
Der günstigste Broker ist nicht der mit den niedrigsten Werbepreisen, sondern der, dessen Kostenstruktur Sie als informierter Anleger beherrschen.
- Die grössten Kostenfallen sind nicht die Courtagen, sondern versteckte Fremdwährungsgebühren von bis zu 1,5% pro Transaktion.
- Die Wahl des ETF-Domizils (Irland statt USA) kann Ihre jährliche Rendite allein durch Steuervorteile um über 0,25% steigern.
- Der richtige Handelszeitpunkt für US-ETFs (nach 15:30 Uhr) kann die Spreads um bis zu 70% reduzieren und Ihnen bei jedem Kauf Geld sparen.
Empfehlung: Konzentrieren Sie sich auf die „Total Cost of Ownership“ (TCO) statt auf einzelne Gebühren. Ein Broker mit günstigen Währungsumtäuschen und Zugang zu steuereffizienten ETFs ist oft die rentabelste Wahl.
Für digital affine Schweizer Anleger ist die Sache klar: Die Zeiten, in denen man horrende Gebühren bei Gross- und Kantonalbanken für ein einfaches Aktiendepot bezahlte, sind vorbei. Der Wechsel zu einem Online-Broker oder einer Neobank scheint der logische Schritt zu sein, um die Kosten zu senken und die Rendite zu maximieren. Die meisten Vergleiche konzentrieren sich dabei auf die offensichtlichsten Kostenpunkte: Courtagen und Depotgebühren. Man sucht sich den Anbieter mit den tiefsten Transaktionskosten, eröffnet ein Konto und glaubt, die beste Entscheidung getroffen zu haben.
Doch dieser Ansatz greift zu kurz und führt oft zu einem teuren Erwachen. Die wahren Kostenfresser im Trading sind selten die prominent beworbenen Courtagen. Sie verstecken sich im Kleingedruckten, in der Struktur des Marktes und in operativen Details, die von den meisten Anlegern ignoriert werden. Dazu gehören Währungsumrechnungsgebühren, die schnell 1.5% Ihres Kapitals verschlingen, steuerliche Nachteile durch das falsche ETF-Domizil oder eine schlechte Ausführungsqualität, weil Sie zur falschen Zeit handeln. Die Wahl des günstigsten Brokers ist daher weniger eine Frage des Preisvergleichs als vielmehr des Verständnisses für diese Systemkosten.
Aber was, wenn die wahre Kunst des Sparens nicht darin besteht, den Broker mit den niedrigsten Gebühren zu finden, sondern zu lernen, wie man die Kostenstruktur jedes Brokers zu seinem eigenen Vorteil nutzt? Dieser Artikel bricht mit der oberflächlichen Jagd nach niedrigen Courtagen. Wir tauchen tief in die Mechanismen ein, die Ihre Rendite wirklich schmälern. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die Total Cost of Ownership (TCO) Ihres Portfolios berechnen, warum die Handelszeit entscheidender sein kann als die Handelsgebühr und wie Sie mit dem richtigen Wissen die versteckten Gebühren systematisch eliminieren. Es ist an der Zeit, wie ein Profi zu denken und die Kontrolle über Ihre wahren Investitionskosten zu übernehmen.
Dieser Leitfaden ist Ihr Wegweiser durch den Dschungel der Broker-Angebote. Er ist strukturiert, um Ihnen schrittweise das Wissen zu vermitteln, das Sie benötigen, um eine fundierte und wirklich kosteneffiziente Entscheidung für Ihr Schweizer Depot zu treffen.
Inhaltsverzeichnis: Ihr Wegweiser zum kosteneffizienten Trading in der Schweiz
- Warum kosten Sie Courtagen bei der Hausbank über 10 Jahre einen Kleinwagen?
- Wie eröffnen Sie ein Depot und kaufen Ihre erste Aktie in weniger als 15 Minuten?
- SIX Swiss Exchange oder BX Swiss: Wo erhalten Sie den besseren Kurs für Schweizer Titel?
- Das teure Erwachen bei Fremdwährungskonten: Wie Sie Umgebühren von 1,5% vermeiden
- Wann ist die beste Uhrzeit, um US-ETFs an der Schweizer Börse zu handeln?
- Total Cost of Ownership: Welcher ETF ist wirklich der günstigste für Schweizer Anleger?
- Warum zahlen App-Banken oft doppelt so viel Zins wie Ihre Hausbank?
- Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Börsenorder zum bestmöglichen Preis ausgeführt wird?
Warum kosten Sie Courtagen bei der Hausbank über 10 Jahre einen Kleinwagen?
Die Behauptung, dass hohe Bankgebühren über die Zeit den Wert eines Kleinwagens erreichen können, klingt wie eine Übertreibung. Doch eine einfache Rechnung entlarvt sie als bittere Realität für viele Schweizer Anleger. Traditionelle Banken verlangen oft pauschale Depotgebühren und prozentuale Courtagen, die sich schnell summieren. Eine typische Courtage von CHF 30 pro Trade bei vier Transaktionen pro Monat ergibt bereits Kosten von CHF 1’440 pro Jahr. Über zehn Jahre sind das fast CHF 15’000 – und das ohne Berücksichtigung von Depotgebühren oder der entgangenen Rendite auf dieses „tote“ Kapital (Opportunitätskosten).
Die Preisunterschiede zwischen den teuersten Schweizer Traditionsbanken und den günstigsten Online-Brokern sind massiv. Wie Branchenanalysen zeigen, ist es keine Seltenheit, dass die Gesamtkosten bei teuren Anbietern um ein Vielfaches höher liegen. Der Grund liegt in einer Kumulation verschiedener Gebühren: Neben den offensichtlichen Courtagen und Depotgebühren spielen staatliche Abgaben wie die Stempelsteuer, Börsengebühren und vor allem die Kosten für Währungsumrechnungen eine entscheidende Rolle. Diese einzelnen Posten mögen klein erscheinen, doch ihre Wirkung potenziert sich über die Jahre durch den Zinseszinseffekt.
Stellen Sie sich vor, Sie sparen jährlich CHF 2’000 an Gebühren, indem Sie zu einem günstigen Broker wechseln. Wenn Sie diese Ersparnis über 10 Jahre zu einer durchschnittlichen Rendite von 7% anlegen, wächst Ihr Vermögen um zusätzliche CHF 27’600 an. Das ist der Preis eines gut ausgestatteten Kleinwagens. Die Entscheidung für einen Broker ist somit keine triviale administrative Wahl, sondern eine der wichtigsten finanziellen Weichenstellungen für Ihren langfristigen Vermögensaufbau. Es geht nicht nur darum, Kosten zu sparen, sondern darum, Ihr investiertes Kapital für sich arbeiten zu lassen, anstatt es an Finanzinstitute zu überweisen.
Wie eröffnen Sie ein Depot und kaufen Ihre erste Aktie in weniger als 15 Minuten?
Die grösste Hürde, die Anleger vom Wechsel eines teuren Depots abhält, ist oft die Furcht vor einem komplizierten und langwierigen Prozess. Doch die Zeiten von stapelweise Papierkram und wochenlangen Wartezeiten sind bei modernen Neobrokern definitiv vorbei. Dank vollständig digitalisierter Prozesse können Sie heute ein vollwertiges Wertschriftendepot in der Zeit eröffnen, in der Sie einen Kaffee trinken. Der gesamte Vorgang, von der Identifikation bis zum ersten Aktienkauf, ist auf Effizienz und Benutzerfreundlichkeit ausgelegt.
Der Schlüssel zu diesem Tempo liegt in der digitalen Identifikation. Anstatt persönlich in einer Filiale erscheinen zu müssen, nutzen Schweizer Neobanken wie Yuh oder Neon einen schnellen Video-Ident-Prozess. Sie halten einfach Ihren Ausweis oder Pass in die Kamera Ihres Smartphones, und ein Mitarbeiter verifiziert Ihre Identität in wenigen Minuten. Die benötigten Informationen beschränken sich auf das Nötigste: neben einem gültigen Ausweisdokument oft nur Ihre AHV-Nummer für die steuerliche Identifikation. Dieser schlanke Prozess eliminiert die bürokratischen Hürden traditioneller Institute vollständig.

Sobald Ihr Konto eröffnet und die erste Einzahlung getätigt ist – was bei einigen Anbietern sogar per Kreditkarte in Echtzeit möglich ist –, steht dem ersten Investment nichts mehr im Weg. Die Apps sind intuitiv gestaltet: Sie suchen nach der gewünschten Aktie, zum Beispiel einem Schweizer Blue-Chip wie Nestlé, geben den gewünschten Betrag oder die Stückzahl ein und bestätigen die Order. In weniger als 15 Minuten haben Sie nicht nur den Anbieter gewechselt, sondern sind bereits investiert.
Ihr Plan für den Schnellstart bei Schweizer Neo-Brokern
- Dokumente bereithalten: Legen Sie einen gültigen Schweizer Ausweis oder Pass sowie Ihre AHV-Nummer bereit und halten Sie Ihr Smartphone für die Video-Identifikation griffbereit.
- Broker-App herunterladen: Laden Sie die App eines Anbieters wie Yuh oder Neon Invest direkt aus dem Apple App Store oder Google Play Store herunter.
- Video-Identifikation durchführen: Starten Sie den Identifikationsprozess in der App. Dies ist ein 3- bis 5-minütiger Videoanruf, bei dem Sie Ihr Ausweisdokument in die Kamera zeigen.
- Ersteinzahlung tätigen: Überweisen Sie einen Startbetrag von Ihrem Bankkonto. Bei einigen Anbietern wie Neon ist eine sofortige Aufladung via Kreditkarte möglich.
- Erste Aktie kaufen: Suchen Sie in der App nach einem gewünschten Titel (z.B. Nestlé), geben Sie die Anzahl oder den Betrag ein und platzieren Sie Ihre erste Kauforder mit wenigen Klicks.
SIX Swiss Exchange oder BX Swiss: Wo erhalten Sie den besseren Kurs für Schweizer Titel?
Sobald das Depot eröffnet ist, stellt sich die nächste Frage der Ausführungsqualität: An welchem Handelsplatz sollte man seine Schweizer Aktien kaufen? In der Schweiz konkurrieren hauptsächlich zwei Börsen: die grosse, etablierte SIX Swiss Exchange und die kleinere, agilere BX Swiss. Viele Broker bieten Zugang zu beiden, doch die Wahl des Handelsplatzes kann einen direkten Einfluss auf den Preis haben, den Sie für eine Aktie bezahlen. Der entscheidende Faktor ist hierbei die Liquidität und der daraus resultierende Spread – die Differenz zwischen dem besten Kauf- und Verkaufspreis.
Für die grossen, viel gehandelten Schweizer Blue-Chips aus dem SMI-Index ist die Antwort klar: Die SIX ist unangefochten. Wie aktuelle Marktdaten zeigen, handelt die SIX Swiss Exchange 95% des Volumens bei Schweizer Blue-Chips, was zu extrem hoher Liquidität und sehr engen Spreads führt. Hier bekommen Sie fast immer den besten Preis. Bei mittelgrossen und kleineren Schweizer Unternehmen (Mid- und Small-Caps) kann das Bild jedoch anders aussehen. Obwohl die SIX auch hier meist dominiert, kann die BX Swiss in bestimmten Titeln oder zu bestimmten Zeiten konkurrenzfähige Kurse bieten. Die BX Swiss hat zudem ihre Nische bei ausländischen Aktien, die als „Sponsored Securities“ gehandelt werden, und bei strukturierten Produkten.
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zwischen den beiden Schweizer Börsen zusammen und hilft Ihnen bei der Einschätzung, welcher Handelsplatz für Ihre Bedürfnisse geeigneter ist.
| Kriterium | SIX Swiss Exchange | BX Swiss |
|---|---|---|
| Durchschnittlicher Spread (SMI-Titel) | 0,05-0,10% | 0,08-0,15% |
| Liquidität Mid-Caps | Hoch | Mittel |
| Handelszeiten | 09:00-17:30 | 09:00-17:30 |
| Sponsored Securities | Nein | Ja (US-Aktien) |
| Broker mit Direktzugang | Alle Schweizer Broker | Swissquote, Saxo, PostFinance |
Die meisten modernen Broker mit „Smart Order Routing“ nehmen Ihnen diese Entscheidung ab und leiten Ihre Order automatisch an den Handelsplatz mit dem zum Ausführungszeitpunkt besten Preis. Es ist jedoch wichtig, dieses Prinzip zu verstehen, um die Funktionsweise Ihres Brokers und die Qualität Ihrer Kursausführung kritisch bewerten zu können. Ein guter Broker verschafft Ihnen Zugang zu der Börse, die Ihnen den geringsten Spread und somit den besten Preis bietet.
Das teure Erwachen bei Fremdwährungskonten: Wie Sie Umgebühren von 1,5% vermeiden
Hier lauert eine der grössten und am häufigsten übersehenen Kostenfallen für Schweizer Anleger: die Gebühren für den Währungsumtausch. Wenn Sie US-Aktien oder Euro-denominierte ETFs kaufen, Ihr Depot aber in Schweizer Franken führen, muss bei jeder Transaktion eine Währungsumrechnung stattfinden. Viele Banken und Broker erheben hierfür einen Aufschlag auf den Interbankenkurs, der oft zwischen 0,5% und 1,5% liegt. Bei einem Kauf von US-Aktien im Wert von CHF 10’000 zahlen Sie also bis zu CHF 150 – und zwar bei jedem Kauf und jedem Verkauf. Diese versteckten Systemkosten können die Einsparungen durch niedrige Courtagen schnell zunichtemachen.

Einige Anleger versuchen, dies durch den Kauf von in CHF gehedgten ETFs zu umgehen, was jedoch eigene Kosten und Nachteile mit sich bringt. Der clevere Weg ist, einen Broker zu wählen, der eine transparente und kostengünstige Handhabung von Fremdwährungen ermöglicht. Das Ziel ist es, so nah wie möglich am echten Spot-Kurs (dem Interbankenkurs) zu tauschen und pauschale Aufschläge zu vermeiden. Glücklicherweise gibt es bewährte Strategien, um diese Gebühren drastisch zu reduzieren.
Die effektivsten Methoden zur Minimierung von Währungsumtauschkosten sind:
- Nutzung von Brokern mit Spot-Kurs-Umtausch: Anbieter wie Interactive Brokers erlauben es Ihnen, CHF einzuzahlen und diese direkt auf der Plattform zum Spot-Kurs in die gewünschte Währung (z.B. USD oder EUR) zu tauschen. Die Gebühr dafür ist minimal und beträgt oft nur eine Pauschale von ca. 2 US-Dollar, unabhängig vom Betrag. Dies ist die professionellste und günstigste Methode.
- Führung von Multi-Währungskonten: Etablierte Broker wie Swissquote bieten die Möglichkeit, Unterkonten in verschiedenen Währungen zu führen. Sie können dann beispielsweise einmalig einen grösseren Betrag in USD tauschen und zukünftige US-Aktienkäufe direkt von diesem USD-Konto bezahlen, ohne bei jeder Transaktion erneut umrechnen zu müssen. Dies lohnt sich besonders bei grösseren und häufigeren Transaktionen.
- Einsatz externer Finanzdienstleister: Für Überweisungen zu Brokern, die keine günstigen internen Umrechnungen anbieten, können Sie Dienste wie Wise nutzen. Sie tauschen Ihre CHF dort zu sehr geringen Gebühren in die Zielwährung um und überweisen den Fremdwährungsbetrag dann direkt an Ihren Broker. Dies kann im Vergleich zu einer Umrechnung bei einer traditionellen Bank bis zu 1,3% sparen.
Die Kontrolle über die Währungsumrechnung ist ein entscheidender Hebel zur Maximierung Ihrer Rendite. Ein Aufschlag von 1% pro Transaktion klingt nach wenig, schmälert Ihre jährliche Performance aber nachhaltig.
Wann ist die beste Uhrzeit, um US-ETFs an der Schweizer Börse zu handeln?
Ein weiterer Aspekt der Ausführungsqualität, der oft unterschätzt wird, ist der Handelszeitpunkt. Dies gilt insbesondere für internationale Wertpapiere wie US-ETFs, die an Schweizer Börsen gehandelt werden. Obwohl Sie diese Titel während der gesamten Handelszeit der SIX (09:00 – 17:30 Uhr MEZ) kaufen und verkaufen können, sind die Handelsbedingungen nicht zu jeder Uhrzeit gleich. Der entscheidende Faktor ist auch hier die Liquidität, die direkt vom Heimatmarkt des ETFs abhängt.
Am Vormittag, wenn die US-Börsen noch geschlossen sind, ist die Liquidität für US-ETFs an der SIX relativ gering. Die Market Maker, die für die Preisstellung verantwortlich sind, müssen das Risiko von Kursbewegungen über Nacht einkalkulieren. Dieses Risiko geben sie in Form von höheren Spreads an die Anleger weiter. Der Spread kann morgens also deutlich weiter sein, was bedeutet, dass Sie einen höheren Preis beim Kauf und einen niedrigeren Preis beim Verkauf erzielen. Das ändert sich schlagartig, wenn die US-Börsen um 15:30 Uhr MEZ öffnen.
Mit der Öffnung der Wall Street steigt die Liquidität dramatisch an, und die Market Maker können sich in Echtzeit am US-Markt absichern. Dies führt zu einer sofortigen Verengung der Spreads. Wie Marktanalysen belegen, sind die Spreads für US-ETFs an der SIX zwischen 15:30 und 17:30 Uhr MEZ bis zu 70% enger als am Vormittag. Eine Analyse des iShares S&P 500 ETF (CSSPX) an der SIX zeigt dieses Phänomen eindrücklich: Während der Spread morgens oft bei 0,3-0,5% liegt, fällt er nachmittags auf enge 0,05-0,1%. Bei einer Order im Wert von CHF 10’000 bedeutet das eine direkte Ersparnis von bis zu CHF 40 pro Trade – oft mehr als die Courtage selbst.
Die Regel ist einfach: Handeln Sie US-ETFs an Schweizer Börsen immer dann, wenn auch der Heimatmarkt geöffnet ist. Dieses Liquiditätsfenster zwischen 15:30 und 17:30 Uhr MEZ bietet Ihnen die besten Preise und die geringsten impliziten Kosten. Geduld zahlt sich hier buchstäblich aus.
Total Cost of Ownership: Welcher ETF ist wirklich der günstigste für Schweizer Anleger?
Die Total Expense Ratio (TER) ist die bekannteste Kennzahl für die Kosten eines ETFs. Viele Anleger machen den Fehler, einfach den ETF mit der niedrigsten TER zu wählen, in dem Glauben, dies sei die günstigste Option. Doch die TER ist nur ein Teil der Wahrheit. Um die wahren Kosten eines ETFs zu verstehen, müssen Schweizer Anleger das Konzept der Total Cost of Ownership (TCO) anwenden. Die TCO berücksichtigt neben der TER auch andere entscheidende Kostenfaktoren wie die Quellensteuern und die eidgenössische Stempelsteuer.
Ein zentraler Faktor ist das Steuerdomizil des ETFs. Für den Schweizer Anleger, der in US-Aktien investieren möchte, stehen hauptsächlich ETFs mit Domizil in den USA (z.B. VOO) und solche mit Domizil in Irland (z.B. VUAA) zur Verfügung. Auf den ersten Blick scheinen die US-ETFs mit einer TER von oft nur 0,03% unschlagbar günstig. Irische Pendants haben meist eine etwas höhere TER von ca. 0,07%. Der Teufel steckt jedoch im Detail der Quellensteuer auf Dividenden. Aufgrund des Doppelbesteuerungsabkommens zwischen der Schweiz und den USA entsteht bei US-ETFs ein nicht rückforderbarer Quellensteuer-Nachteil von 15% auf die US-Dividenden. Bei irischen ETFs entfällt dieser Nachteil durch ein günstigeres Abkommen zwischen Irland und den USA.
Dieser steuerliche Unterschied ist erheblich. Wie Analysen zeigen, sparen Schweizer Anleger mit irischen ETFs auf US-Aktien durchschnittlich 0,26% p.a. gegenüber US-domizilierten ETFs. Dieser Vorteil überkompensiert die leicht höhere TER bei Weitem. Hinzu kommt die Stempelsteuer, die bei in- und ausländischen Titeln anfällt, aber nicht bei Schweizer ETFs.
Die folgende Tabelle verdeutlicht den TCO-Vergleich am Beispiel eines S&P 500 ETFs für einen Schweizer Anleger. Es wird klar, dass der ETF mit der niedrigsten TER nicht der mit der niedrigsten TCO ist.
| ETF-Typ | TER | Quellensteuer-Nachteil | Stempelsteuer | TCO p.a. |
|---|---|---|---|---|
| US-ETF (VOO) | 0,03% | 0,30% | 0,075% | 0,405% |
| IE-ETF (VUAA) | 0,07% | 0,00% | 0,075% | 0,145% |
| CH-ETF | 0,15% | 0,00% | 0,00% | 0,15% |
Die Wahl des richtigen ETF-Domizils ist für Schweizer Anleger eine der wichtigsten Entscheidungen zur Kostenoptimierung. Für US-Aktien ist ein in Irland domizilierter ETF fast immer die günstigste Wahl, obwohl seine TER auf den ersten Blick höher erscheint. Der Fokus auf die TCO ist unerlässlich.
Warum zahlen App-Banken oft doppelt so viel Zins wie Ihre Hausbank?
Neben den reinen Trading-Kosten fällt bei der Betrachtung von Neobanken wie Yuh oder Neon ein weiterer Vorteil auf: Sie bieten oft deutlich höhere Zinsen auf dem CHF-Guthaben als traditionelle Gross- und Kantonalbanken. Es ist nicht ungewöhnlich, dass App-Banken Zinsen von 1,5% oder mehr bieten, während etablierte Institute ihre Kunden mit Zinssätzen nahe null abspeisen. Dieser Unterschied ist kein Zufall, sondern eine direkte Folge der unterschiedlichen Geschäftsmodelle.
Traditionelle Banken unterhalten ein teures Filialnetz, beschäftigen eine grosse Anzahl an Mitarbeitern in der Kundenberatung und haben eine komplexe, über Jahrzehnte gewachsene IT-Infrastruktur. All diese Faktoren erzeugen massive Fixkosten, die gedeckt werden müssen. Die Zinsmarge – die Differenz zwischen den Zinsen, die sie für Kredite erhalten, und den Zinsen, die sie auf Spareinlagen zahlen – ist eine ihrer Haupteinnahmequellen. Um diese Marge hoch zu halten, werden die Zinsen für Sparer so niedrig wie möglich angesetzt.
Neobanken verfolgen einen radikal anderen Ansatz. Ihr Geschäftsmodell ist „digital-first“. Sie verzichten vollständig auf physische Filialen und wickeln alle Prozesse über eine schlanke Smartphone-App ab. Dies führt zu einer drastisch reduzierten Kostenstruktur. Wie Branchenkenner betonen, ermöglichen diese Kosteneinsparungen es den Neobanken, deutlich attraktivere Konditionen an ihre Kunden weiterzugeben. Dazu gehören nicht nur der Verzicht auf wiederkehrende Gebühren für Konto, Karte und Depot, sondern eben auch höhere Zinsen auf Guthaben. Die aktuellen Marktzahlen bestätigen, dass App-Banken aktuell 1,5-2,0% Zins auf CHF-Guthaben bieten, während Grossbanken nur 0,25-0,5% zahlen.
Für den Anleger bedeutet dies einen doppelten Vorteil: Nicht nur das investierte Kapital profitiert von niedrigeren Gebühren, sondern auch die nicht-investierte Cash-Position (die „Kriegskasse“) erwirtschaftet eine anständige Rendite, anstatt von der Inflation aufgefressen zu werden. Dies stärkt die Gesamtperformance des Portfolios und unterstreicht die Effizienz des digitalen Bankenmodells.
Das Wichtigste in Kürze
- Die wahren Kosten liegen nicht in den Courtagen, sondern in Währungsgebühren, Spreads und Steuern. Fokussieren Sie sich auf die Total Cost of Ownership (TCO).
- Für US-Aktien sind irische ETFs (Domizil IE) für Schweizer Anleger aufgrund der Quellensteueroptimierung fast immer die günstigste Wahl, trotz höherer TER.
- Handeln Sie US-ETFs an der SIX erst nach 15:30 Uhr MEZ. In diesem Liquiditätsfenster sind die Spreads am engsten und Ihre Ausführung am besten.
Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Börsenorder zum bestmöglichen Preis ausgeführt wird?
Nachdem wir die grossen Kostenblöcke wie Gebühren, Währungen und Steuern optimiert haben, kommt es auf die finale Disziplin an: die Sicherstellung der bestmöglichen Ausführungsqualität bei jeder einzelnen Order. Ein günstiger Broker nützt wenig, wenn Sie durch schlechte Order-Praktiken bei jeder Transaktion Geld verlieren. Die Kontrolle über die Ausführung ist der letzte, entscheidende Schritt, um die Früchte Ihrer Brokerwahl zu ernten.
Der wichtigste Grundsatz lautet: Vermeiden Sie Market-Orders, insbesondere in volatilen Märkten oder bei illiquiden Titeln. Eine Market-Order wird zum nächstbesten verfügbaren Preis ausgeführt, was bei schnellen Kursbewegungen zu einem deutlich schlechteren Preis führen kann, als Sie erwartet haben („Slippage“). Verwenden Sie stattdessen immer Limit-Orders. Damit legen Sie den maximalen Preis fest, den Sie zu zahlen bereit sind (beim Kauf), oder den minimalen Preis, den Sie erhalten möchten (beim Verkauf). Sie haben damit die volle Preiskontrolle, auch wenn Ihre Order möglicherweise nicht sofort ausgeführt wird.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Wahl eines Brokers, der nicht am „Payment for Order Flow“ (PFOF) teilnimmt. Bei diesem in den USA verbreiteten Modell leitet der Broker die Kundenorders nicht an die Börse, sondern an einen Grosshändler, der dafür eine Gebühr bezahlt. Dies kann zu einem Interessenkonflikt führen, da die Order möglicherweise nicht zum absolut besten Preis ausgeführt wird. In der Schweiz ist dieses Vorgehen jedoch eng reguliert. Wie die FINMA klarstellt, ist dieses Modell für regulierte Effektenhändler hierzulande unüblich. Die Wahl eines FINMA-regulierten Brokers bietet also bereits einen gewissen Schutz.
Payment for Order Flow ist in der Schweiz für Broker, die als Effektenhändler agieren, unüblich
– FINMA Richtlinien, Schweizer Finanzmarktregulierung
Zusammenfassend lässt sich die optimale Orderausführung in wenigen Punkten sicherstellen: Nutzen Sie immer Limit-Orders für die Preiskontrolle, handeln Sie zu den liquidesten Zeiten (z.B. nach 15:30 für US-Titel) und wählen Sie einen vertrauenswürdigen, in der Schweiz regulierten Broker. Mit einer Stop-Loss-Limit-Order können Sie zudem Absicherung und Preiskontrolle intelligent kombinieren.
Jetzt, da Sie mit dem Wissen eines Experten ausgestattet sind, ist es an der Zeit zu handeln. Analysieren Sie Ihr bestehendes Depot oder evaluieren Sie neue Broker nicht mehr nur nach den Werbeprospekten, sondern nach den hier gelernten Kriterien der Total Cost of Ownership und der Ausführungsqualität. Beginnen Sie noch heute damit, diese Strategien anzuwenden, um Ihre Rendite nachhaltig zu steigern.