wie wir sie nach der Corona-Pandemie wieder erlebt haben, kann die Realrendite schnell tief ins Negative rutschen. Die festen Zinszahlungen werden von der Geldentwertung quasi aufgefressen.
Fallstudie: Schweizer Inflation in den 1970er Jahren
Die Schweiz erlebte in ihrer modernen Geschichte Phasen dramatischer Inflation. Wie eine Analyse von Hotz & Partner zeigt, hatte die Schweiz nach dem Ende des Goldstandards infolge des Ersten Weltkriegs mit Inflationsschüben von über 25% zu kämpfen. Ein erneuter Schock traf das Land 1973 während der ersten Ölkrise, als Inflation und Zinsen erneut in die Höhe schnellten. In solchen Perioden erlitten Inhaber von langfristigen Obligationen massive reale Verluste, da ihre fixen Coupons von der galoppierenden Teuerung entwertet wurden.
Die Inflation wirkt also wie eine Ausschlussklausel in Ihrer Versicherungs-Police. Die Anleihe schützt Sie vor dem plötzlichen, scharfen Schmerz eines Börsencrashs, aber nicht vor dem langsamen, schleichenden Wertverlust durch Inflation. Für einen Anleger bedeutet dies, dass ein reines Anleihenportfolio langfristig keine Strategie zum Vermögenserhalt sein kann. Die Kombination mit Sachwerten wie Aktien, die einen gewissen Inflationsschutz bieten, bleibt unerlässlich.
Das Wichtigste in Kürze
- Schweizer Bundesobligationen sind primär ein Instrument zur Risikosteuerung (Versicherung), nicht zur Renditeerzielung.
- Die zwei Hauptrisiken für Obligationäre sind das Zinsänderungsrisiko (steuerbar über die Duration) und die Inflation (die die Realrendite schmälert).
- Aktive Strategien wie der Aufbau einer Anleihen-Leiter sind entscheidend, um Zins- und Wiederanlagerisiken systematisch zu managen.
Wie bauen Sie eine Anleihen-Leiter (Bond Ladder), um regelmässige Auszahlungen zu sichern?
Die Anleihen-Leiter (Bond Ladder) ist eine klassische und effektive Strategie, um die Risiken von Obligationen-Investments zu managen und gleichzeitig für einen stetigen Cashflow zu sorgen. Anstatt das gesamte für Anleihen vorgesehene Kapital in eine einzige Obligation zu investieren, wird es auf mehrere Anleihen mit unterschiedlichen, gestaffelten Fälligkeitsterminen aufgeteilt. Man baut sich sozusagen eine „Leiter“, bei der jede Sprosse eine Anleihe mit einer Fälligkeit in einem anderen Jahr darstellt.
Beispielsweise könnten Sie Ihr Kapital auf fünf Anleihen verteilen, die in einem, zwei, drei, vier und fünf Jahren fällig werden. Jedes Jahr wird nun eine Anleihe fällig und das Kapital wird Ihnen zurückgezahlt. Dieses Kapital können Sie dann entweder für Ausgaben nutzen oder am „langen Ende“ der Leiter wieder anlegen, indem Sie eine neue Anleihe mit fünf Jahren Laufzeit kaufen. So erhalten Sie eine rollierende Struktur, die Ihnen regelmässige Liquidität verschafft.
Diese Strategie bietet zwei entscheidende Vorteile: Sie diversifiziert das Zinsänderungsrisiko. Wenn die Zinsen steigen, können Sie das frei werdende Kapital von der fälligen Anleihe zeitnah zu den neuen, höheren Konditionen reinvestieren. Sie müssen nicht tatenlos zusehen, wie Ihr gesamtes Kapital in einer langfristigen Anleihe mit niedrigem Zins gefangen ist. Gleichzeitig müssen Sie bei fallenden Zinsen nicht Ihr gesamtes Kapital auf einmal zu schlechteren Konditionen anlegen, da ein Grossteil noch in den länger laufenden Anleihen mit den ursprünglich höheren Zinsen gebunden ist. Die Leiter glättet somit die Auswirkungen von Zinsschwankungen über die Zeit.
Ihr Plan zum Aufbau einer Anleihen-Leiter
- Kapital aufteilen: Teilen Sie den für Anleihen vorgesehenen Betrag (z.B. CHF 100’000) durch die Anzahl der gewünschten „Sprossen“ (z.B. 5). Dies ergibt den Anlagebetrag pro Anleihe (hier: CHF 20’000).
- Laufzeiten staffeln: Kaufen Sie Anleihen mit gestaffelten Fälligkeiten. Erwerben Sie eine Anleihe, die in einem Jahr fällig wird, eine, die in zwei Jahren fällig wird, und so weiter, bis die Leiter vollständig ist (z.B. bis zu 5 oder 10 Jahren).
- Fälligkeiten reinvestieren: Wenn die erste, kurzfristigste Anleihe fällig wird, reinvestieren Sie das zurückgeflossene Kapital in eine neue Anleihe am längsten Ende Ihrer Leiter (z.B. eine neue 5-Jahres-Anleihe).
- Cashflow sichern und anpassen: Wiederholen Sie diesen Prozess jedes Jahr. Sie sichern sich so nicht nur einen stetigen Strom an Zinserträgen und Kapitalrückflüssen, sondern passen Ihr Portfolio auch laufend an das aktuelle Zinsniveau an.
Häufige Fragen zu Schweizer Obligationen und Konkursrisiko
Was passiert mit Obligationen bei einem Bankkonkurs?
Im Insolvenzfall der Bank sieht das schweizerische Recht grundsätzlich vor, dass die bei ihr hinterlegten Depotwerte nicht in die Konkursmasse fallen, sondern zu Gunsten der Depotinhaber abgesondert werden. Die Absonderung ist unter anderem im Schweizerischen Bankengesetz und im Bucheffektengesetz geregelt.
Welche Rangordnung gilt für Obligationäre im Konkurs?
Beim Konkurs des Emittenten droht den Obligationären ein Teil- oder der Totalverlust. Eine Obligation gehört zu den nicht privilegierten Forderungen und wird der dritten Konkursklasse zugerechnet.
Unterschied zwischen direkter Anleihe und ETF im Konkursfall?
Bei einer direkten Anleihe haben Sie eine direkte Forderung gegen den Emittenten. Bei einem ETF halten Sie nur einen Anteil an einem diversifizierten Korb, was das Einzelrisiko mindert, aber das Emittentenrisiko des ETFs selbst einführt.