Veröffentlicht am Mai 17, 2024

Der beste Preis für Ihre Aktie hängt nicht nur von Ihrem Timing ab, sondern von Ihrem Verständnis der unsichtbaren Börsenmechanik.

  • Die „Geld-Brief-Spanne“, nicht die Courtage, ist oft der grösste Kostenfaktor, besonders bei Schweizer Nebenwerten.
  • Die Wahl des Börsenplatzes – SIX, BX Swiss oder eine ausländische Börse – hat direkte Auswirkungen auf Ihre Gesamtkosten, inklusive der Stempelabgabe.

Empfehlung: Nutzen Sie konsequent Limit-Orders und analysieren Sie das Handelsvolumen, bevor Sie eine Order platzieren.

Sie haben eine vielversprechende Aktie analysiert, sind von ihrem Potenzial überzeugt und klicken in Ihrer Trading-App auf „Kaufen“. Doch der Betrag, der schliesslich von Ihrem Konto abgebucht wird, ist höher als der angezeigte Kurs. Diese Diskrepanz, oft nur wenige Rappen, manchmal aber auch ganze Prozente, ist für viele Einsteiger eine Quelle der Frustration. Sie ist der erste Hinweis darauf, dass der Aktienmarkt mehr ist als eine einfache Preisliste. Er ist ein lebendiger Organismus mit eigenen Regeln, Kosten und Akteuren, die im Verborgenen agieren.

Die üblichen Ratschläge sind schnell zur Hand: „Nutzen Sie Limit-Orders statt Markt-Orders“ oder „Achten Sie auf die Gebühren Ihres Brokers“. Das ist zwar richtig, kratzt aber nur an der Oberfläche. Es ist, als würde man einem angehenden Piloten sagen, er solle einfach nur am Steuerknüppel ziehen. Die wahre Meisterschaft und die Kontrolle über Ihre Investitionen erlangen Sie erst, wenn Sie die darunterliegende Maschinerie verstehen – die Markt-Mikrostruktur. Der „Preis“ einer Aktie ist nicht nur eine Zahl, sondern das dynamische Ergebnis eines ständigen Wettbewerbs um Liquidität, Angebot und Nachfrage.

Doch was, wenn die wahre Kunst nicht darin besteht, einfach nur blind Ratschläge zu befolgen, sondern die Mechanismen der Preisbildung zu durchschauen und für sich zu nutzen? Was, wenn Sie die „unsichtbaren Kosten“ nicht nur minimieren, sondern gezielt zu Ihrem Vorteil einsetzen könnten? Genau das ist das Ziel dieses Artikels. Wir werden nicht nur erklären, was passiert, wenn Sie auf „Kaufen“ klicken, sondern Sie in die Rolle eines informierten Marktteilnehmers versetzen. Wir entschlüsseln die Geheimnisse der Geld-Brief-Spanne, zeigen Ihnen die strategische Bedeutung der Wahl des richtigen Schweizer Börsenplatzes und geben Ihnen die Werkzeuge an die Hand, um Ihre Orders mit der Präzision eines Profis zu platzieren.

Dieser Leitfaden führt Sie schrittweise durch die entscheidenden Aspekte der Orderausführung. Sie erfahren, wie Sie die häufigsten und teuersten Fehler vermeiden und Ihre Handelsstrategie auf ein neues Level heben.

Warum zahlen Sie bei illiquiden Nebenwerten 2% mehr als den angezeigten Kurs?

Der wohl am häufigsten übersehene Kostenfaktor beim Aktienhandel ist nicht die Courtage Ihres Brokers, sondern die sogenannte Geld-Brief-Spanne (Bid-Ask Spread). Dies ist die Differenz zwischen dem höchsten Preis, den Käufer zu zahlen bereit sind (Geldkurs/Bid), und dem niedrigsten Preis, zu dem Verkäufer zu verkaufen bereit sind (Briefkurs/Ask). Wenn Sie eine Aktie „bestens“ kaufen, kaufen Sie zum Briefkurs, der immer höher ist als der angezeigte Mittelkurs oder der letzte gehandelte Preis. Beim Verkauf erhalten Sie den niedrigeren Geldkurs. Diese Spanne ist die direkte Einnahmequelle für Market Maker, die für Liquidität im Markt sorgen.

Die Grösse dieser Spanne hängt direkt von der Liquidität des gehandelten Wertpapiers ab. Bei Blue-Chip-Aktien aus dem SMI, die millionenfach pro Tag gehandelt werden, ist die Spanne minimal und liegt oft unter 0,1 %. Bei illiquiden Nebenwerten, beispielsweise aus dem Schweizer SPI Extra Index, sieht die Welt ganz anders aus. Hier ist es keine Seltenheit, dass die Spanne deutlich höher ausfällt. Eine detaillierte Analyse zeigt, dass bei illiquiden Small-Cap-Aktien Spreads von 2-5 % üblich sind. Das bedeutet konkret: Wenn Sie eine solche Aktie mit einem angezeigten Kurs von 100 CHF kaufen, kann Ihr tatsächlicher Kaufpreis sofort bei 102 CHF oder sogar 105 CHF liegen. Ihre Position startet also bereits mit einem signifikanten Verlust, den Sie erst wieder aufholen müssen.

Dieses Phänomen ist der Liquiditäts-Malus: Sie zahlen einen Aufpreis für die Schwierigkeit, einen Handelspartner in einem „dünnen“ Markt zu finden. Bevor Sie also in einen Nebenwert investieren, ist der Blick auf die aktuelle Geld-Brief-Spanne ebenso wichtig wie die Analyse der fundamentalen Unternehmensdaten. Eine hohe Spanne ist ein klares Warnsignal für geringe Liquidität und potenziell hohe versteckte Kosten.

Wie füllen Sie eine Ordermaske korrekt aus, um Fehlkäufe zu vermeiden?

Die Ordermaske ist das Cockpit Ihres Handels. Jeder Klick und jede Eingabe hat direkte finanzielle Konsequenzen. Ein Tippfehler bei der Stückzahl oder die Wahl des falschen Börsenplatzes kann zu teuren Fehlern führen. Als Market Maker sehe ich täglich, wie mangelnde Sorgfalt zu suboptimalen Ausführungen führt. Um dies zu vermeiden, ist eine systematische und disziplinierte Vorgehensweise unerlässlich. Behandeln Sie jede Orderaufgabe wie die Checkliste eines Piloten vor dem Start – präzise und ohne Eile.

Das wichtigste Feld neben der Stückzahl ist die ISIN (International Securities Identification Number). Sie ist die eindeutige Identifikationsnummer eines Wertpapiers. Verwechseln Sie zwei Aktien mit ähnlichen Namen, kaufen Sie möglicherweise ein völlig anderes Unternehmen. Kontrollieren Sie daher immer die ISIN, nicht nur den Namen. Ebenso kritisch ist die Wahl des Börsenplatzes. Wie wir später sehen werden, hat dies gerade für Schweizer Anleger erhebliche Auswirkungen auf Gebühren wie die Stempelabgabe. Achten Sie auch auf die Währung der Order und kalkulieren Sie allfällige Umrechnungskosten mit ein, wenn Sie eine ausländische Aktie in CHF handeln.

Die Konzentration auf die Details in der Ordermaske ist keine bürokratische Übung, sondern ein zentraler Bestandteil des Risikomanagements. Nehmen Sie sich die Zeit, jede Eingabe zu überprüfen, bevor Sie den finalen Klick tätigen.

Händlerhände tippen auf unsichtbarer Tastatur mit verschwommenem Bildschirm

Wie auf diesem Bild angedeutet, erfordert die Eingabe höchste Präzision. Jedes Detail, vom Ordertyp bis zur Gültigkeit (tagesgültig oder unbefristet), muss bewusst gewählt werden. Eine unachtsam platzierte Order kann im schlimmsten Fall zu einem Kauf zu einem völlig überhöhten Preis oder einem unbeabsichtigten Verkauf führen. Die Kontrolle über diese Parameter ist der erste Schritt zur Kontrolle über Ihr Investment.

Bestens oder Limitiert: Warum Sie niemals eine Marktorder in einem volatilen Markt nutzen sollten

Die Wahl zwischen einer Markt-Order (auch „Bestens-Order“) und einer Limit-Order ist die fundamentalste strategische Entscheidung bei jeder Transaktion. Eine Markt-Order garantiert Ihnen die sofortige Ausführung, aber sie garantiert Ihnen keinen bestimmten Preis. Sie kaufen oder verkaufen zum nächstbesten verfügbaren Kurs. In einem liquiden, stabilen Markt ist die Abweichung oft minimal. In einem volatilen oder dünnen Markt ist es jedoch ein unkalkulierbares Risiko.

Stellen Sie sich eine Aktie vor, deren Kurs schnell fällt (ein „Flash Crash“). Sie platzieren eine Verkaufs-Markt-Order bei einem angezeigten Kurs von 100 CHF. Bis Ihre Order jedoch den Markt erreicht und einen Käufer findet, kann der Kurs bereits auf 95 CHF oder sogar tiefer gefallen sein. Sie verkaufen also weit unter dem von Ihnen erwarteten Preis. Eine Markt-Order ist eine Blankovollmacht an den Markt, Ihre Aktien zu jedem beliebigen Preis loszuwerden. Umgekehrt kann eine Kauf-Markt-Order bei einer plötzlich stark steigenden Aktie zu einem viel zu teuren Einstieg führen.

Die Limit-Order ist Ihr Schutzschild. Sie definieren einen maximalen Kaufpreis oder einen minimalen Verkaufspreis. Die Order wird nur ausgeführt, wenn der Markt diesen Preis (oder einen besseren) erreicht. Der Nachteil: Die Ausführung ist nicht garantiert. Liegt Ihr Kauflimit zu niedrig, kann es sein, dass Sie die Aktie verpassen. Dieser Kompromiss – Preissicherheit gegen Ausführungswahrscheinlichkeit – ist jedoch in den meisten Fällen ein kluger Tausch. Die Kontrolle über den Preis ist für einen Privatanleger weitaus wichtiger als die sofortige Ausführung um jeden Preis.

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Ordertypen zusammen, um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern.

Vergleich der wichtigsten Ordertypen
Ordertyp Vorteile Nachteile Empfehlung
Marktorder Sofortige Ausführung garantiert Preis ungewiss, besonders bei volatilen Märkten Nur bei sehr liquiden Titeln
Limitorder Maximaler Kaufpreis festgelegt Ausführung nicht garantiert Standardwahl für die meisten Trades
Stop-Loss Verlustbegrenzung Kann bei Gaps übersprungen werden Zur Absicherung bestehender Positionen
Stop-Limit Kombiniert Vorteile von Stop und Limit Komplexer in der Handhabung Bei volatilen Märkten

Das Problem der „dünnen“ Märkte: Wenn Sie Ihre Aktien nicht mehr loswerden

Liquidität ist wie die Luft zum Atmen an der Börse: Man bemerkt sie erst, wenn sie fehlt. Ein „dünner“ oder illiquider Markt ist dadurch gekennzeichnet, dass es nur sehr wenige Käufer und Verkäufer gibt. Das Handelsvolumen ist gering. Dieses Problem betrifft vor allem kleine Unternehmen (Small Caps) und ist in der Schweiz besonders bei Titeln ausserhalb des SMI-Index verbreitet. Marktdaten der SIX zeigen, dass über 30 % der SPI Extra Titel ein tägliches Handelsvolumen unter 100’000 CHF aufweisen. Dies ist ein erschreckend niedriger Wert.

Das Hauptproblem in einem solchen Markt ist nicht nur die hohe Geld-Brief-Spanne beim Einstieg, sondern vor allem der Ausstieg. Wenn Sie eine grössere Position in einer illiquiden Aktie halten und verkaufen möchten, finden Sie möglicherweise einfach keine Käufer zu einem fairen Preis. Jeder Verkaufsversuch drückt den Kurs weiter nach unten. Sie sind in Ihrer eigenen Position gefangen. Der Versuch, eine grosse Verkaufsorder auf einen Schlag zu platzieren, würde das Orderbuch „leeren“ und zu einem Kurssturz führen.

Die Lösung erfordert Geduld und Strategie. Anstatt alles auf einmal zu verkaufen, müssen Sie Ihre Position in kleine Tranchen aufteilen und diese über mehrere Tage oder sogar Wochen hinweg am Markt platzieren. Eine gute Faustregel ist, dass eine einzelne Order nicht mehr als 5-10% des durchschnittlichen Tagesvolumens ausmachen sollte. Verwenden Sie dabei gestaffelte Limit-Orders, um den Preis nicht unnötig unter Druck zu setzen. In manchen Fällen kann auch der ausserbörsliche Handel (OTC) eine letzte Option sein, um einen Käufer zu finden, oft aber mit einem erheblichen Preisabschlag.

Xetra, SIX oder NYSE: An welchem Börsenplatz handeln Sie Ihre Titel am günstigsten?

Die meisten grossen internationalen Aktien werden an mehreren Börsenplätzen gehandelt. Eine Nestlé-Aktie können Sie an der SIX in Zürich, aber auch an der Xetra in Frankfurt oder als ADR an der NYSE in New York kaufen. Für Schweizer Anleger ist die Wahl des Handelsplatzes keine Nebensächlichkeit, sondern eine wichtige Kostenentscheidung. Drei Faktoren spielen dabei eine Rolle: die Courtage des Brokers, die Börsengebühren und vor allem die eidgenössische Stempelabgabe.

Die Stempelabgabe ist eine Schweizer Besonderheit. Beim Handel über einen inländischen Effektenhändler (wie die meisten Schweizer Banken und Broker) fällt auf jeden Kauf und Verkauf eine Umsatzabgabe an. Diese beträgt 0,075 % für inländische und 0,15 % für ausländische Wertpapiere. Handeln Sie also eine Schweizer Aktie an der SIX, zahlen Sie 0,075 %. Kaufen Sie dieselbe Aktie an der Xetra, werden 0,15 % fällig. Dazu kommen oft höhere Courtagen für Auslandsbörsen und potenziell ungünstige Währungsumrechnungskosten, wenn die Aktie nicht in CHF notiert ist.

Makroaufnahme von Schweizer Franken Münzen mit unscharfem Hintergrund

Der Grundsatz „trade at home“ ist daher für Schweizer Anleger meist die günstigste Variante. Schweizer Aktien sollten an der SIX gehandelt werden, deutsche Aktien an der Xetra und US-Aktien an der NYSE oder NASDAQ. Jede Abweichung davon sollte gut begründet sein, zum Beispiel durch signifikant höhere Liquidität an einem ausländischen Handelsplatz, was aber selten der Fall ist.

Die folgende Tabelle, basierend auf einer Analyse der typischen Kostenstrukturen, verdeutlicht die Unterschiede für einen Schweizer Anleger bei einer Order im Wert von 1000 CHF.

Kostenvergleich verschiedener Börsenplätze für Schweizer Anleger
Börsenplatz Courtage Stempelabgabe FX-Kosten Gesamtkosten (1000 CHF Order)
SIX (CHF-Aktien) 0.10% 0.075% 0% 1.75 CHF
SIX (EUR-Aktien) 0.10% 0.15% 0.5-1% 7.50 CHF
Xetra 0.25% 0.15% 0.5-1% 9.00 CHF
NYSE 0.50% 0.15% 0.5-1.5% 11.50 CHF

SIX Swiss Exchange oder BX Swiss: Wo erhalten Sie den besseren Kurs für Schweizer Titel?

Für den Handel mit Schweizer Aktien stehen Anlegern in der Schweiz primär zwei Börsen zur Verfügung: die etablierte, grosse SIX Swiss Exchange und die kleinere, agilere BX Swiss in Bern. Die landläufige Meinung ist, dass die SIX immer die bessere Wahl ist, aber die Realität ist differenzierter. Die Entscheidung hängt stark von der Art der Aktie ab, die Sie handeln möchten.

Für die Blue-Chip-Aktien aus dem SMI (Swiss Market Index) wie Nestlé, Roche oder Novartis ist die SIX unangefochten die erste Wahl. Die Liquidität ist hier um ein Vielfaches höher, was zu sehr engen Geld-Brief-Spannen und einer schnellen Ausführung führt. Hier an der BX Swiss zu handeln, wäre in der Regel ein Fehler. Anders sieht es bei mittelgrossen und kleineren Schweizer Unternehmen aus. Die BX Swiss arbeitet mit einem System von Market Makern, die verpflichtet sind, permanent An- und Verkaufskurse (Quotes) zu stellen. Dies kann in illiquideren Titeln für eine künstlich erhöhte Liquidität und engere Spannen sorgen, als sie an der SIX zur gleichen Zeit verfügbar wären.

Eine Analyse der Liquidität zeigt: Eine mittelgrosse Schweizer Aktie, die an der SIX ein Tagesvolumen von 5 Mio. CHF hat, kann an der BX Swiss durch die garantierten Quotes der Market Maker einen um bis zu 0,2 % besseren Kurs aufweisen. Es lohnt sich also, vor einer Order die Kurse und Volumina an beiden Börsen zu vergleichen, sofern Ihr Broker den Zugang zu beiden Plätzen anbietet. Auch die erweiterten Handelszeiten der BX Swiss können ein Vorteil sein.

Ihr Plan zur Börsenwahl: Entscheidende Punkte

  1. Volumen prüfen: Analysieren Sie das durchschnittliche Tagesvolumen des Titels an beiden Börsen für die letzten 30 Tage.
  2. Spannen vergleichen: Beobachten Sie die aktuellen Geld-Brief-Spannen in Echtzeit auf beiden Plattformen, bevor Sie die Order platzieren.
  3. Handelszeiten berücksichtigen: Prüfen Sie, ob die erweiterten Handelszeiten der BX Swiss für Ihre Strategie einen Vorteil bieten.
  4. Gesamtkosten kalkulieren: Berücksichtigen Sie neben dem Kurs auch die spezifischen Börsengebühren, die sich unterscheiden können.
  5. Broker-Zugang sicherstellen: Vergewissern Sie sich, dass Ihr Online-Broker den Handel an beiden Börsenplätzen kostengünstig ermöglicht.

Wie setzen Sie Abstauber-Limiten, um Aktien automatisch zum Wunschpreis zu kaufen?

Eine Limit-Order ist nicht nur ein defensives Werkzeug zur Preiskontrolle, sondern kann auch offensiv eingesetzt werden. Die sogenannte „Abstauber-Limite“ ist eine Kauf-Limit-Order, die bewusst deutlich unter dem aktuellen Marktpreis platziert wird. Die Idee dahinter ist, von kurzfristigen Marktschwankungen oder übertriebenen Kursrückgängen automatisch zu profitieren, ohne ständig den Markt beobachten zu müssen.

Die Kunst besteht darin, das Limit strategisch zu platzieren. Ein guter Ansatz ist die Kombination aus technischer und fundamentaler Analyse. Suchen Sie nach wichtigen technischen Unterstützungslinien im Chart, wie zum Beispiel dem gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Tage. Ein Limit knapp über einer solchen Linie kann ein guter Einstiegspunkt sein. Kombinieren Sie dies mit fundamentalen Kriterien: Ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Aktie nach einem Rückgang unter den Durchschnitt des Gesamtmarktes (z.B. des SPI) gefallen? Dies kann ein zusätzliches Signal sein. In einem normal volatilen Markt kann ein Limit 5-10 % unter dem aktuellen Kurs ein guter Richtwert sein.

Wichtig ist, solche Orders mit einer langen Gültigkeit zu versehen, z.B. „Good Till Canceled“ (GTC), aber dennoch regelmässig zu überprüfen. Insbesondere vor der Veröffentlichung von Quartalszahlen oder anderen wichtigen Nachrichten sollten Sie Ihre offenen Orders anpassen oder löschen, um nicht in ein „fallendes Messer“ zu greifen. Ein plötzlicher Kurssturz hat oft fundamentale Gründe. Wie ein Finanzmarktexperte der Neuen Zürcher Zeitung treffend warnt:

Eine tief angesetzte Abstauber-Limite kann zur Falle werden, wenn fundamentale Probleme und nicht nur eine Marktkorrektur der Grund für den Kurssturz sind.

– Finanzmarktexperte der NZZ, Neue Zürcher Zeitung Finanzen

Blockieren Sie auch nie Ihr gesamtes verfügbares Kapital mit Abstauber-Limiten. Eine gute Regel ist, maximal 50 % des für Investitionen vorgesehenen Kapitals in offenen Kauf-Orders zu binden, um bei anderen Gelegenheiten handlungsfähig zu bleiben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Geld-Brief-Spanne ist ein entscheidender Kostenfaktor, der bei illiquiden Schweizer Nebenwerten oft mehrere Prozentpunkte beträgt.
  • Limit-Orders sind das wichtigste Werkzeug zur Preiskontrolle. Markt-Orders sollten in volatilen oder dünnen Märkten konsequent vermieden werden.
  • Für Schweizer Anleger ist die Wahl des Handelsplatzes (SIX vs. BX Swiss) und die Berücksichtigung der Stempelabgabe essenziell für die Kostenoptimierung.

Wie erkennen Sie seriöse Handelsplattformen und schützen sich vor Finanzbetrug?

All das Wissen über Orderarten und Marktmechanismen ist wertlos, wenn Ihr Kapital auf einer unseriösen Plattform liegt. Die Wahl eines vertrauenswürdigen Brokers oder einer Bank ist das Fundament für sicheres Investieren. Gerade in der Schweiz gibt es klare Kriterien, an denen Sie einen seriösen Anbieter erkennen können. Der wichtigste Faktor ist die Regulierung durch die FINMA (Eidgenössische Finanzmarktaufsicht).

Ein Broker, der eine FINMA-Bewilligung besitzt, unterliegt strengen gesetzlichen Auflagen. Dazu gehört die Einlagensicherung: Ihre Bareinlagen sind im Konkursfall der Bank bis zu einem Betrag von 100’000 CHF pro Kunde geschützt. Ihre Wertpapiere werden als Sondervermögen getrennt vom Vermögen der Bank gehalten und fallen nicht in die Konkursmasse. Sie können im öffentlichen Register der FINMA jederzeit überprüfen, ob ein Anbieter lizenziert ist. Anbieter ohne FINMA-Lizenz, die oft mit Sitz im Ausland und aggressiver Werbung agieren, bieten diesen Schutz nicht.

Weitere Warnsignale für unseriöse Plattformen sind unrealistische Renditeversprechen (alles über 20 % pro Jahr ist höchst verdächtig), eine intransparente Gebührenstruktur und aggressiver Druck am Telefon. Ein seriöser Anbieter wird alle Kosten klar und verständlich ausweisen und Sie niemals zu einer schnellen Entscheidung drängen. Die FINMA selbst publiziert regelmässig eine Warnliste mit Anbietern, gegen die sie ermittelt oder vor denen sie warnt. Ein Blick auf diese Liste ist vor jeder Kontoeröffnung Pflicht. Ein guter Kundensupport in einer der Landessprachen ist ebenfalls ein Zeichen von Seriosität und Erreichbarkeit im Problemfall.

Die Sicherheit Ihres Kapitals hat oberste Priorität. Nehmen Sie sich Zeit für die Überprüfung, um einen vertrauenswürdigen Partner für Ihre Investitionen zu finden.

Um diese Prinzipien anzuwenden, beginnt der nächste logische Schritt mit der Überprüfung der Gebührenstruktur und der Handelsplatzanbindung Ihres aktuellen Brokers. Stellen Sie sicher, dass Ihre Plattform die Werkzeuge bietet, die Sie für eine informierte Auftragsausführung benötigen.

Geschrieben von Thomas Keller, CFA-Chartholder und Senior Portfolio Manager mit 12 Jahren Erfahrung im Asset Management bei Schweizer Grossbanken. Spezialisiert auf Aktienstrategien, ETFs und Core-Satellite-Portfolios.