Veröffentlicht am März 15, 2024

Viele Schweizer Anleger glauben, ein hohes Engagement in CHF sei der ultimative Schutz. In Wahrheit ist dieser ‚Home Bias‘ oft der grösste Rendite-Killer.

  • Die Konzentration auf den Schweizer Markt (Klumpenrisiko) führt nachweislich zu tieferen Langfrist-Renditen im Vergleich zu einem globalen Portfolio.
  • Die wahre Stärke des Frankens liegt nicht darin, Ihr gesamtes Vermögen darin zu halten, sondern ihn als ultra-stabilen Anker für mutigere, globale Investitionen zu nutzen.

Empfehlung: Analysieren Sie Ihren effektiven CHF-Anteil (inkl. Pensionskasse) und nutzen Sie diese Sicherheit als Sprungbrett, um Ihr Portfolio international zu diversifizieren und so Renditechancen zu maximieren.

In einer Welt permanenter Unsicherheit – von geopolitischen Spannungen bis hin zu Inflationswellen – suchen Schweizer Anleger instinktiv nach Schutz für ihr hart erarbeitetes Vermögen. Die naheliegendste Antwort scheint seit jeher der Schweizer Franken zu sein. Er gilt als Fels in der Brandung, als ultimativer sicherer Hafen, wenn die globalen Finanzmärkte stürmisch werden. Diese tief verwurzelte Überzeugung führt oft zu einem starken „Home Bias“, einer übermässigen Konzentration auf heimische Anlagen wie Schweizer Aktien, Immobilien und die Pensionskasse.

Man rät uns, zu diversifizieren, vielleicht etwas Gold beizumischen oder in Immobilien zu investieren. Doch diese Ratschläge kratzen nur an der Oberfläche und lassen die entscheidende Frage unbeantwortet: Ist dieser Schutzwall aus Schweizer Franken wirklich eine uneinnehmbare Festung oder entwickelt er sich schleichend zu einem goldenen Käfig, der uns wertvolle Renditechancen kostet? Was, wenn der starke Franken nicht nur ein Segen, sondern auch ein Risiko für die exportorientierten Unternehmen in unserem Depot ist?

Aber was, wenn die wahre strategische Nutzung des Frankens nicht in der Abschottung, sondern in seiner Funktion als Sprungbrett liegt? Dieser Artikel bricht mit der traditionellen Sichtweise. Wir betrachten den Schweizer Franken nicht als Endziel, sondern als den stabilen Franken-Anker, der es Ihnen ermöglicht, die Segel zu setzen und die profitableren Gewässer der globalen Märkte sicherer zu befahren. Es geht nicht darum, den Heimathafen zu verlassen, sondern ihn strategisch klug zu nutzen.

Wir werden gemeinsam analysieren, warum der Franken so stark ist, welche unsichtbaren Risiken ein zu hoher CHF-Anteil birgt und wie Sie eine Anlagestrategie entwickeln, die das Beste aus beiden Welten vereint: die Sicherheit des Frankens und das Wachstumspotenzial der Welt.

Warum ist der Schweizer Franken in Krisenzeiten der Fels in der Brandung für Ihr Vermögen?

Der Ruf des Schweizer Frankens als „sicherer Hafen“ ist kein Mythos, sondern das Ergebnis einer einzigartigen Kombination aus wirtschaftlicher Stabilität, politischer Neutralität und einer konsequenten Geldpolitik. Wenn globale Krisen das Vertrauen in andere Währungen wie den Euro oder den US-Dollar erschüttern, fliesst Kapital in die Schweiz, was den Franken stärkt. Dieser Mechanismus ist ein fundamentaler Schutz für in CHF gehaltenes Vermögen.

Ein zentraler Pfeiler dieser Stabilität ist die Schweizerische Nationalbank (SNB) und ihr unerschütterliches Bekenntnis zur Preisstabilität. Während andere Zentralbanken mit hoher Inflation kämpfen, agiert die SNB proaktiv. So zeigen Prognosen, dass die Schweiz auf dem besten Weg ist, eine extrem stabile und tiefe Inflationsrate zu erreichen. Die bedingte Inflationsprognose der SNB deutet auf eine mittelfristige Teuerung von nur 0,8% hin, ein Wert, von dem die Eurozone nur träumen kann. Diese niedrige Inflation schützt die Kaufkraft Ihres Vermögens direkt.

Schweizerische Nationalbank Gebäude mit Finanzcharts im Vordergrund

Diese Sonderstellung wird auch international anerkannt. Eine empirische Studie der Deutschen Bundesbank hat die Reaktionen verschiedener Währungen auf globale Schocks untersucht. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Analyse bestätigt, dass der Schweizer Franken und der US-Dollar als ‚Safe Haven‘-Währungen dienen. In Zeiten von Marktstress wertet der Franken systematisch auf und fungiert so als automatischer Puffer für Ihr Portfolio. Dieser Effekt ist der Kern des „Franken-Ankers“: eine stabile Basis, die Vermögen erhält, während anderswo Werte vernichtet werden.

Wie hoch sollte der CHF-Anteil in einem global diversifizierten Portfolio wirklich sein?

Die Erkenntnis, dass der Franken ein sicherer Hafen ist, verleitet viele Schweizer Anleger zur Annahme: Je mehr, desto besser. Doch diese Intuition ist trügerisch und führt oft zu einem übermässigen „Home Bias“. Die entscheidende Frage ist nicht, ob man in CHF investieren sollte, sondern wie hoch der Anteil sein darf, ohne die Rendite zu stark zu beeinträchtigen. Ein strategischer Ansatz ist hier entscheidend, um den CHF als Anker und nicht als Bremse zu nutzen.

Ein häufiger Fehler ist die isolierte Betrachtung des frei verfügbaren Vermögens. Ihr effektiver CHF-Anteil ist viel höher, da das Vermögen in der 2. Säule (Pensionskasse) und oft auch der 3. Säule grösstenteils in Franken angelegt ist. Diese bereits vorhandene, massive CHF-Position bildet einen sehr konservativen und stabilen Block in Ihrem Gesamtvermögen. Anstatt diesen Block im frei verfügbaren Vermögen zu duplizieren, sollten Sie ihn als Basis nutzen, um anderswo gezielt mehr Risiko für mehr Rendite einzugehen.

Die optimale Quote ist individuell, aber sie sollte das Ergebnis einer bewussten Analyse sein, nicht einer emotionalen Entscheidung. Ein zu hoher CHF-Anteil hat einen Preis. Eine Analyse von Swisscanto per Ende Februar 2024 zeigt, dass der globale Aktienmarkt (MSCI World) über die letzten 10 Jahre eine um 55% bessere Performance erzielte als der Schweizer Aktienmarkt (SMI). Wer also aus Sicherheitsgründen zu stark auf die Schweiz setzte, hat auf erhebliches Wachstum verzichtet. Der Schlüssel liegt darin, einen „strategischen Home Bias“ zu definieren, der genug Sicherheit bietet, aber Raum für globale Partizipation lässt.

Plan zur Ermittlung Ihrer effektiven CHF-Quote

  1. Gesamtvermögen erfassen: Listen Sie alle Vermögenswerte auf, einschliesslich frei verfügbares Depot, Kontoguthaben sowie die aktuellen Werte Ihrer 2. und 3. Säule.
  2. Vorhandenen CHF-Anteil berechnen: Ermitteln Sie den Franken-Anteil aus Ihrer Pensionskasse und Säule 3a. Dieser bildet Ihren Basis-Anker.
  3. Risikotoleranz definieren: Definieren Sie basierend auf Alter, Einkommenssicherheit und Anlagehorizont, wie viel Volatilität Sie im frei verfügbaren Teil Ihres Vermögens aushalten können.
  4. CHF-Quote anpassen: Passen Sie den CHF-Anteil im frei verfügbaren Vermögen so an, dass Ihr Gesamtvermögen Ihrer Risikotoleranz entspricht. Oft bedeutet dies, den CHF-Anteil hier zu reduzieren.
  5. Jährlich überprüfen und rebalancieren: Kontrollieren Sie die Allokation mindestens einmal pro Jahr und stellen Sie die ursprüngliche strategische Gewichtung wieder her.

Schweiz vs. Welt: Riskieren Sie Rendite, wenn Sie nur in heimische Werte investieren?

Die Antwort ist ein klares Ja. Ein übermässiger Fokus auf den Schweizer Aktienmarkt, so vertraut und solide er auch scheinen mag, birgt ein erhebliches Klumpenrisiko und führt fast zwangsläufig zu Opportunitätskosten in Form von entgangener Rendite. Der Schweizer Aktienmarkt macht, gemessen an der globalen Marktkapitalisierung, nur einen winzigen Bruchteil aus. Wer nur hier investiert, verzichtet auf das Wachstum der grössten und innovativsten Unternehmen weltweit.

Das Hauptproblem des Schweizer Aktienindex (SMI) ist seine extreme Konzentration. Die drei grössten Titel – Nestlé, Novartis und Roche – machen oft mehr als die Hälfte des gesamten Index aus. Ihr Portfolio ist damit weniger von der Schweizer Wirtschaft als Ganzes abhängig, sondern vielmehr vom Schicksal dreier globaler Giganten aus den Sektoren Nahrungsmittel und Pharma. Das ist keine echte Diversifikation. Fällt einer dieser Riesen, zieht er Ihr gesamtes „Schweiz-Portfolio“ mit nach unten.

Weltkarte mit Investitionsströmen aus der Schweiz

Im Gegensatz dazu bietet ein globales Portfolio, abgebildet etwa durch einen MSCI World ETF, eine breite Streuung über tausende von Unternehmen, Dutzende von Ländern und alle wichtigen Wirtschaftssektoren. Sie investieren in US-Tech-Giganten, deutsche Automobilhersteller, japanische Elektronikkonzerne und aufstrebende Unternehmen in Schwellenländern. Diese breite Diversifikation reduziert das Risiko, dass die Krise eines einzelnen Sektors oder Landes Ihr gesamtes Investment torpediert. Die bereits erwähnte Outperformance von 55% des MSCI World gegenüber dem SMI in den letzten zehn Jahren ist der finanzielle Beweis für die Kosten des Klumpenrisikos Schweiz. Der Franken-Anker im Portfolio sollte Ihnen gerade den Mut geben, dieses globale Potenzial zu erschliessen.

Das Risiko eines zu starken Frankens für Schweizer Industrie-Aktien im Portfolio

Während ein starker Franken für Sparer und Importeure ein Segen ist, stellt er für einen grossen Teil der Schweizer Wirtschaft eine erhebliche Belastung dar – insbesondere für die exportorientierte Industrie. Als Anleger in Schweizer Aktien sitzen Sie damit in einem Dilemma: Die Währung, die Ihr Vermögen schützen soll, schadet gleichzeitig der Profitabilität der Unternehmen in Ihrem Portfolio. Dies ist die Kehrseite der Medaille des „sicheren Hafens“.

Die Schweizer Tech-Industrie (ehemals MEM-Industrie) ist hierfür ein Paradebeispiel. Wie Swissmem hervorhebt, ist sie ein Eckpfeiler der Schweizer Wirtschaft. Die Schweizer Tech-Industrie mit über 330’000 Mitarbeitenden führt rund 80 Prozent ihrer Produkte aus. Ihre Kosten fallen grösstenteils in teuren Franken an, während die Einnahmen in schwächeren Währungen wie dem Euro oder Dollar erzielt werden. Jede Aufwertung des Frankens schmälert also direkt die Gewinnmargen oder zwingt die Unternehmen, ihre Preise zu erhöhen und so ihre Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt zu riskieren.

Die SNB navigiert hier in einem ständigen Spannungsfeld. Einerseits muss sie die Inflation in Schach halten, andererseits darf sie die Exportwirtschaft nicht abwürgen. Wie Swissmem in einer Medienmitteilung anerkennt, hat die SNB ihre primäre Aufgabe exzellent erfüllt:

Die SNB hat die Inflationsrate rasch und gut wieder unter die Grenze von 2% drücken können und damit Preisstabilität geschaffen.

– Swissmem, Medienmitteilung zur Franken-Aufwertung

Diese Preisstabilität wurde jedoch mit einem sehr starken Franken erkauft. Für Anleger bedeutet dies: Selbst wenn Sie in kerngesunde, innovative Schweizer Industrieunternehmen investieren, unterliegt Ihre Rendite einem erheblichen Währungsrisiko, das durch eine globale Diversifikation in Unternehmen, die in ihrer Heimatwährung fakturieren, gemindert werden kann.

Währungssicherung (Hedging) bei ETFs: Wann lohnt sich der Aufpreis für „CHF-Hedged“ Produkte?

Wenn man in globale Aktienmärkte investiert, zum Beispiel über einen S&P 500 ETF, ist man dem Währungsrisiko ausgesetzt. Fällt der US-Dollar gegenüber dem Schweizer Franken, verliert Ihre Anlage an Wert, selbst wenn der Aktienmarkt steigt. Um dieses Risiko zu eliminieren, bieten viele Emittenten währungsgesicherte Produkte an, erkennbar am Zusatz „CHF Hedged“. Diese ETFs nutzen Finanzinstrumente, um die Auswirkungen von Währungsschwankungen zu neutralisieren. Doch dieser Service ist nicht gratis.

Die Währungsabsicherung verursacht zusätzliche Kosten, die sich in einer höheren Verwaltungsgebühr (TER) niederschlagen. Diese zusätzlichen Kosten können, je nach ETF, zwischen 0.03% und 0.10% pro Jahr betragen. Das klingt nach wenig, summiert sich aber über die Jahre und schmälert Ihre langfristige Rendite. Ob sich dieser Aufpreis lohnt, hängt von mehreren Faktoren ab, insbesondere von Ihrem Anlagehorizont und Ihrer bestehenden Portfolio-Struktur.

Für langfristige Anleger mit einem Horizont von über 10-15 Jahren ist Hedging oft nicht notwendig. Historisch gesehen neigen Währungsschwankungen dazu, sich über lange Zeiträume auszugleichen. Die permanenten Kosten der Absicherung fressen dann einen Teil der potenziellen Rendite auf, ohne einen signifikanten Mehrwert zu bieten. Für kurz- bis mittelfristige Anlagen (weniger als 5 Jahre) kann Hedging jedoch sinnvoll sein, um unliebsame Überraschungen durch plötzliche Währungsschwankungen zu vermeiden. Ein weiterer Faktor sind die Zinsdifferenzen zwischen den Währungsräumen. Ist der Zinssatz im Ausland (z.B. USA) höher als in der Schweiz, wird die Absicherung teurer. Aktuell ist dieser Effekt spürbar.

Hier sind einige Entscheidungskriterien für oder gegen eine Währungsabsicherung:

  • Kosten: Vergleichen Sie die TER eines normalen ETFs mit der des „CHF Hedged“-Pendants. Ist Ihnen die Risikoreduktion den Aufpreis wert?
  • Anlagehorizont: Je länger Ihr Anlagehorizont, desto weniger relevant wird das Währungsrisiko und desto weniger sinnvoll ist eine Absicherung.
  • Bestehende CHF-Position: Wenn Sie durch Ihre Pensionskasse bereits einen hohen Franken-Anteil haben, agiert dieser als Puffer. Sie können es sich dann eher leisten, im Ausland ungesichert zu investieren.
  • Markterwartung: Erwarten Sie einen stark steigenden Franken (z.B. in einer akuten Euro-Krise), kann eine Absicherung kurzfristig attraktiv sein.

Aktien, Gold oder Immobilien: Welcher Sachwert ist historisch der beste Inflationsschutz?

In Zeiten steigender Preise suchen Anleger nach Sachwerten, die ihre Kaufkraft erhalten. Die klassischen Kandidaten sind Aktien, Gold und Immobilien. Doch wie schlagen sie sich im Vergleich, insbesondere im einzigartigen Schweizer Kontext, wo der starke Franken selbst schon ein potenter Inflationsschutz ist? Die Antwort ist nicht immer die, die man erwartet.

Gold gilt als der ultimative Krisenschutz. Es hat keine Korrelation zu Aktien und Anleihen und neigt dazu, in Phasen von Hyperinflation oder Systemkrisen zu glänzen. Sein Nachteil: Es wirft keine laufenden Erträge ab (keine Zinsen, keine Dividenden) und seine Wertentwicklung kann über lange Phasen stagnieren. Immobilien bieten Schutz durch indexierte Mieten und Wertsteigerung des Bodens, sind aber illiquide, mit hohen Transaktionskosten verbunden und erfordern erhebliches Kapital. In der Schweiz kommt das Klumpenrisiko hinzu, da eine Immobilie an einen einzigen Standort gebunden ist.

Gold, Immobilien und Aktien als Inflationsschutz visualisiert

Aktien, insbesondere von globalen Unternehmen mit Preissetzungsmacht, sind historisch gesehen einer der besten Inflationsschutze. Solche Unternehmen können gestiegene Kosten an ihre Kunden weitergeben und so ihre Gewinne und Dividenden steigern. Während kurzfristig die Volatilität hoch sein kann, haben Aktien langfristig das Potenzial, die Inflation deutlich zu übertreffen. Für Schweizer Anleger kommt hier aber der entscheidende Punkt ins Spiel: Der Schweizer Franken selbst agiert als eingebauter Inflationsschutz. Die SNB hat in der Vergangenheit bewiesen, dass sie bereit ist, den Franken gezielt aufwerten zu lassen, um importierte Inflation zu bekämpfen. Im Jahr 2023 zum Beispiel verkaufte sie Fremdwährungen im Wert von rund 133 Mrd. CHF, um die Teuerung aus dem Ausland abzufedern. Dies führte zu einer deutlich tieferen Inflation in der Schweiz (rund 1,1% in 2024 prognostiziert) als in der Eurozone oder den USA. Ein in CHF gehaltenes Vermögen ist also bereits von Natur aus besser gegen globale Inflation geschützt.

Warum gelten Nestlé, Roche und Novartis als defensive Anker in jedem Schweizer Depot?

Für Generationen von Schweizer Anlegern war die Sache klar: Ein Depot ohne die „grossen Drei“ – Nestlé, Roche und Novartis – war unvollständig. Diese Unternehmen gelten als defensiv, da ihre Produkte (Nahrungsmittel, Medikamente) auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nachgefragt werden. Sie zahlen verlässliche Dividenden und repräsentieren Schweizer Qualität und Stabilität. Diese Wahrnehmung ist so stark, dass sie oft als risikolose Basis-Investition angesehen werden. Doch diese Sichtweise ist gefährlich und ignoriert die Realität der modernen Finanzmärkte.

Das Hauptproblem ist, dass der Kauf einzelner Aktien, selbst von scheinbar unerschütterlichen Giganten, eine Wette ist – kein diversifiziertes Investment. Die Unternehmensentwicklung, Managemententscheidungen oder der Ablauf eines wichtigen Patents können den Kurs empfindlich treffen, unabhängig von der allgemeinen Marktlage. Die jüngste Vergangenheit liefert hierfür ein Lehrbuchbeispiel, wie eine Analyse der Performance von Schweizer Blue Chips zeigt: Hätte man vor einem Jahr ausschliesslich in Genussscheine von Roche investiert, wäre die Anlage heute rund 15 Prozent weniger wert. Im gleichen Zeitraum hätte eine Investition in Logitech ein Plus von über 50 Prozent erzielt. Dies zeigt das enorme Risiko der Einzelwert-Selektion.

Der wahre defensive Anker ist nicht die Einzelaktie, sondern die breite Diversifikation. Anstatt auf wenige Champions zu wetten, sollte man auf den gesamten Markt setzen. Der Swiss Performance Index (SPI), der eine viel breitere Abdeckung des Schweizer Marktes bietet als der SMI, ist hier die bessere Wahl. Seine langfristige Performance belegt die Kraft der Diversifikation. Die Analyse des SPI zeigt eine durchschnittliche Jahresrendite von 6,5% über 20 Jahre, inklusive aller Krisen. Nestlé, Roche und Novartis sind grossartige Unternehmen, aber sie sind kein Ersatz für eine echte, breit gestreute Anlagestrategie. Sie sind Teil des Marktes, nicht der Markt selbst.

Zu merkende Punkte

  • Der „Home Bias“ ist das grösste Risiko für Schweizer Anleger; globale Diversifikation führt langfristig zu deutlich höherer Rendite.
  • Nutzen Sie Ihr Pensionskassenvermögen als mentalen „Franken-Anker“, der Ihnen erlaubt, im frei verfügbaren Vermögen mutiger global zu investieren.
  • Ein starker Franken schadet der Schweizer Exportindustrie, was ein inhärentes Risiko für ein rein auf Schweizer Aktien ausgerichtetes Portfolio darstellt.

Wie finden Sie das perfekte Mischverhältnis von Aktien und Obligationen für Ihre Risikotoleranz?

Nachdem wir die Rolle des Frankens und die Notwendigkeit der globalen Diversifikation geklärt haben, stellt sich die letzte grosse Frage: Wie soll das Portfolio konkret aufgeteilt werden? Das klassische Mischverhältnis zwischen wachstumsorientierten, aber volatilen Aktien und stabilisierenden, aber renditeschwachen Obligationen (oder Cash) ist der Dreh- und Angelpunkt jeder Anlagestrategie. Die perfekte Mischung ist zutiefst persönlich und hängt von drei Faktoren ab: Ihrer Risikofähigkeit, Ihrer Risikotoleranz und Ihrem Anlagehorizont.

Die Risikofähigkeit ist ein objektives Mass: Können Sie es sich finanziell leisten, Geld zu verlieren? Sie hängt von Ihrem Einkommen, Ihren Ausgaben und Ihrem gesamten Vermögen ab. Die Risikotoleranz hingegen ist rein psychologisch: Wie ruhig schlafen Sie, wenn Ihr Depot in einer Krise 20% an Wert verliert? Eine ehrliche Selbsteinschätzung ist hier unerlässlich. Der Anlagehorizont ist die Zeit, die Ihnen bis zum geplanten Zugriff auf das Geld bleibt. Je länger dieser Horizont, desto mehr Risiko können Sie eingehen, da Sie Zeit haben, Marktabschwünge auszusitzen.

Eine von Anlageexperten oft genutzte Faustregel zeigt folgenden Zusammenhang zwischen Anlagehorizont und empfohlener Aktienquote auf:

Risikoprofil nach Anlagehorizont
Anlagehorizont Empfohlene Aktienquote Obligationen/Cash Volatilität
< 3 Jahre 0-30% 70-100% Niedrig
3-10 Jahre 30-60% 40-70% Mittel
> 10 Jahre 60-80% 20-40% Hoch

Für Schweizer Anleger ist es wieder entscheidend, das Gesamtvermögen zu betrachten. Da die AHV und die Pensionskasse bereits einen sehr grossen, konservativen und quasi-obligationenähnlichen Block darstellen, können Sie es sich im frei verfügbaren Vermögen oft leisten, eine höhere Aktienquote zu fahren, als es die Standardmodelle suggerieren. Ihre persönliche Anlagestrategie ist somit das Resultat aus der Analyse Ihres Franken-Ankers, Ihrer globalen Ausrichtung und Ihrer individuellen Risikopräferenz.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Entwicklung einer Strategie, die zu Ihnen passt. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihr persönliches, optimales Mischverhältnis zu definieren.

Die strategische Nutzung des Schweizer Frankens erfordert ein Umdenken: Weg vom emotionalen Festhalten am „Home Bias“, hin zu einer intelligenten Architektur Ihres Gesamtvermögens. Indem Sie den Franken als das anerkennen, was er ist – ein unübertroffener Stabilitätsanker –, schaffen Sie die Voraussetzung, um weltweit nach Rendite zu suchen. Beginnen Sie noch heute damit, Ihr Portfolio unter diesen Gesichtspunkten zu analysieren und das volle Potenzial Ihres Vermögens zu entfesseln.

Geschrieben von Andreas Vogt, Promovierter Makroökonom (Dr. oec.) und unabhängiger Anlagestratege. Spezialist für Geldpolitik, Zinsmärkte und Währungsabsicherung.