Veröffentlicht am Mai 17, 2024

Die Wahl zwischen physischen und synthetischen ETFs hängt weniger vom Label als vom zugrundeliegenden Index und Ihrer Steuersituation als Schweizer Anleger ab.

  • Physische ETFs bieten direktes Eigentum an den Aktien und sind ideal für einfache, liquide Indizes wie den SMI.
  • Synthetische ETFs können durch den Verzicht auf Dividenden-Besteuerung (z.B. bei US-Aktien) erhebliche Kostenvorteile bieten und bilden illiquide Märkte präziser ab.

Empfehlung: Für den Schweizer Aktienmarkt (SMI/SPI) ist ein physischer ETF mit Domizil Schweiz meist die beste Wahl. Für einen US-Index wie den S&P 500 ist ein synthetischer ETF für Schweizer Anleger oft die deutlich kosteneffizientere Lösung.

Als Anleger stehen Sie vor einer Wand aus Informationen. Sie haben den perfekten Index für Ihr Portfolio gefunden, doch im Factsheet des ETFs stossen Sie auf Begriffe wie „physische Replikation“ oder „synthetisch (Swap-basiert)“. Sofort schrillen die Alarmglocken. „Physisch“ klingt sicher und greifbar, wie Gold in einem Tresor. „Synthetisch“ hingegen wirkt künstlich, komplex und riskant. Die gängige Meinung bestätigt dieses Gefühl oft: Physische ETFs seien die sichere Standardwahl, während synthetische ETFs ein unnötiges Risiko darstellen.

Doch diese vereinfachte Sichtweise übersieht entscheidende Details, die für Sie als Schweizer Anleger den Unterschied zwischen einer guten und einer optimalen Rendite ausmachen können. Die wahre Entscheidungsgrundlage liegt nicht im Namen der Replikationsmethode, sondern in den unsichtbaren Mechanismen dahinter. Es geht um die tatsächlichen Gesamtkosten, die steuerlichen Besonderheiten der Schweiz und die effektiven, durch strenge Regularien minimierten Risiken.

Dieser Artikel führt Sie gezielt durch die Maschinenräume beider ETF-Arten. Wir demystifizieren das Kontrahentenrisiko, beleuchten die versteckten Kostenfaktoren jenseits der Verwaltungsgebühr (TER) und zeigen Ihnen, wie Sie die Replikationsqualität eines ETFs selbst bewerten können. Anstatt pauschale Urteile zu fällen, geben wir Ihnen das Rüstzeug, um für jeden spezifischen Fall – sei es ein Investment in den SMI oder den S&P 500 – eine fundierte, datengestützte Entscheidung zu treffen.

Um Ihnen eine klare Struktur für diese komplexe Materie zu bieten, haben wir den Artikel in spezifische Fragestellungen unterteilt. Der folgende Überblick führt Sie durch die zentralen Aspekte, die Sie als Schweizer Anleger kennen müssen.

Inhaltsverzeichnis: Physische vs. Synthetische ETFs – Der komplette Leitfaden

Warum bevorzugen Schweizer Anleger meist physisch replizierende Fonds?

Die Präferenz vieler Schweizer Anleger für physisch replizierende ETFs hat zwei Hauptgründe: ein tief verankertes Sicherheitsbedürfnis und handfeste steuerliche Vorteile in spezifischen Szenarien. Das Konzept der physischen Replikation ist intuitiv verständlich: Der ETF kauft und hält die im Index enthaltenen Aktien tatsächlich. Als Anleger besitzen Sie also einen Anteil an einem Fonds, der die Wertpapiere direkt im Portfolio hat. Dies schafft ein Gefühl von Transparenz und direkter Teilhabe, das bei synthetischen Strukturen auf den ersten Blick fehlt.

Schweizer Anleger bevorzugt physische ETFs aus Sicherheitsgründen

Dieser psychologische Vorteil wird durch einen konkreten finanziellen Nutzen untermauert, wenn es um Schweizer Aktien geht. Wählt man einen physischen ETF mit Fondsdomizil Schweiz, kann der Fonds die schweizerische Verrechnungssteuer auf Dividenden vollständig zurückfordern. Bei ausländischen Fonds ist dies nicht der Fall, was zu einem Steuerleck führt. Die 35% Verrechnungssteuer, die auf Dividenden von Schweizer Unternehmen anfällt, kann so die Rendite schmälern, wenn die Fondsstruktur nicht optimal auf den Schweizer Markt abgestimmt ist. Aus diesem Grund ist für ein Investment in den SMI oder SPI ein physischer ETF mit Domizil Schweiz fast immer die erste Wahl.

Wie schafft es ein ETF, den SMI genau abzubilden, ohne jeden Tag tausende Aktien zu kaufen?

Die Vorstellung, dass ein ETF-Anbieter täglich unzählige Aktien kauft und verkauft, um den Index abzubilden, ist ein häufiges Missverständnis. Der eigentliche Mechanismus ist weitaus effizienter und kostengünstiger: der sogenannte Creation/Redemption-Prozess. Dieser findet nicht am öffentlichen Börsenmarkt statt, sondern direkt zwischen dem ETF-Anbieter und grossen Finanzinstituten, den „Authorized Participants“ (APs), zu denen in der Schweiz beispielsweise UBS oder Credit Suisse gehören.

Wenn die Nachfrage nach einem ETF steigt, liefert der AP einen vordefinierten Korb von Aktien – der exakt die Zusammensetzung des Index widerspiegelt – an den ETF-Anbieter. Im Gegenzug erhält der AP neue, „geschaffene“ ETF-Anteile, die er dann an der Börse verkaufen kann. Dieser Tausch von Aktien gegen ETF-Anteile („in-kind“) vermeidet Transaktionskosten und Steuern, die beim direkten Kauf und Verkauf von Aktien anfallen würden. Dieser Mechanismus sorgt für hohe Liquidität und hält die Kosten für bestehende Anleger niedrig. Die Methode der Replikation hängt dabei stark von der Grösse und Liquidität des Index ab.

Die folgende Tabelle zeigt, wie unterschiedlich die Replikation für den konzentrierten SMI im Vergleich zum breiteren SPI gehandhabt wird.

Full Replication vs. Optimized Sampling bei Schweizer Indizes
Methode SMI (20 Titel) SPI (220 Titel) Kosten
Full Replication Alle 20 Titel werden gekauft Theoretisch möglich Niedrig bei SMI
Optimized Sampling Nicht notwendig Nur liquideste Titel Reduzierte Transaktionskosten
Tracking Error Minimal Leicht erhöht Abhängig von Methode

Während beim SMI mit nur 20 Titeln eine vollständige Replikation (Full Replication) einfach und kostengünstig ist, greifen Anbieter beim SPI oft auf optimiertes Sampling zurück. Dabei wird nur eine repräsentative Auswahl der liquidesten Titel gekauft, um die Transaktionskosten für die vielen kleineren Werte zu senken.

NAV vs. Marktpreis: Warum weicht der Preis Ihres ETFs manchmal vom inneren Wert ab?

Jeder ETF hat zwei Preise: den Nettoinventarwert (NAV) und den Marktpreis. Der NAV (Net Asset Value) ist der „wahre“ innere Wert eines ETF-Anteils. Er wird berechnet, indem der Gesamtwert aller im Fonds gehaltenen Wertpapiere durch die Anzahl der ausgegebenen Anteile geteilt wird. Der Marktpreis hingegen ist der Preis, zu dem der ETF-Anteil an der Börse gehandelt wird und der durch Angebot und Nachfrage entsteht. Im Idealfall liegen diese beiden Preise sehr eng beieinander, doch in der Praxis kommt es zu Abweichungen.

Ein Hauptgrund dafür sind unterschiedliche Handelszeiten. Stellen Sie sich einen ETF auf den japanischen Nikkei 225 vor, der an der Schweizer Börse SIX gehandelt wird. Wenn die Börse in Tokio geschlossen ist, bleibt der NAV des ETFs quasi „eingefroren“, da sich die Preise der zugrundeliegenden japanischen Aktien nicht ändern. Der Marktpreis des ETFs an der SIX bewegt sich jedoch weiter, da Anleger auf globale Nachrichten oder die Entwicklung von US-Futures reagieren. Diese Diskrepanz zwischen statischem NAV und dynamischem Marktpreis ist unvermeidlich.

Hier kommen die Market Maker ins Spiel. Sie haben die Aufgabe, permanent An- und Verkaufskurse (Bid/Ask-Spreads) für den ETF zu stellen. Wenn der Marktpreis signifikant vom NAV abweicht, entsteht eine Arbitrage-Möglichkeit. Ein Market Maker kann dann beispielsweise den zu günstigen ETF an der Börse kaufen und ihn über den Creation/Redemption-Prozess gegen den Korb der höher bewerteten Basiswerte eintauschen und so einen risikolosen Gewinn erzielen. Diese Arbitrage-Aktivität sorgt dafür, dass der Marktpreis schnell wieder an den NAV angeglichen wird und die Abweichungen für den normalen Anleger minimal bleiben.

Das Kontrahentenrisiko bei Swap-ETFs: Was passiert, wenn die Tauschbank pleitegeht?

Das Kernargument gegen synthetische ETFs ist das Kontrahentenrisiko. Ein synthetischer ETF hält die Aktien seines Referenzindex nicht direkt. Stattdessen hält er ein Trägerportfolio aus liquiden Wertpapieren (z.B. europäische Blue-Chip-Aktien) und schliesst mit einer Investmentbank (dem Kontrahenten) ein Tauschgeschäft, einen sogenannten „Swap“, ab. Die Bank garantiert dem ETF die exakte Wertentwicklung des gewünschten Index (z.B. des S&P 500), und im Gegenzug erhält die Bank die Rendite des Trägerportfolios.

Das Risiko besteht darin, dass die Tauschbank pleitegeht und ihre Verpflichtung – die Lieferung der Indexrendite – nicht mehr erfüllen kann. Dieses Szenario ist jedoch streng reguliert, um Anleger zu schützen. Wie der Vanguard-Leitfaden zu ETF-Strukturen hervorhebt, ist der potenzielle Verlust bei OGAW-konformen (UCITS) Fonds, dem Standard in Europa, auf maximal 10% des Nettoinventarwerts des ETFs begrenzt. Der Swap wird täglich zurückgesetzt, sodass der offene Wert nie über diese Schwelle steigt.

Sicherheiten-Portfolio und Swap-Struktur bei synthetischen ETFs

In der Praxis ist das Risiko sogar noch geringer. Die ETF-Anbieter verlangen von der Swap-Partei die Hinterlegung von Sicherheiten in einem separaten Depot. Diese Sicherheiten übersteigen oft den Wert der Swap-Verpflichtung (Überbesicherung). Sollte der Kontrahent ausfallen, kann der ETF-Anbieter diese Sicherheiten liquidieren, um den Verlust zu decken. Diese mehrstufige Absicherung macht einen Totalverlust äusserst unwahrscheinlich.

Allerdings dürfen diese Risiken nicht mehr als 10 Prozent des ETF-Vermögens betragen. In der Praxis sind die Gegenparteirisiken allerdings tiefer, da sich die ETF-Anbieter mit hinterlegten Sicherheiten vor einem Konkurs der Gegenpartei schützen.

– VZ VermögensZentrum, Replikationsarten von ETF

Tracking Error minimieren: Wie finden Sie den ETF, der seinen Index am präzisesten kopiert?

Ein zentrales Qualitätsmerkmal eines ETFs ist seine Fähigkeit, den zugrundeliegenden Index so genau wie möglich nachzubilden. Die Abweichung zwischen der Rendite des ETFs und der Rendite des Index wird oft mit dem „Tracking Error“ gemessen. Viel aussagekräftiger für Anleger ist jedoch die Tracking Difference (TD). Während der Tracking Error die Schwankung der Abweichung misst, zeigt die Tracking Difference die tatsächliche, absolute Renditedifferenz über einen bestimmten Zeitraum (z.B. ein Jahr) an. Eine negative TD bedeutet, dass der ETF schlechter abgeschnitten hat als der Index, oft aufgrund von Kosten und Steuern.

Überraschenderweise kann die TD auch positiv sein, was bedeutet, dass der ETF den Index sogar übertroffen hat. Dies kann bei physischen ETFs durch Einnahmen aus der Wertpapierleihe oder bei synthetischen ETFs durch steuerliche Vorteile geschehen. Für die Auswahl des präzisesten ETFs sollten Sie daher nicht nur auf die ausgewiesene Verwaltungsgebühr (TER) achten, sondern vor allem die historische Tracking Difference im Jahresbericht oder auf vertrauenswürdigen Finanzportalen analysieren.

Die Replikationsmethode spielt hier eine grosse Rolle. Synthetische ETFs haben oft einen strukturellen Vorteil bei der Präzision, da der Swap-Partner vertraglich zur Lieferung der exakten Indexrendite verpflichtet ist. Physische ETFs, insbesondere solche, die Sampling anwenden, können durch die Auswahl der Titel leicht vom Index abweichen. Die folgende Checkliste hilft Ihnen, die Tracking-Qualität systematisch zu bewerten.

Checkliste zur Bewertung der Tracking-Qualität

  1. Replikationsmethode prüfen: Identifizieren Sie im Factsheet oder in der ETF-Suche, ob es sich um eine physische (vollständig/Sampling) oder synthetische Replikation handelt.
  2. Tracking Difference analysieren: Suchen Sie im Jahresbericht oder auf Finanzportalen nach der historischen Tracking Difference über mehrere Jahre. Sie ist aussagekräftiger als der Tracking Error.
  3. ETFs direkt vergleichen: Vergleichen Sie die Tracking Difference von verschiedenen ETFs (physisch und synthetisch) auf denselben Index.
  4. Steuereffekte berücksichtigen: Beziehen Sie als Schweizer Anleger die Auswirkungen der Verrechnungs- und Quellensteuern in Ihre Analyse mit ein, da diese die TD stark beeinflussen.
  5. TER in Relation setzen: Bewerten Sie die Gesamtkostenquote (TER) immer im Kontext der tatsächlichen Tracking Difference. Ein günstiger TER nützt nichts, wenn die TD hoch ist.

Total Cost of Ownership: Welcher ETF ist wirklich der günstigste für Schweizer Anleger?

Die Gesamtkostenquote (TER) ist der bekannteste Kostenfaktor, aber sie erzählt nur einen Teil der Geschichte. Um die wahre Kosteneffizienz eines ETFs zu beurteilen, müssen Schweizer Anleger die Total Cost of Ownership (TCO) betrachten. Diese umfasst alle expliziten und impliziten Kosten: den TER, Transaktionskosten innerhalb des Fonds, Steuern auf Dividenden und die Eidgenössische Stempelabgabe beim Kauf/Verkauf.

Gerade bei der Besteuerung ergeben sich für Schweizer Anleger entscheidende Unterschiede. Beim Kauf oder Verkauf von ETFs fällt die Stempelabgabe an. Wie der Finelles-Ratgeber zur ETF-Besteuerung erläutert, beträgt diese 0.075% auf in der Schweiz domizilierte Fonds und 0.15% auf ausländisch domizilierte Fonds. Ein noch grösserer Hebel liegt jedoch bei der Quellensteuer auf ausländischen Dividenden. Synthetische ETFs, die auf US-Indizes wie den S&P 500 lauten, sind gänzlich von der US-Quellensteuer befreit. Physische ETFs mit Domizil Irland (IE) können diese nur teilweise zurückfordern, was zu einem Steuerleck von 15% auf die Dividenden führt.

Der folgende TCO-Vergleich für einen S&P 500 ETF zeigt, wie ein synthetischer ETF trotz eines potenziell ähnlichen TER am Ende deutlich günstiger sein kann.

TCO-Vergleich physisch vs. synthetisch für S&P 500
Kostenfaktor Physisch (IE) Synthetisch (LU) Vorteil für CH-Anleger
TER 0.07% 0.05% Synthetisch
US-Quellensteuer 15% (auf Dividende) 0% Synthetisch
Stempelabgabe (Kauf) 0.15% 0.15% Gleich
Tracking Difference (approx.) -0.10% -0.02% Synthetisch

Die Tabelle verdeutlicht, dass der Steuervorteil des synthetischen ETFs bei der US-Quellensteuer die leicht höheren Kosten in anderen Bereichen mehr als kompensiert. Dies führt zu einer besseren Tracking Difference und somit zu einer höheren Nettorendite für den Schweizer Anleger. Die Wahl der Replikationsmethode ist also keine reine Sicherheitsfrage, sondern eine strategische Kostenentscheidung.

SPI oder SMI: Welcher Index bildet die Schweizer Wirtschaft wirklich besser ab?

Bei der Investition in den Schweizer Aktienmarkt stehen Anleger oft vor der Wahl zwischen dem Swiss Market Index (SMI) und dem Swiss Performance Index (SPI). Obwohl beide als Aushängeschilder der Schweizer Wirtschaft gelten, repräsentieren sie diese auf sehr unterschiedliche Weise. Die Entscheidung hat weitreichende Konsequenzen für die Diversifikation und das Risikoprofil eines Portfolios.

Der SMI ist ein Konzentrat der 20 grössten und liquidesten Schweizer Unternehmen. Seine grosse Schwäche ist das hohe Klumpenrisiko: Die drei Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis machen oft mehr als die Hälfte des gesamten Indexwerts aus. Eine schlechte Performance dieser drei Titel zieht den gesamten SMI nach unten, selbst wenn sich die übrigen Unternehmen gut entwickeln. Der grosse Vorteil des SMI ist seine einfache und kostengünstige Replikation, da eine vollständige physische Abbildung problemlos möglich ist.

Der SPI ist mit rund 220 Titeln wesentlich breiter aufgestellt. Er umfasst nahezu den gesamten Schweizer Aktienmarkt und bildet somit auch kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) ab. Dies sorgt für eine deutlich bessere Sektor- und Unternehmensdiversifikation und reduziert die Abhängigkeit von den „Big 3“. In Phasen, in denen die Pharmariesen und Nestlé schwächeln, zeigt der SPI oft eine stabilere Performance. Die breite Streuung macht die Replikation jedoch aufwändiger, weshalb hier oft Sampling-Methoden zum Einsatz kommen.

SMI vs. SPI Diversifikation und Replikation
Kriterium SMI SPI
Anzahl Titel 20 Blue-Chips ca. 220 Titel
Klumpenrisiko Hoch (Nestlé, Roche, Novartis) Reduziert
Replikationsmethode Vollständig physisch Meist Sampling
Sektorabdeckung Pharma/Nahrung dominiert Breiter diversifiziert
KMU-Abbildung Keine Mittelstand vertreten

Zusammenfassend lässt sich sagen: Wer eine konzentrierte Wette auf die grössten Schweizer Konzerne eingehen will, ist mit dem SMI gut bedient. Wer jedoch die Schweizer Wirtschaft in ihrer ganzen Breite und Vielfalt abbilden und das Klumpenrisiko minimieren möchte, findet im SPI den passenderen Index.

Das Wichtigste in Kürze

  • Physisch vs. Synthetisch: Es ist keine Frage von „gut“ oder „schlecht“, sondern von „passend für den jeweiligen Index und die Steuersituation“.
  • Schweizer Aktien: Für SMI/SPI sind physische ETFs mit Domizil Schweiz aufgrund der Verrechnungssteuer-Rückerstattung meist überlegen.
  • Ausländische Aktien (z.B. USA): Synthetische ETFs können durch die Vermeidung der US-Quellensteuer einen erheblichen Kostenvorteil (TCO) bieten.
  • Risiko: Das Kontrahentenrisiko bei synthetischen ETFs ist durch die UCITS-Regulierung (max. 10% Exposure) und die Besicherung stark begrenzt und in der Praxis sehr gering.

Wann lohnt es sich, höhere Gebühren für einen aktiven Fondsmanager zu bezahlen?

Die Diskussion um physische und synthetische ETFs findet im Universum des passiven Investierens statt. Das Ziel ist es, einen Marktindex so effizient und kostengünstig wie möglich abzubilden. Doch wann ist es sinnvoll, dieses Terrain zu verlassen und bewusst höhere Gebühren für einen aktiven Fondsmanager in Kauf zu nehmen? Die Antwort liegt oft in der Effizienz und Zugänglichkeit der Märkte.

In hocheffizienten Märkten wie dem S&P 500 schaffen es die wenigsten aktiven Manager, nach Kosten eine bessere Rendite als ein simpler ETF zu erzielen. Hier ist die passive Strategie meist überlegen. Anders sieht es in Nischen oder ineffizienten Märkten aus. Hier können Manager mit lokaler Expertise und tiefgehender Analyse tatsächlich einen Mehrwert schaffen. Ironischerweise sind es oft synthetische ETFs, die den Zugang zu genau diesen Nischen erst ermöglichen.

Wer in Nischenmärkte investieren will, kommt um Swap-ETFs meist nicht herum.

– Finanzfluss, ETF-Replikationsmethoden im Überblick

Synthetische Strukturen werden oft verwendet, um Indizes auf Rohstoffe, Frontier Markets oder Märkte mit Handelsbeschränkungen abzubilden, in die eine direkte physische Investition unmöglich oder extrem teuer wäre. Die Entscheidung für einen solchen Nischen-ETF ist bereits eine „aktive“ Entscheidung, die über ein breites Marktinvestment hinausgeht. Man tauscht das Manager-Risiko (die Gefahr, dass ein Fondsmanager schlechte Entscheidungen trifft) gegen ein Struktur-Risiko (die Komplexität eines Swap-basierten Produkts).

Vergleich zwischen Manager-Risiko und Struktur-Risiko bei Fonds

Ein aktiver Fonds lohnt sich also dann, wenn ein Manager nachweislich und wiederholt in der Lage ist, in einem ineffizienten Markt einen Informationsvorsprung auszunutzen, der die höheren Gebühren rechtfertigt. Für die meisten Standardmärkte bieten kostengünstige ETFs, ob physisch oder synthetisch, jedoch das überlegene Rendite-Risiko-Profil.

Die Entscheidung zwischen aktivem und passivem Management hängt letztlich davon ab, ob man an die wiederholbare Outperformance eines Managers glaubt oder auf die Effizienz der Markt- und Produktstruktur setzt.

Analysieren Sie vor Ihrem nächsten ETF-Kauf das Factsheet mit diesem Wissen, um die Struktur zu wählen, die wirklich zu Ihren Zielen, Ihrem Anlagehorizont und Ihrem Portfolio passt. Die informierte Entscheidung ist der erste Schritt zu einer erfolgreichen Anlagestrategie.

Geschrieben von Thomas Keller, CFA-Chartholder und Senior Portfolio Manager mit 12 Jahren Erfahrung im Asset Management bei Schweizer Grossbanken. Spezialisiert auf Aktienstrategien, ETFs und Core-Satellite-Portfolios.